# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S171 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Amtsfrage und ihren Consequenzen. 171 Chiliasmus streiten zu müssen, wollen wir gern immer wieder handeln .. Wir fürchten sehr, daß manche aus der lutherischen Kirche einen freien Verein von allerlei pietistisch und sonst schwärmerisch gesinnten Leuten machen möchten, denen an der Union nur ihre zu große Weitherzigkeit gegen Rationalisten u. dgl. mißfällt ... Uns ist's unverständlich, wenn's da heißt: „„Es ist ja wahrlich die Christenheit schon zerrissen genug, warum wollen wir Lutheraner der Risse noch mehr machen?““ Wem soll der Vorwurf .. gemacht werden? Dem lieben Gott, den Lutheranern, oder den Ketzerischen? War die Christenheit anno 1517 oder 1834 nicht auch zerrissen genug? Das Reißen ging mit dem Pfingststurm an und wird wohl erst am jüngsten Tage aufhören. Wer hat ein Recht, zu meinen, uns wäre sie nicht zerrissen genug? Die Lutheraner, denken wir, haben sie nie zerrissen; die werden's auch heute ganz gewiß nicht thun. Wenn sich aber etliche Unlutherische von der Wahrheit abwenden, so werden sich die selber abreißen, wahrscheinlich werden sie aber damit den Namen Lutheraner nicht aufgeben wollen und werden dann die unlutherisch und unkirchlich tituliren, welche bei der alten Wahrheit bleiben wollen. Und diese letzteren werden dann außer ihren übrigen Leiden dies auch noch leiden müssen, und obenein verspottet werden. Es wird dann vielleicht für's Allerunlutherischste erklärt werden, treu an der lutherischen Lehre zu bleiben. Die Anfänge sind schon da, und es wird auch das wohl noch kommen. Ferner heißt es: So lange die Nicht⸗Chiliasten nicht eine Auslegung von Offenb. 20. geben, welche einem unbefangenen Sinne annehmbar erscheinen kann, muß man den Chiliasmus schon gelten lassen. Wir fragen: Wer hat den unbefangenen Sinn? Die Chiliasten halten sich für die Unbefangenen. Oder haben einige Leute vielleicht die Verheißung, die Unbefangenheit zu repräsentiren, daß wir uns bei ihnen sicher Raths erholen könnten? ... Will man sich auf dergleichen unbestimmte und über den Partheien stehende Unbefangenheit einlassen, .. so sind wir ganz verloren, nicht bloß im Kampfe wider den Chiliasmus, sondern im Kampfe gegen Unirte, Reformirte und Widertäufer, denn die vermeinen alle auch, daß wir von den Stellen, welche sie fälschlich für ihre Irrlehre anführen, noch keine, einem unbefangenen Sinne annehmbare Erklärung gegeben haben. Der Chiliasmus ist aber auch nichts Anderes, als unirtes, reformirtes und baptistisches Wesen. Was ferner von Auferstehung gesagt wird, .. ist nur ein Zipfel des Chiliasmus .. Es fragt sich nicht, ob Einzelne .. vor dem jüngsten Tage auferstehen ..; sondern ob sich die Herrlichkeit des Christenthums in einem 1000jährigen, äußerlich weltherrlichen Reiche offenbaren und gipfeln müsse, in welchem Christus sinnlich sichtbar mit den auferstandenen Gerechten und zugleich mit den auf Erden gläubigen armen Sündern über die anderen Menschen triumphiren werde. Von unserm Christus und unserm Himmelreiche leugnen wir das, und die Chiliasten behaupten es von dem ihrigen. Das sind fürwahr keine Kleinigkeiten, oder lediglich Sachen der Zukunft, sondern das ganze Christenthum ist da verschieden aufgefaßt. Uns ist das Himmelreich vollständig ge⸗