# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Amtsfrage und ihren Consequenzen. 169 ter, natürlich ohne dessen Gebrechen ... Die millenischen Menschen empfangen nach dieser Lehre ihren Trost aus dem Anschauen und sichtbaren Herabkommen des vor ihren Augen verherrlichten Christus, nicht aus dem Anschauen seines Kreuzes und seiner Wunden, auch nicht durch Wort und Sacrament. Was liegt da näher als die Folgerung: also hat Christi Leiden und Sterben nur zeitliche Bedeutung? .. Christus in den Wolken schafft Christum den Gekreuzigten ab, und damit gewiß ... die ganze Rechtfertigungslehre. Da kämen wir wieder mitten im Rationalismus zu stehen ... Und in welchem Sinne wird da noch vom Glauben geredet werden können? Doch nur in einem sehr äußerlichen. Ist nicht der Glaube eine gewisse Zuversicht deß, das man hoffet, und nicht zweifelt an dem, das man nicht siehet? Und kommt nicht der Glaube aus der Predigt? Hier kommt aber das millenische Christenthum aus der Wunderschau. Das ist nicht mehr Glaube nach der Schrift. Was soll uns also die schönste Versicherung trösten, in diesem Millenium gelte noch die Rechtfertigungslehre? Nein, hat dies Millenium Wahrheit und Wirklichkeit, so ist's nichts gewesen mit der ganzen Reformation und all' ihrer Lehre. Auf der Verzweiflung an ihr ist diese ganze Volks⸗ und Schriftanschauung erst erwachsen ... Als ein Beweis von der nahen Verbindung des pietistisch⸗schwärmerischen Wesens des Chiliasmus mit dem romanisirenden Kirchenregimentswesen im Neulutherthum .. ist .. die Nationalität von hoher Wichtigkeit ... Sonst erklärte Paulus: in Christo ist weder Jude, noch Grieche, noch Scythe; jetzt aber lehrt ... man, daß die Nationalität, Staat, Gesetz u. dgl. ... zur ewigen Herrlichkeit bereitet und ausgereift werden. („„Die Nationalität wird als solche erlöst und für die Ewigkeit conservirt; anders kann sich das Christenthum nicht vollziehen; die Kirche ist in ihrer Vollendung ein großer Weltstaat; darum ist sie auch jetzt wesentlich in äußern Institutionen, innerhalb christlicher Staaten, und anders kann sie auch nicht sein; die historische Kirche ist die wahre Kirche Christi, und überall steht deshalb neben der Heilsordnung die Kirchenordnung als eben so göttlich und heilig.““) Damit stimmt es auch, daß man jetzt an vielen Orten als kirchlich rühmt, was Luther als seelenverderblichen Schlendrian und Götzendienst verdammt hat; nämlich das Kirchengehen an sich selbst, auch zu Irrlehrern *), und was mit solchem todten Kirchenwesen alles verknüpft ist ... Darum hat das Gesetz in der Kirche so viel zu bedeuten, nicht die zehn Gebote (denn das wäre ja bei rechtem Verstande der Sache ganz schön), sondern Kirchensatzung und das jetzt sogenannte Kirchenregiment, wovon uns Luther, nach seiner Meinung, wenigstens im Gewissen befreit hatte .. Wir meinen, der Chiliasmus ist des Pharisäismus Kind, und wenn wir ihn aufnehmen, so haben wir den Tod davon, so erlischt das letzte Flämmlein auf dem Heerde ... Past. Ehlers .. begehrt eine offene Erklärung, ob wir .. mit Chiliasten Sacramentsgemeinschaft halten könnten oder nicht ... Wir erkennen dem Chiliasmus keine Berechtigung in der lu⸗ *) Man will auch jene noch als dankenswerthe Prediger anerkannt haben, welche in ihrer Fahne die Worte „Gott, Tugend und Unsterblichkeit“ entfalten.