# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S154 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 154 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. jetzt in s. g. kirchlichen Blättern wie mit Blut geschriebene Artikel, die eher von dem Geiste eines Philipp II., als von dem Geiste Christi dictirt zu sein scheinen, und zwar in Blättern, denen man mehr christliche Gewissenhaftigkeit zugetraut hätte. Welch ein Monstrum ist eine solche Zeitung, die in der Rechten den Oelzweig des Evangeliums, in der Linken ein bluttriefendes Schwerdt! II. Ausland. Heidelberg. In der „theologischen Zeitschrift“ von Dieckhoff und Kliefoth werden Actenstücke mitgetheilt, aus denen sich ergibt, daß dem Privatdocenten der philosophischen Facultät zu Heidelberg, Lic. der Theologie Le Beau, allein darum seine Bitte um die Erlaubniß theologische Vorlesungen zu halten von der Facultät abgeschlagen worden ist, weil derselbe die reformirte Abendmahlslehre nicht für gleich berechtigt mit der lutherischen anerkennen und an der gemischten Abendmahlsfeier mit referirender, nicht bekennender Austheilungsformel nicht Theil nehmen wollte, oder, wie es Professor Rothe selbst ausdrückt, weil derselbe die in Baden eingeführte „Union sich zwar gefallen lasse, aber nicht wie die badische evang. Landeskirche und unsere (die Heidelberger) Facultät sich freudig zu ihr bekenne.“ Nichts desto weniger gibt die Facultät vor, „daß einem der theologischen Facultät angehörigen Lehrer sein unverholenes Bekenntniß zu der lutherischen Abendmahlsdoctrin als der nach seinem Dafürhalten allein vollkommen schriftgemäßen nicht verwehrt oder auch nur verargt werde und daß um solchen Bekenntnisses willen ein Bewerber um die venia legendi von ihr nicht zurückgewiesen werden dürfte.“ Ob die Herren der theologischen Facultät auch wohl die Logik lesen? Wahrscheinlich ist das auch eine unirte. Sympathien für das Pabstthum. In der Kliefoth'schen Zeitschrift vom December v. J. findet sich ein Artikel, überschrieben: „Karrikaturen conservativer Kirchlichkeit,“ worin die unter den Unirten in Preußen sich anbahnende Union mit den Römischen kritisirt wird. Darin heißt es denn u. A. vortrefflich: „Es ist bekannt, wie sehr die „„Neue Preußische Zeitung““ für die Rechte des Pabstes über den Kirchenstaat als die ältesten in Europa eingenommen ist. Daran denkt sie nicht, daß die Entstehung dieses Kirchenstaates auf Scheußlichkeiten beruht, wie die des Cäsar Borghia, des Musterbildes für Macchiavelli's Fürsten, gegen dessen Thaten Victor Immanuel's und Garibaldi's nur Thaten blöder Unschuld sind, und daß die Politik des Römischen Stuhls recht eigentlich die hohe Schule für jene gewissenlose Politik gewesen ist, welche die Saat in Europa gesäet hat, aus der nun die Revolution aufgeht. Und noch viel weniger denkt die „„protestantische““ Neue Preußische Zeitung daran, daß die weltliche Macht des Pabstthums, die man als die nothwendige Bedingung für das geistliche Regiment der Kirche, für „„die kirchliche Selbständigkeit““ der Römischen Kirche in Anspruch nimmt, auch wenn sie wirklich die älteste in Europa wäre, was sie nicht ist, doch stets ein gottloser Gegensatz gegen die Ordnungen Gottes ist und deshalb durch keine Verjährung Recht werden kann. Schon auf dem Boden der weltlichen Politik ist es unstreitig nichts als eine elende Karrikatur des conservativen Princips, die, wie sie ein Zeichen der Ohnmacht ist, so auch nothwendig zum Verderben führt, wenn man sich mit allen möglichen „„conservativen““ Interessen verbindet, wie sie auch beschaffen sein mögen. Auf das Gebiet des Kirchlichen übertragen aber wird die „„Solidarität der conservativen Interessen““ zum Frevel gegen die Dinge Gottes selbst.. Als Luther den Magdeburger Convent verließ, sagte er beim Abschiede von den Seinen die bekannten Worte: Deus vos impleat odio Papae Gott erfülle euch mit Haß gegen den Pabst)! Solche Worte werden bereits vielfach in gewissen conservativ⸗kirchlichen Kreisen nicht mehr geduldet und riechen da nach Revolution und Antichristenthum. Aber nichts desto weniger sind sie wahr, so wahr, daß auch kein Titel davon gestrichen werden darf, und es ist ein sehr bedenkliches Zeichen ohnmächtiger Schwäche des evangelisch⸗lutherischen Glaubensgewissens, wenn solche Worte wie böse Gespenster gescheut werden. Auch heute gibt es keine evangelische Glaubenstreue, die nicht von Haß gegen das Pabstthum erfüllt ist und sich nicht nach den Gerichten des lebendigen Gottes über die Sünden Roms sehnt. Die „„Solidarität der conservativen Interessen““ aber, die für das heilige Recht des römischen Stuhls als eines Grundpfeilers der Zucht und Ordnung eintritt, ist Abfall von der Wahrheit des