# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S166 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 166 Zur Amtsfrage und ihren Consequenzen. Christi anno 1414 zu suchen gehabt. Die wahre Kirche habe den Böh⸗ men Johann Huß gerichtet und verbrannt... Uns scheint da der Organis⸗ mus in erste und die reine Lehre in zweite Linie gestellt zu werden. Wofür lebt und streitet man denn noch, wenn man so entgegengesetzte Lehren wie Chiliasmus und Lutherthum für gleichberechtigt ausgibt, und sich treiben läßt, um des Chiliasmus willen der heil. Schrift die Klarheit abzusprechen? Aber obwohl die erstgenannte Parthei den Ketzern alle Kirchlichkeit abspricht, so sehen wir bei ihr außer und neben dem reinen Worte den Organismus als einen zweiten Grund stehen, d. h. irdische Kirchenverfassung u. dgl., und das halten wir im Grunde für ebenso unirt. Der Organismus ist auch da die Kirche, aber er muß die reine Lehre als Devise in der Fahne führen, we⸗ nigstens ist sie zu erwähnen bei der Ordination der Candidaten: wo das nur noch geschieht, da soll wahre Kirche Christi sein. Ich frage: Was ist da die reine Lehre anderes als Gesetz, und zwar als ein Gesetz, das hinterher auch allenfalls nicht gehalten wird, in Katechismus, Predigt, Gesangbuch und Liturgie, wenn nur die gesetzliche Verpflichtung noch irgendwie auf die Sym⸗ bole stattfindet? Diese Richtung wird in der Theorie freilich keine Irrlehren (die sie dafür hält) gut heißen, in der Praxis aber wird sie die Augen dagegen möglichst schließen, um den vermeintlichen Segen des Organismus wenigstens aufrecht zu erhalten. Wir behaupten, wenn jemand sagt: Erst muß die Kirche reines Wort und Sacrament haben; das genügt aber nicht dazu, daß sie Kirche sei, sie muß sich auch einheitlich verfassen: so ist er nicht lutherisch und lehrt falsch von Christo, vom Wort und von der Kirche. Wenn's so wäre (wie etliche wollen), nun so wäre Wort und Sacrament Voraussetzung der Kirche, aber das eigentlich Wirkende und Handelnde wären die Menschen, sofern sie sich Ordnung gemacht haben oder noch machen, sie heißen nun Pabst, Cardinäle, Synode oder Kirchenrath. Das heißt eben, unsere ganze Lehre auf den Kopf stellen, und es heißt ungefähr dasselbe, als ob einer sagte: Der Glaube ist zwar nöthig zur Seligkeit, aber daß er wirklich selig mache, dazu müssen doch die Werke das Beste thun. Nein, Wort und Sacrament machen so völlig die Kirche, daß sie auch gleich den Organismus, auf den es ankommt, mitgemacht haben ... Nun wollen wir auch auf die Kirchenord⸗ nung kommen und was unsere Gegner ihren Organismus und ihr Kirchen- regiment nennen. Aber in der Ordnung wollen wir darauf kommen, wie es in der lutherischen Kirche laut aller ihrer alten Kirchenordnungen Sitte war und auch Sitte bleiben muß, wenn unser Lutherthum nicht ein erlogener Name werden soll. Die alten Kirchenordnungen stellen vor allem Andern immer die reine Lehre hin. Man hatte sie ja schon in den Symbolen, man wiederholte sie aber noch frei in allen Kirchenordnungen der einzelnen Länder und Städte. Was hat das für einen Sinn gehabt? Nun, man erkannte die Eine heilige katholische Kirche in ihrem ewigen Organismus, wie sie im dritten Artikel bekannt ist, zuvor an; und wollte nun in seiner Zeit und in seinem Lande auch zu dieser Einen ewigen Kirche gehören und an ihr bleiben. Durch diese so wiederholte reine Lehre bekannten sich die Partikularkirchen