# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S163 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Theologische Axiome. 163 15. „Sic discernenda sunt lex et evangelium, ut ev. ponas in coelo, legem in terra, ut evangelii justitiam appelles coelestem et divinam, legis terrenam et humanam, uique tam diligenter distinguas justitiam evangelii a legis justitia, quam diligenter distinxit Deus coelum a terra, lucem a te- nebris, diem a nocte. Haec sit lux et dies, illa tenebrae ac nox, atque utinam adhuc longius eas discernere possemus.“ Gesetz und Evangelium sind so zu unterscheiden, daß man das Evan— gelium in den Himmel, das Gesetz auf die Erde stellt, daß man die Gerech⸗ tigkeit des Evangeliums eine himmlische und göttliche Gerechtigkeit nennt, die des Gesetzes eine irdische und menschliche, und daß man die Gerechtigkeit des Evangeliums von der Gerechtigkeit des Gesetzes so genau scheidet, so genau Gott den Himmel von der Erde, das Licht von der Finsterniß, den Tag von der Nacht geschieden hat. Die erstere sei das Licht und der Tag, die andere die Finsterniß und Nacht, und o, daß man sie noch weiter von ein⸗ ander unterscheiden könnte! 16. „Fides impetrat, quod lex imperat.“ Der Glaube erlangt, was das Gesetz verlangt. 17. Lex ostendit peccatum, ev. gratiam. Das Gesetz zeigt die Sünde, das Evangelium die Gnade. 18. Lex morbum indicat, ev. remedium. Das Gesetz zeigt die Krankheit an, das Evangelium das Heilmittel. 19. Lex debiti summam flagitat, ev. ejusdem remissionem annuntiat. Das Gesetz fordert die Schuldsumme ein, das Evangelium kündigt die Erlassung derselben an. 20. „Lex docet, quid debeas et quo careas, Christus dat, quod facias et habeas.“ Das Gesetz lehrt, was du schuldig seist und wessen du ermangelst, Chri⸗ stus gibt, was du thun und haben sollest. 21. „Lege operum dicit Dominus: fac, quod jubeam; lege fidei nos dicimus: Domine, da, quod jubes, et jube, quod velis.“ Vermöge des Gesetzes der Werke spricht der HErr: thue, was ich ge— biete; vermöge des Gesetzes des Glaubens sprechen wir: HErr, gib, was du gebietest, und gebiete, was du willst. 22. Lex est doctrina de faciendo, ev. de credendo. Das Gesetz ist die Lehre von dem, was man thun, das Evangelium von dem, was man glauben soll. möge seiner Form. Die Verheißungen des Gesetzes sind bedingte, denn sie erfordern einen vollkommenen Gehorsam, stellen die Bedingung vollkommener Erfüllung als Ursache. Aber die evangelischen Verheißungen sind Gnadenverheißungen und, so zu sagen, schenkende. 4. Vermöge seiner Wirkung. Das Gesetz straft die Sünde und schreckt den Menschen, das Evangelium aber verkündigt Vergebung der Sünden und richtet durch lebendigmachenden Trost auf. 5. Vermöge seiner Objecte. Das Gesetz ist den Gottlosen, den sicheren und halsstarrigen Sündern zu verkündigen, denn es geht den alten Menschen an; das Evange⸗ lium aber ist den zerknirschten Herzen und den durch das Gefühl der Sünde erschreckten Ge⸗ wissen zu verkündigen.“ Loc. th. de ev. §. 54.