# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S157 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 157 Die Erlanger Theologie. Zwar ist Dr. Schenkel gewiß der letzte, der sich über das Abgehen von der reinen Kirchenlehre betrübt, aber im Rechte ist er jedenfalls, wenn er darüber Indignation zeigt, daß jetzt so viele Theologen, welche Vertreter der Kirchen⸗ lehre sein wollen, und dafür anerkannt werden, unter diesem Schilde die ärgsten Irrlehren verbreiten. Wir müssen daher, so leid uns die geheime Schadenfreude thut, mit welcher Schenkel in seiner „Allgem. Zeitschrift“ 1. Heft d. J. sich über die Erlanger Theologie ausläßt, doch sein Urtheil im Ganzen für richtig erklären, wenn er dort also schreibt: „Die neueste Erlanger Theologie hat gerade in Betreff der wichtigsten Lehrpunkte wenig Anspruch darauf, auf den Wegen der rechtlehrigen Väter zu wandeln. Wenn die Dogmatiker aus der rechtlehrigen Zeit dem Protestantismus der Person Christi das Wesen der wahren und ewigen Gottheit beilegten: so machten sie mit diesem Ausdruck den vollsten Ernst; sie hätten einen Frevel wider die göttliche Majestät selbst zu begehen geglaubt, wenn sie der Gottheit Christi auch nur das Geringste entzogen hätten, was zu Gottes Wesen selbst gehört. Nun gehört es aber unstreitig zu Gottes Wesen, daß Gott unbegrenzt, unendlich, vollkommen, und insbesondere daß er unveränderlich ist. Die Erlanger würden sich ohne Zweifel jede Vergleichung mit Rationalisten ernstlich verbitten, welches Recht haben sie nun aber noch von ihrem Standpunkte aus, grundsätzlich die Gottheit Christi zu lehren? Hofmann trägt ganz unumwunden vor, daß der Sohn Gottes „„aus dem Stande des weltbeherrschenden Könnens und Wollens in die menschliche Umschränktheit des Daseins und Wissens und Könnens eingegangen sei.“““ und gleichwohl soll derselbe in dieser mensch⸗ lichen Umschränktheit nicht aufgehört haben, wahrer und ewiger Gott zu sein! Wer, ohne jegliche Anwandlung von wissenschaftlichem Bedenken oder sittlichen Vor⸗ würfen, so Widerspruchsvolles lehren kann, beweist damit zum mindesten, daß ihm die Vor⸗ bedingungen zu einem in sich zusammenhängenden, aufrichtigen, consequenten Denken entweder stets gefehlt haben, oder mit der Zeit abhanden gekommen sind.“ Hiermit übt Schenkel eine Kritik des theolog. Systems Hofmann's, die, obgleich nicht theologisch, viel⸗ leicht Hofmann die empfindlichste ist, da er gerade darin seine alle Anderen überflügelnde Stärke sucht, ein „zusammenhängendes, consequentes“ System der Theologie schreiben zu können, und da jedenfalls das Interesse der Consequenz die Ursache ist, daß unser lieber HErr JEsus Christus in Hofmann's System ein solcher menschlich umschränkter Gott sein muß. Schenkel fährt fort: „Wenn es wahr ist, was Herr Dr. Hengstenberg gegen Thomasius behauptet — und es ist wahr — „„daß von demselben gerade das als zeit⸗ weise aufgegeben erklärt wird, was, nach allen christlichen Begriffen von Gott, zum Wesen Gottes unerläßlich gehört,““ so hat Thomasius unwidersprechlicher Weise die Gottheit Christi aufgegeben, und ist wissenschaftlich auf den Standpunkt desselben Rationalismus herabgesunken, den er so gründlich zu verabscheuen vorgiebt. Umsonst sehen wir uns gegenwärtig nach einer vollhaltigen, unwidersprechlich consequenten, an sich selbst glaubenden, Orthodoxie um. Es gibt nur Ansprüche darauf, orthodox zu sein. Die Lehre von der Person Christi, diese Centrallehre des christlichen Glaubens, ist zum Stein des Anstoßes für diejenigen geworden, die es weder mit der modernen Wissenschaft, noch mit der modernen Kirchlichkeit verderben wollen.“ — Traurig, traurig, wenn die s. g. Orthodoxen sich so bittere Wahrheit von den Unirten sagen lassen — und schweigen müssen. Todesfall. Am 20. März starb zu Dresden der k. Cabinetsminister a. D. und Domprobst des Hochstifts Meißen Herr Graf Detlev von Einsiedel nach kurzem Krankenlager im 83. Lebensjahre, ein Mann, der seinen HErrn und Heiland während seines Lebens stets, auch in den Zeiten tiefsten Abfalls, unter viel Schmach mit Wort und That treulich bekannt hat. Die Zahl der Jesuiten zu Ende vorigen Jahres war 7144, von denen 2939 Prie- ster, 2159 im Lehrfach arbeitende und 2046 Coadjutoren waren. Während eines Zeitraums von 15 Jahren hat sich die Zahl derselben um 2292 vermehrt. Im letztverflossenen Jahre zählte Deutschland 527 und America 444 Jesuiten. „Der Chiliasmus und die Kanzel.“ Unter diesem Titel befindet sich ein Ar⸗