# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S174 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 174 Dr. Reynolds und der Lutheran Observer über ꝛc. andern Geiste annimmt, als in dem sie verfaßt sind. Die Chiliasten haben einen völlig andern Geist, nennen darum auch Glaube, Hoffnung und Liebe etwas Anderes wie wir. Was kann es helfen, uns in guter Meinung durch menschliches Vornehmen noch so fest aneinander zu binden, wenn wir doch innerlich nach verschiedener Richtung auseinandergehen? Was fragen wir nach Anerkennung der Symbole? Wir haben's schon oft gesehen und gehört, daß Leute ihr feierliches Amen zum Concordienbuche gesagt haben, die auch nicht ein Fünklein vom Geiste unserer Symbole hatten. .. Auf Herz, Geist und Sinn kommt's doch an. .. Unsere Kirche zerbröckelt nie. Gut ist's ihr aber, wenn, was nicht von ihr ist, auch, wenn seine Zeit da ist, nicht in ihr und bei ihr bleibt .... Ehrlich, offen, unpartheiisch, ganz zum lautern Gotteswort gewandt, wie unsere lieben Alten, so ziemt sich's für uns .. Wir wollen nicht auf die Art das politische Zusammenhalten der Unir⸗ ten, ohne Einheit in der Lehre, verurtheilt haben, daß wir zugleich unsere.. Gemeinschaft ebenso nur zusammenhalten wollten, wiederum auf Kosten der reinen Lehre. Fürwahr, so haben wir nicht gewettet. Wo man das Schild lutherische Kirche aushängt, da müssen wir verlangen, daß Einheit und Reinheit der Lehre erste Bedingung der Gemeinschaft sei und bleibe. Sonst treibt man falsches Spiel und hat gegen die Union schon verloren.“ (Eingesandt.) Dr. Reynolds und der Lutheran Observer über das Predigtamt. Das Evangelical Review vom April d. J. enthält einen Aufsatz von Dr. Reynolds über das Predigtamt, worin derselbe im Ganzen die reine Lehre unserer Kirche über diesen Artikel darstellt und sowohl mit Aussprüchen der Schrift als mit Stellen aus den Symbolen, aus Luther und andern be— währten Theologen belegt. Er lehrt, daß das Kirchenregiment von der ganzen Kirche zu üben sei, Predigern sowohl als Zuhörern, daß alle Christen geistlichen Standes seien und darum die Prediger sich von den Zuhörern nur durch das Amt unterscheiden, daß dies Amt nur in der Uebertragung derjeni⸗ gen Rechte und Befugnisse von Seiten der ganzen Gemeinde bestehe, welche ursprünglich allen Christen zukommen: durch die Gemeinde gibt Christus alle Aemter der Kirche. Demnach stehe der Hörerschaft Theilnahme am Kirchen⸗ regiment zu, wie es in der Synodalverfassung der Fall sei, wozu es zwar in Deutschland und andern Ländern Europa's nie gekommen sei, wo der Ein⸗ fluß der Staatsgewalt es gehindert habe, wohl aber da, wo die Kirche theil⸗ weise oder völlige Unabhängigkeit genieße, in Ungarn, Siebenbürgen, Ruß⸗ land, und vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie schon 1748 von Mühlenberg eingeführt wurde. Entschieden erklärt sich darum Dr. Reynolds gegen die Ordnung der Generalsynode, wonach dem Mini⸗ sterium, d. i. der Körperschaft der Prediger, allein, mit Ausschluß der übrigen