# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S156 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 156 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Aus Sachsen, 9. Febr. Die Kirchenordnung ist gestern schon von der ersten Kammer, dieser an kirchlich⸗ und politisch⸗conservativen Elementen fast überreichen Körperschaft, abgeworfen worden — ein Ereigniß, das sicherlich ungeheures Aufsehen im Lande erregen wird, da selbst sanguinische Hoffnungen erst von der zweiten Kammer einen solchen Beschluß erwartet hatten. (Freimund.) Göttingen, 28. Januar. Die hiesige theologische Facultät soll, wie verlautet, in Anregung gebracht haben, daß die Studienzeit der Theologen von 3 auf 4 Jahre verlängert und für das letzte Jahr ein Convict errichtet, die jetzt bestehenden drei theologischen Examina aber auf zwei beschränkt würden, von denen das erste vor der Facultät in Göttingen abzulegen wäre. (Allgem. Kirchen⸗Zeit.) London, 29. Januar. Am vergangenen Freitag fand im Sion College ein großes Meeting von Londoner Geistlichen der Staatskirche statt, um eine Petition an den Bischof von London zu richten und ihn auf die betrübende Thatsache aufmerksam zu machen, daß unter dem Titel: „Reviews and Essays“ ein Buch erschienen ist, welches den Unglauben zu verbreiten suche und von mehreren hochgestellten Geistlichen, Lehrern an den Universitäten von Oxford und Cambridge, herrühre. Der Bischof wird ersucht, die Gefahr, in welcher sich die Religion befindet, wohl zu erwägen und Schritte zu thun, um die Flut des Unglaubens zu dämmen. Nur zwei oder drei der anwesenden Geistlichen protestirten gegen die Anwendung des Verdammungswortes „infidel“ auf die Verfasser der „Reviews and Essays“ und verließen während der Berathung den Saal. Die Petition wurde von der zahlreichen Versammlung genehmigt. Die „Reviews and Essays“, die schon vor einigen Monaten erschienen sind, stützen sich auf die Ergebnisse der deutschen philologischen Forschung, und greifen nicht nur mehrere der 39 anglikanischen Glaubensartikel, sondern auch die Richtigkeit mancher Stellen der englischen Bibelübersetzung, sowie der Uebersetzung der Septuaginta und verschiedene Citate aus dem Alten Testament, überhaupt die Unfehlbarkeit des Buchstabens der heiligen Schrift an. Der Professor Davidson in Manchester ist wegen einer ähnlichen Schrift abgesetzt worden, und ein Dr. Hale hat zur Widerlegung derselben ein Werk herausgegeben, welches aber nach der „Westminster Review“ oft im Detail einräumt, was es im Allgemeinen widerlegt hat. (Allgem. Kirchen⸗Zeit.) Norwegisch⸗lutherische Heidenmission. Im vorigen Jahrgang der Lehre und Wehre, S. 182 flg., ist eine Heidenmission erwähnt, welche von Norwegen aus schon seit vielen Jahren im Zululande im südöstlichen Africa unterhalten wird. Nach dem Jahresbericht der betreffenden Missionsgesellschaft — wovon ein Auszug in „Kirkelig Maanedstidende“ vor uns liegt — sind den dort erwähnten Erstlingen einer langen geduldigen Wirksamkeit im vergangenen Jahre schöne Früchte nachgefolgt, indem 20 Seelen in dem Jahre getauft worden sind. Diese sind auf drei verschiedene Stationen vertheilt, und überall im Lande herum erscheint eine Bewegung der Gemüther zu Gunsten des Christenthums, ja der eventuelle Thronerbe wird sogar auch im Katechismus unterrichtet. Sehr erfreulich ist es auch, daß zugleich das Interesse für die Mission in Norwegen gesteigert ist, und daß für mehr Lehrerkraft gesorgt wird theils durch eine schon wohl gedeihende neuerrichtete Missionsschule in Stavanger, theils dadurch, daß endlich ein theologischer Candidat sich entschlossen hat, nach dem Missionsfeld hinzuziehen. Sonst haben die norwegischen Theologen für den Nothruf des Missionar Schreuder noch mehr die Ohren verstopft, als für den ihrer americanischen Brüder, und um dieser Noth etwas abzuhelfen, hat Pastor Schreuder am 22. April 1860 seine drei ältesten Mitarbeiter ordinirt. Leider kommt hier eine nicht mit der reinen Lehre übereinstimmende hochkirchliche Ansicht zum Vorschein. Zuerst hatte nämlich Herr Schreuder wegen seiner zunehmenden Kränklichkeit der Missionsbehörde vorgeschlagen, „einen ordinirten Mann auf ein Paar Jahre ihm zuzuschicken, um dem Missionspersonale priesterliche Bedienung zu leisten,“ und als das nicht gelang, suchte er erst lange Zeit Vollmacht von einem Bischof zur Ausführung derselben, und erst, da er auch dieß nicht erlangte, wagte er selbst die Ordination auszuführen. Ein anderer trauriger Umstand ist auch der, daß ein episcopaler Bischof Colenzo in dasselbe Missionsfeld hineingreift und mit einem Leichtsinn verfährt, der im stärksten Gegensatz zu dem Ernst und der Gewissenhaftigkeit steht, die Schreuder doch unleugbar immer gezeigt hat. L. L.