# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Amtsfrage und ihren Consequenzen. 165 woher man's kaum erwartet hätte, der wahre Sachverhalt vor Jedermanns Augen bloßgelegt. In den lutherischen Gemeinden des Breslauer Kirchen⸗ verbandes erheben sich gegen das bisherige Vertuschungs⸗ und Ableugnungs— system verdammende Stimmen, die unumwunden eingestehen, daß mit jener Amtstheorie ein ganzer Complex von antireformatorischen Irrlehren wesen⸗ haft zusammenhänge. Durch die Güte des Herrn Past. Räthjen zu Neu⸗ Ruppin sind mir zwei hierauf Bezug habende Schriftstücke zugegangen (die ich zu einer andern Zeit noch besonders zu betrachten gedenke): die von dem⸗ selben herausgegebene Lutherische Dorfkirchenzeitung von 1860, Nr. 1 (S. 1—24), das diesjährige Vorwort enthaltend; — und: Christus der Gekreuzigte unsre Losung. Von J. Diedrich, Pastor der lu⸗ therischen Parochie Jabel bei Wittstock. (Neu-Ruppin, 1860. Pr. 5 Sgr.) Aus beiden will ich das hierher Gehörige in wörtlichem Auszuge mittheilen. Die Dorfkirchenzeitung sagt über die Zustände der schlesischen Lutheraner: „Es waren zwischen uns verschiedene Auffassungen von Kirche vorhanden, und das ist wohl so von 1834 an gewesen. Man besprach das aber wenig. Manche meinten auch, es wäre natürlich und verstände sich von selbst, daß wir alle völlig übereinstimmten und etwaige Verschiedenheiten müßten mehr zugedeckt oder zugeschwiegen werden, als daß man sie eingestände, ans Licht zöge und im Licht behandelte. Ein gewisser weltlicher Partheigeist wollte sich darin unser bemächtigen, welcher sich doch für die Parthei der lauteren Wahrheit nicht ziemt.... Wir müssen auftauchende Verschiedenheiten in der Lehre nicht vertuschen, sondern aufs fleißigste in Liebe besprechen und durch Gottes Wort ausgleichen ... Nach unserer Meinung sind zwei Hauptströmungen vorhanden, obwol sie sich in manchen Wellen brechen. Die einen behaupten (und auf deren Seite stehen wir), daß Christi Kirche, als Reich der Gnade und Wahrheit, ein so innerliches, geistliches und himmli⸗ sches ist, daß es hier, wie es allein durch den heiligen Geist und nicht durch menschliche Autoritäten, Institutionen u. dgl. zu Stande gekommen ist, auch nur fort und fort durch den heiligen Geist in Wort und Sacrament zu er⸗ halten ist ..... Dagegen glauben wir bei unsern Gegnern nach ihren Wor⸗ ten ein Streben nach mehrerem und darum nach anderem als dem lautern Gnadenworte wahrzunehmen, obwohl sich das sehr verschieden ausspricht. Etliche sagen: Es ist neben der Lehre auch der Organismus der Kirche in die⸗ ser Welt nöthig. Dieser weltlich sichtbare Organismus, welchen man die lutherische Kirche nennt, der die reine Lehre hat, der hat darum, weil er erstlich die reine Lehre hat, und zweitens ein Organismus von Menschen ist, um dieser beiden Gründe willen die Verheißung vom Herrn, und ist die einzige Kirche .... Der Organismus ist Träger der Gnade und war es auch in der römischen Kirche so lange, bis sie sich im Tridentinischen Bekennt⸗ niß feierlich von dem reinen Evangelium lossagte. Einer der Unsern, welcher diese Lehre am entschiedensten vertritt, hat es öffentlich und sonderlich oft vor unsern Ohren behauptet, daß die Kanzlei des allergreulichsten Pabstes Jo⸗ hann XXIII. der rechte Ort gewesen, da man den Mittelpunct der Kirche