# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 12 08_S68 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Dienſte genommen hat, um durch ihn die luthe⸗ riſche Kirche zu bekämpfen. Allein umſonſt! — denn d'Aubigne's Buch wimmelt von Lügen, was freilich ein Methodiſt nicht wiſſen kann, da bekanntlich Unwiſſenheit die Haupitugend eines Methodiſten iſt. Indeß wäre es ermüdend, alle Verfälſchungen d'Aubigne's nachzuweiſen, wir wollen nur einige derſelben aufdecken, damit der geneigte Leſer wiſſe, was er von dem ganzen Machwerke zu halten habe. ö Eine tadelnswerthe Unredlichkeit begeht d'Au⸗ bigne, welchem Herr Naſt in einer fehlerhaften „Ueberſetzung gedankenlos folgt, damit, daß er häufig ſolche. Thatſachen verſchweigt, welche Zwingli's unedles Betragen gegen Luther und die Seinen beweiſen. So ſagt er, indem er ſich das Anſehen gibt, als wolle er die Geſchichte des Sa⸗ erament⸗Streites gründlich darſtellen, Apologet Nr. 39: „Zwingli widerlegte in ſeiner freund⸗ lichen Erklärung 1527 Luthers Meinung mit Milde und Achtung.“ Dabei läßt er aber uner⸗ wähnt, daß Zwingli vorher die Lutheraner be⸗ reits mit den allergiftigſten Läſterworten über⸗ ſchüttet hatte. So nannte er ſie im Jahre 1525 „dumme Leute“, ihre ſchriftgemäße Lehre, daß man im heiligen Abendmahl den wahren Leib Chriſti eſſe, ſei „gottlos, närriſch, grauſam, ein Ungeheuer, man müſſe denn unter Menſchenfreſ⸗ ſern wohnen“. In einer andern Schrift von demſelben Jahre wirft er den Lutheranern „Blind⸗ heit, Dummheit, ſtreitſüchtige Unverſchämtheit“, u. ſ. w. vor, nennt ſeine Gegner Fleiſcheſſer, ſie „tobten raſender, als alle Wilden“. Im folgenden Jahre ſchrieb Zwingli eine Antwort auf Billica⸗ nus' und Rhegius' Briefe, worin er ſie eben ſo verächtlich behandelt, als „Unſinnige, Buchſtaben⸗ Tyrannen, Fleiſchfreſſer, ihr Odem röche überall nach dem Satan“. Mit welcher „Milde und Achtung“ Zwingli in ſeiner freundlichen Erklä⸗ rung Luthers Meinung widerlegt, zeigt er beſon⸗ ders darin, indem er Luthers Meinungen „Gott⸗ loſigkeiten und eine Wiedereinführung aller päbſt⸗ lichen Irrthümer“ nennt. Er beſchuldigt ihn ferner der „Raſerei, daß er mit ſchrecklichen Schmähungen unmenſchlich gegen die Guten wüthe“. Den Lutheraner Joh. Faber nennt er darin einen Schelm und zweifelt von Bren⸗ tius, ob er ein Menſch ſei. Wir danken übrigens dem Herrn d'Aubigne und dem Herrn Doctor Naſt, daß ſie uns darüber belehrt haben, was ſie unter „Milde und Achtung“ gegen Lutheraner verſtehen. Auf jene Schriften Zwingli's erſchien Luthers Buch: daß die Worte Chriſti, das iſt mein Leib, noch feſt ſtehen. Dazu ſagt d'Aubigne: „Zwingli ſchrieb zwei Antworten dem vortrefflichen Martin Luther in einem kalten Tone und mit einer ſtol⸗ zen Ruhe, die ſchwieriger war zu vergeben, als die Schimpfreden eines ſächſiſchen Doctors“. Apologet Nr. 40. Es begegnet hier Herrn d'Au⸗ bigne trotz ſeines eifrigſten Strebens, ſeinen Hel⸗ den Zwingli auf das Vortheilhafteſte herauszu⸗ ſtreichen, um ihm alle möglichen Tugenden anzu⸗ dichten, daß er nicht weiß, was zu einem wahrhaft edlen, chriſtlichen Charakter gehört. Geſetzt 68 nämlich, Zwingli hätte wirklich, wie Herr d'Au⸗ bigne vorgibt, in einem kalten Tone und mit einer ſtolzen Ruhe, die ſchwierig zu vergeben war, geantwortet, ſo wäre dieſes doch wahrlich Beweis genug geweſen, daß er jene herzliche Liebe zu den Brüdern nicht kannte, welche mit dem Beſitze der Wahrheit unzertrennlich verbunden iſt. Wie edel und hochherzig iſt dagegen Luthers Haltung gegen Zwingli, den er als einen Irrenden ſtets voll Erbarmen bemitleidet, wenn er auch ſeine falſche Lehre mit dem gerechteften Unwillen ſtraft. Uebrigens verhält es ſich mit Zwingli's „kal⸗ tem Tone und ſtolzer Ruhe“ ähnlich, wie mit ſeiner „Milde und Achtung“. hamer einen Eſel geſcholten, die lutheriſche Lehre vom Abendmahl Aberglauben gen annt und Luthers Schrift als „leere Täuſcherei“ bezeichnet hat, droht er, er wolle in zwei Monaten ſo darauf antworten, daß nicht „ein Gebein davon kommen ſolle“, und prahlt damit, daß in drei Jahren ganz Italien, Spanien, Frankreich und Deutſchland ſeine Lehre angenommen haben würde, eine Weiſ⸗ ſagung, welche bekanntlich nie in Erfüllung ge⸗ gangen iſt. In ſeiner Antwort ſagte er, „Luther raſe und wüthe“, ja! er gibt ihm Frechheit, Lügen, Verfluchungen, unſinnige Schimpfreden und ra⸗ ſende Worte Schuld, welche „nach der Hölle zu riechen ſchienen“. Der Herr Doctor Naſt wolle geruhen, aus der Tiefe ſeiner Weisheit uns einige Aufklärung zu geben, wo eigentlich der „kalte Ton“ ſtecke, da es ſcheint, als ob ſich derſelbe auf ihn vererbt habe. Fortſetzung folgt.) (Eingeſandt.). Beiträge zum Tagebuch eines Land⸗ geiſtlichen. ) 1. Das Siegel deines inneren göttlichen Be⸗ rufes zum heiligen Predigtamte ſei die im Glau⸗ ben erkannte und erfahrene Liebe Chriſti, die dich dringe, hinfort nicht dir ſelbſt zu leben, ſondern dem, der für dich und deine Brüder nach dem Fleiſche ſtarb und auferſtand (2 Kor. 5, 14. 15.). Und ob der Satan ſich mächtig hänge an das ſchwache Herz und ſeinen kleinen Glauben, ſo reiße, bis des Zweifels ſtarre Rinde von dieſem Herzen niederfällt. Ja, wärſt du wirklich menſch⸗ licher Weiſe nur in's Amt gekommen, ſo hüte dich, es eigenwillig zu verlaſſen, wenn Gott ſich deiner in demſelben gebrauchen will. S. Luthers Kirchenpoſtille ed. Walch p. 150. §. 29. 30. 2. Erkennſt du dich arm und dürftig an äußer⸗ lichen Gaben der Natur, ſo bedenke, daß Gott nach Seiner Allmacht und nach Seiner Gnade auch den geringſten Werkzeugen in Seinem Wein⸗ berg rufen und dir das geben könne, weſſen du bedarfſt, oder durch geiſtliche Gaben erſetzen wolle. Wenn deine Untauglichkeit oder Verſehn dich kränken, wie's allen Heiligen geſchah, ſo merke, *) Mögen dieſe uns von einem Landgeiſtlichen zuge⸗ ſandten Aphorismen, welche in Wenigem Viel enthalten und die Frucht eines titfen Nachdenkens nicht nur, ſondern auch mehrjähriger eigenthümlicher Erfahrungen ſind, bei unſern lieben Amtsbrüdern die Aufmerkſamkeit finden, die ſie verdienen, ſo hoffen wir, daß ſie ſich als köſtliche Samen⸗ körner erweiſen werden. D. R. Nachdem er in einem Briefe an Oſiander den Lutheraner Alt⸗ es iſt Gottes Werk und Kunſt, daß er ändere und beſſere, was du aus Irrthum verdorben haſt. Siehe Luther zu 1 Moſ. 30, 31. Nimm an die Vergebung aller deiner Sünden, verab⸗ ſcheue aber und verfluche bis in den Abgrund der Hölle die Gedanken eitler Selbſtgefälligkeit. 3. Faſſe vor allem bei Führung deines Amts den hochwichtigen Artikel: „Ich glaube eine hei⸗ lige chriſtliche Kirche“ in's Auge, damit du auf deinem äußeren göttlichen Beruf wider Feinde trotzen und feſt beſtehen mögeſt. Setze aber darum Kirche nicht in äußerlichen Kirchenverband, be⸗ ginne gleich einem Baumeiſter da, wo noch kein Grund gelegt iſt, mit keinen äußerlichen Organi⸗ ſationen, als etwa mit den allernöthigſten und bekannteſten, thue das Werk eines evangeliſchen Predigers (2 Tim. 4.), ſtreite für die Lehre, halte dieſen Unterſchied in göttlicher Weisheit, daß du dich Etlicher erbarmeſt, Etliche aber auch mit Furcht ſelig macheſt und rückeſt ſie aus dem Feuer, und haſſe den befleckten Rock des Fleiſches auch beim Warnen oder Tröſten (Jud. V. 23.). Das führet dich zum rechten Ziel einer wahrhaft apo⸗ ſtoliſchen Kirchen⸗ oder Gemeindezucht und Ord⸗ nung. Anm. Von der Theilung in Geſetz und Evangelium iſt bald geredet, aber wie verhält auf Gotteskraft und nicht auf Menſchenweis⸗ heit (1 Kor 2, 5.), ſo wirſt du ſelbſt geſichert werden vor ſectiriſchen Abwegen, die, wenn auch oft in nothwendigem Gegenſatz mit der herr⸗ ſchenden ſichtbaren Gemeinſchaft einen Zweig Kirche, doch zugleich allerlei verführeriſchen Wind der Lehre in Täuſcherei und Schalkheit in ſich aufnehmen (Eph. 4, 14.) und den all⸗ 23 27.). Ihre Richtungen können oft un⸗ bewußt gar lautern Seelen anhangen, ja ſich verſchiedenartig durchdringen. Es kann Einer geſetzliche Lehre führen, die doch nicht frei vom Mißbrauch des Evangeliums iſt, oder evan⸗ geliſiren und doch zur Werkgerechtigkeit ſich nei⸗ gen. Sei behutſam, daß du nicht irgendwie das Geſetz mit Gottes Langmuth ſchmückeſt, phariſäiſchen Sauerteig ſchmälerſt. Der Un⸗ redliche will entweder ein Evangelium des Fleiſches für Werklumpen nach eigenem Ge⸗ fallen, oder ein barmherziges Polſterkiſſen als Geſetz, beides in einander gemengt und zu einem Kuchen; der gläubige Sünder will gehalten für ſeinen neuen und für ſeinen alten Menſchen; und daraus ergibt ſich, je nach den die beſondere rechte Application, für Schwächere und Stärkere, zumal in Privatbeichten. 4. Das amerikaniſche Pfarramt gleicht in ſei⸗ nen Schwierigkeiten und Hinderniſſen, wiewohl auch das Weſen deiner theuren lutheriſchen der Wahrheit aus der allgemeinen heiligen oder die unendliche Troſtesfülle Chriſti durch. beides rein und unverſtümmelt, von einander verſchiedenen obwaltenden Zuſtänden der einen und nach der Seelenverfaſſung der andern, auch auf eine ganz entgegengeſetzte Art, meiſtentheils ſich's mit der Anwendung? Beſteht dein Glaube gegenwärtigen Chriſtum mit Seinem Geiſte daran gebunden wiſſen wollen (Matth. 24,