# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S172 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 172 Zur Amtsfrage und ihren Consequenzen. genwärtig, wenn wir das Gnadenwort im Glauben fassen, wir haben Christum auf's leibhaftigste im heil. Sacramente; so lange wir Sünder sind, wollen wir von etwas Anderem nichts wissen, und ist uns auch nichts Anderes verheißen. Die halten aber die Chiliasten für ärmlich und gering und lehren hohe Dinge von neuen Wundern und Offenbarungen. Die Seelen nur darnach lüstern zu machen, halten wir schon für sündlich. Ehrliche Chiliasten werden uns darnach zugeben, daß wir mit ihnen große Verschiedenheit haben, und wer das noch nicht erkennt, an dem erkennen wir wohl beiderseits nicht den Beruf, zwischen uns zu vermitteln. In Trient pflegten die Cardinäle, wenn man auf Lehrfragen ernstlich eingehen wollte, immer zu sagen: Was sollen diese Gezänke und Nichtigkeiten? bedenkt, daß wir hier sind, die Kirche gegen die Lutheraner zusammenzuhalten. Hüten wir uns heute, daß wir nicht meinen, unsere erste Aufgabe sei, nur irgend welchen Haufen zusammenzuhalten! Wer so meint, handelt römisch, oder doch grundunirt. Wir meinen: Die conservative Kirchenregiments⸗ Weisheit, wie sie in Rom und in der Union blüht, ist mit dem Chiliasmus Geschwisterkind. Haben nicht die Pharisäer, bekanntlich die Väter des Chiliasmus, haben die nicht Christum verkannt und gekreuzigt? Und nun sollen heute diejenigen, welche den Juden mit den alten pharisäischen Messiashoffnungen wieder schmeicheln, gerade die rechten Christen sein? ... Ehlers .. veröffentlicht einen Auszug aus einem bayrischen Aufsatz eines Freundes von Löhe, betitelt: Gefahren, welche der lutherischen Kirche aus ihrer eigenen Mitte und von ihren treuesten Freunden drohen ... Das müssen doch sonderbare Freunde sein, oder eine sonderbare Kirche, die sie bedrohende Leute ihre Freunde nennt. Dieser Titel zeigt, daß wir's mit einer Auffassung von Kirche zu thun haben, die wir als eine äußerliche, weltliche, den hier und da unter Einem Namen begriffenen Haufen Menschen zuerst ansehende, stracks verwerfen. In jenem bayrischen Aufsatze .. heißt's: So .. universal (das soll wohl ein Lob sein) in ihren Bestrebungen, wie jetzt, war die lutherische Kirche noch nie. Darum, heißt's weiter, gibts auch verschiedene Richtungen in der lutherischen Kirche, alle zugleich streng rechtgläubig und einig in allen Lehrpuncten, ausgenommen die Lehren, die erst in unsern Tagen Gegenstand des Streites geworden sind. Namentlich, heißt's weiter, seien diese Richtungen .. verschieden 1) in Ansehung der Kirchenverfassung, und 2) in Betreff der Lehrentwicklung, indem eine Richtung dieselbe als mit dem 16. Jahrhundert abgeschlossen betrachte, während die andere dem Fortschritt auf Grund der heil. Schrift und der Geschichte huldige. Dieser zweite Unterschied solle .. nur in Betracht kommen. Und da ständen Rechtgläubige gegen Rechtgläubige; und hier sei Gefahr, daß die besten Freunde der Kirche ihr Verderben bringen ... Hier müssen wir .. protestiren .. Es ist nicht wahr, daß es sich um Sachen handelte, welche erst in neuster Zeit in Streit gekommen wären; sondern es sind Dinge, um die einerseits gegen das Pabstthum und andererseits gegen die Widertäufer und denen verwandte Richtungen seit der Reformation beständig bis auf den Rationalismus ge⸗