# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S170 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 170 Zur Amtsfrage und ihren Consequenzen. therischen Kirche zu; wollen aber mit einzelnen Personen, welche die Gefahr des Chiliasmus für unser ganzes Bekenntniß noch nicht klar erkennen und mit etlichen Bibelstellen noch nicht zurecht kommen können, in brüderlicher Liebe und Geduld handeln ... Wir haben nicht die unter uns seit lange mehr oder minder verhüllt einhergehenden Chiliasten angegriffen, sondern .. nachdem unsern Gemeinden Löhe's bekannte Predigt empfohlen worden war, darin er seinen krassen Chiliasmus für göttliche Offenbarung ausgab und seine Gegner als verknöcherte Leute und halsstarrige Feinde der göttlichen Weisheit darstellte, mußten wir uns wohl von Gewissens wegen wehren ... Wo der Chiliasmus zur Herzenssache geworden ist, da durchdringt er alle Lehren und bringt eine ganz andere Seelenführung und ein anderes Gemeindeleben hervor, als es aus der lutherischen Lehre entspringt, mag man dabei auch versichern, man stehe vollkommen auf den Symbolen. Diese Versicherung beruht auf Selbsttäuschung. Wollen wir mit solchen Sacramentsgemeinschaft halten, so bringen wir unsere Kirche, d. h. den letzten Rest der alten lutherischen, auch noch in die Union. Der Union sind wir damit ja noch nicht enthoben, daß wir uns evangelisch⸗lutherisch tituliren und gegen die von fürstlichen Kirchenregimenten gemachten Unionen zwischen allerlei verschiedenen Lehren widersprechen. Die Union sitzt uns allen in Fleisch und Blut, und sehen wir Fleisch für Geist an, so machen wir auf's neue freiwillige Union, die vor Gott nicht besser als die erzwungene sein wird. Was wollen wir denn? Ich denke, vor allen Dingen die Wahrheit in der Liebe. Verbindet uns die Eine Wahrheit nicht mehr, was ist dann unsere Verbindung werth? ... Oder sollen wir unsere Brüder als unheilbar von vorn herein aufgeben und sie mit ihrem Chiliasmus in der Kirche ruhig laufen lassen? Soll das die evangelische Liebe sein? Nun, uns dünkt auch das unirt, aber nicht lutherisch. Hat Christus sein Sacrament dazu eingesetzt, daß man die Unwahrheit damit zudecken und unter solchem Deckel bei sich ruhen lassen soll? So machte es bisher die Union ... Haben wir nicht mehr die Kraft der Seele, durch Gottes Wort unter der ganzen Welt Spott für die lautere Wahrheit zu streiten, so sollten wir doch ganz ruhig unter den Mantel der Union oder besser der römischen Bischöfe zurückkehren. Nein, die Wahrheit ist's werth, daß man ganz für sie lebe und für sie auch leide, wenn's sein muß. Wagen wir denn weniger bei dem Kampfe, als die Chiliasten? Ich denke, viel mehr; denn ihnen wird wahrlich der ganze Schwarm der pietistisch, methodistisch und fleischlich Gesinnten beistehen. Für sie streitet der Zeitgeist, wie er sich in den Weltreligiosen verkörpert. Darum die Kirchenregimentsweisheit dieser Zeit, die erst Zusicherung des äußern Friedens (eines lügenhaften Friedens), darnach allenfalls bei einer Tasse Kaffee gemüthlich disputirt haben will, lehnen wir ab. Das Dunkeln und Munkeln verdammen wir gleichermaßen; ebenso die Forderung, den als lutherisch anzuerkennen, der sich gegen den Deckel und Titel des Concordienbuchs verneigt und doch ganz andere Lehre für Gottes Wahrheit ausgeben will. Mit offenen, ehrlichen Leuten dagegen, welche von Gottes und Gewissens wegen meinen, für den