# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S160 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 160 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. dern überall Klarheit und Wahrheit.“ Zu unserer großen Ueberraschung bespricht Ströbel hierauf „anhangsweise“ zwei Stücke aus der „Luth. Dorfkirchenzeitung“ von Räth⸗ jen und Diedrich, als „geistes- und sachverwandte, ächt evangelische Zeugnisse aus der luth. Kirche Preußens“ und schließt das Ganze mit den Worten: „In jenem americanischen und diesen beiden preußischen Geistesproducten ist auf engem Raume mehr Gutes und Nüß⸗ liches aufgespeichert, als sonst wohl in hundert voluminösen Bänden der theologischen Tages⸗ literatur.“ Melanchthon. Von ihm sagt selbst Hengstenberg in seinem Vorwort zu dem dies⸗ jährigen Volumen seiner Ev. K.-Z.: „Es war nicht gerecht und beruhte auf mangelhafter Selbsterkenntniß, wenn Melanchthon die Schuld von allem dem, was er zu leiden hatte, auf seine streng lutherischen Gegner warf, wenn er wünschte erlöst zu werden „, von dieser Gi⸗ gantomachie, von Feinden voll von Haß, Lügen und Sophistik““, oder von der, „Wuth der Theologen.“““ Diese „„rauhen Eiferer“““ hatten die Pflicht und Mission, ihm zu widerstehen, und ihr Eifer, dessen Uebermaß großen Theils dadurch hervorgerufen wurde, daß sie von der Autorität gedrückt wurden, daß sie unter ein Haupt gestellt waren, welches nicht als Haupt zu fungiren vermochte, ist das Werkzeug in Gottes Hand gewesen, der luthe⸗ rischen Kirche, Deutschland die edelsten Kleinode, vor Allem die tiefere Auffassung der Sa⸗ cramente zu erhalten.“ Unsere deutschen Classiker. Hengstenberg citirt a. a. O. folgendes merkwür⸗ dige Urtheil David Strauß', des berüchtigten Verfassers des Lebens Jesu, welches derselbe in seinem Werke: „Gespräche von U. v. Hutten“ vom vorigen Jahre gefällt hat, wenn er sagt: „Man macht es den heutigen Frommen zum Vorwurfe, daß sie die Träger unserer großen Literaturepoche als Heiden verdammen und vor ihren Schriften warnen. Ich gestehe, ich kann dies Treiben unserer Rechtgläubigen nur in der Ordnung finden. In ihrem Sinne, überhaupt in dem bisher üblichen, ist seit Klopstock keiner unserer Classiker mehr ein Christ gewesen. — — Sie kennen keine Offenbarung mehr als die im Gemüthe, in Natur und Geschichte, kein Wunder als die Naturgesetze selbst, kein Heil und keine Versöh⸗ nung als die sich der menschliche Geist in sich durch Läuterung, durch Entsagung und Liebe schafft. Zu der Schillerfeier haben jene Frommen natürlich äußerst sauer gesehen, und es ist nur Politik, um es mit dem Publicum nicht gar zu sehr zu verderben, von ihnen gewesen, wenn sie sich nicht noch weit stärker dagegen ausgesprochen haben.“ Man sieht hieraus, selbst Ungläubigen sind Christen nur ein Gegenstand der Verachtung, wenn letztere um ihrer Re⸗ putation bei der Welt willen unseren irreligiösen s. g. Classikern noch einigen Weihrauch mit streuen. Daß eine synodale Presbyterialverfassung in der preußisch-lutherischen Kirche auf Opposition stoßen und verdächtig werden mußte, erweist sich aus einem Citat, welches Hengstenberg aus einer von Scheibel im J. 1831 „dem Minister eingereichten Ab⸗ handlung über lutherische Verfassung“ macht. In dieser Abhandlung sprechen nehmlich die Unterzeichner die Hoffnung aus, „den Schutz für eine Verfassung“ zu erlangen, „welche der heil. Geist ebenso in seinem Reiche geboten hat, als die Ordnung Gottes des Vaters in der Welt Werk von dessen Macht, Weisheit und Güte ist.“ Jede Verfassung, auch die sonst heilsamste und der Natur der Kirche am meisten angepaßte, wird Gegenstand des Scheues jedes christlichen Gewissens, wenn sie sich göttlichen Ursprung vindicirt und die allein berech⸗ tigte sein will.