# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 12 08_S66 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) verlangte, daß er ſeinen Theologen das ffentliche Predigen zu Augsburg unterſagen möchte. Ob: man nun wohl ſich vor der Hand an dieſen Be⸗ fehl nicht kehrte, ſo fragte man doch bei Luthern in Coburg an, was zu thun wäre, wenn der Kaiſer darauf beſtände. Luther antwortete: „Wo Kaiſer⸗ liche Majeſtät begehren würde, daß Eure Kurfürſt⸗ liche Gnaden ſollten mit Predigen ſtille halten laſſen, iſt noch, wie vormals, meine Meinung, daß der Kaiſer iſt unſer Herr, die Stadt und alles iſt ſein, gleichwie man Eurer Kurfürſtlichen Gnaden zu Torgau nicht ſollt' widerſtreben, wo ſie begehrten oder ſchafften als in ihrer Stadt, daß man dies oder das laſſen ſollte. Wohl möcht ich, wo es ſein wollt', gern ſehen, daß man mit guten füglichen Worten und Weiſe Kaiſerlicher Majeſtät Begier und Fürnehmen könnte wenden mit Demuth, daß Seine Kaiſerliche Majeſtät nicht ſo unverhöret das Predigen verböte, ſondern ließe doch zuvor jemand zuhören, wie man predigte; es ſollte ja Kaiſerliche Majeſtät nicht die lautere klare Schrift zu predigen verbieten, weil man doch ſonſt nicht aufrühriſch, noch ſchwärmeriſch predige. Will das nicht helfen, ſo muß man laſſen Gewalt für Recht ergehen. Wir haben das unſer gethan, und ſind entſchuldigt.“ Da ſich, wie geſagt, die Ankunft des Kaiſers verzögerte, ſo gewannen die evangeliſchen Fürſten und Stände Zeit, nochmals alle Religionspunkte reiflich zu überlegen. Ihre Theologen arbeiteten nochmals die Artikel in brüderlicher Eintrach durch. Auch die weltlichen Räthe und Geſandten nahmen alle Punkte in ſorgfältige Erwägung, und die ſo gebeſſerte Confeſſion ward am 11. Ma nach Coburg an Luthern geſandt, der ſie durch aus billigte und mit den Worten zurückſandte „Ich habe M. Philipps Apologia (ſo nannte man die Confeſſion vor ihrer Uebergabe) überleſen, die gefällt mir faſt wohl, und weiß nichts dran zu beſſern, noch zu ändern, würde ſich auch nich ſchicken, denn ich ſo ſanft und leiſe nicht treten kann. Chriſtus unſer HErr helfe, daß ſie viel und große Frucht ſchaffe, wie wir hoffen und bitten, Amen.“ Melanchthon hatte nämlich bei Ab⸗ faſſung der Confeſſion die Feder geführt; von ihm rührt daher hauptſächlich die Form und der Aus⸗ druck her, aber als eigentlicher Urheber iſt er nicht zu betrachten. Denn die 17 Artikel, welche de Confeſſion zum Grunde gelegt worden waren, rührten nicht von ihm her, ſondern von Luther, und überdem hat Melanchthon bei Abfaſſung der 2 ſelben nichts gethan ohne Rath und Bedenken der übrigen Theologen, wie denn beſonders Juſtus Jonas, Joh. Brentius, Georg Spalatin, Joh. Agricola und Erhard Schnepf an der Confeſſion mitarbeiteten. Da Melanchthon vor der Ankunft des Kaiſers noch manche nachträgliche Aende rungen und Verbeſſerungen mit der Confeſſion vornahm, ſo ſchrieb er am 22. Mai nochmals an Luther, ihn um ſein Gutachten zu fragen, und dieſer war mit allem zufrieden. Endlich am 15. Juni, als am Tage vor dem Frohnleichnamsfeſte, hielt der Kaiſer ſpät am Abend ſeinen Einzug in Augsburg; begab ſich zuerſt in die Domkirche, empfing von dem Cardinal Campegius, dem päbſtlichen Legaten, den Segen, und bezog darnach die Pfalz oder den biſchöflichen Hof. Der Kaiſer hatte abſichtlich ſeine Reiſe be⸗ ſchleunigt, um dies Feſt*) zu Augsburg mit höchſter Feierlichkeit zu begehn, und dadurch der römiſch⸗katholiſchen Religion, die zu Augsburg durch die evangeliſchen Predigten ziemlich ge⸗ ſchwächt worden war, einen neuen Glanz zu geben. Deshalb ließ er noch am nämlichen Abend die lutheriſchen Fürſten und Stände auffordern, nicht nur unverzüglich die lutheriſchen Predigten ein⸗ zuſtellen, ſondern auch folgenden Tages an der Frohnleichnams⸗Proceſſion mit dem Kaiſer Theil zu nehmen. Die Verhandlungen dauerten bis an den Mittag des andern Tages; aber obwohl der Kaiſer hart, ja in drohender Weiſe auf der letzteren Forderung beſtand, ſo ſchlugen es doch die Luthe⸗ riſchen demüthigſt ab, und gaben dadurch einen rühmlichen Beweis ihrer Beſtändigkeit in der er⸗ kannten Wahrheit. Die Proceſſion ging mit aller Pracht vor ſich. Der Cardinal von Mainz trug die Hoſtie unter einem koſtbaren Himmel, zur Rechten ging der König Ferdinand, zur Linken Markgraf Joachim. Der Himmel wurde von ſechs Fürſten, die mit andern umwechſelten, ge⸗ tragen, und hinter denſelben ging der Kaiſer mit bloßem Haupt und einer brennenden Kerze, ſammt den geiſtlichen Kurfürſten und übrigem Schwanz des großen römiſchen Drachen. Nur die wahrhaft großen und edeln lutheriſchen Fürſten, nämlich der Kurfürſt von Sachſen, Markgraf Georg von Brandenburg, Herzog Ernſt von Lüneburg, Phi⸗ lipp, Landgraf von Heſſen, Wolfgang. Fürſt zu Anhalt, nahmen, wie vorgemeldet, an dieſem ab⸗ göttiſchen Feſte keinen Theil. Da aber der Kaiſer auch ſofortige Einſtellung der lutheriſchen Predig⸗ ten verlangt hatte, ſo ſetzte Markgraf Georg von Brandenburg im Namen ſeiner Glaubensgenoſſen die Urſachen auseinander, warum ſie auch dies nicht nachgeben könnten, wobei er dem Kaiſer frei ins Angeſicht erklärte: „Ehe ich wollte meinen Gott und ſein Evangelium verleugnen, ehe wollte ich ja vor Eure Kaiſerliche Majeſtät niederknieen und mir den Kopf laſſen abhauen.“ Der Kaiſer forderte hierauf von den lutheriſchen Fürſien, die Gründe, warum ſie ſich ſeines Befehls weigerten, ſchriftlich aufzuſetzen. Sie überreichten ihm daher am 17. Juni eine Schrift, in welcher ſie ſagen, „daß, wenn ſie befunden hätten, daß ihre Prediger etwas neues lehrten, oder was nicht in der heiligen Schrift gegründet wäre, ſie es keineswegs würden geſtattet haben. Denſelben aber die Lehre des Evangeliums zu verbieten, welche ſie klar und lauter nach den Worten der Schrift und den Aus⸗ legungen der angeſehenſten Väter verkündigten, das wäre unverantwortlich, als eine Sünde gegen den Heiligen Geiſt. Auch bedürften ſie ja ſelbſt, als arme ſündige Menſchen, ſolcher Predigt und Verkündigung aus Gottes Wort; denn wenn ſie t 2 * t * 2 *) Es beſtand dieſes Feſt in einem feierlichen Umgang, wobei die Hoſtie umhergetragen und angebetet wurde. Man hielt nämlich die Hoſtie auch außer dem ſacramentlichen Gedrauch für des HErrn Leib. Daher kommt das Wort Frohnleichnam, denn nach altdeutſcher Sprache heißt dies nichts anderes, als des HErrn Leib. nicht einmal das tägliche Leben ohne nothdürftige Nahrung haben könnten, wie viel weniger das geiſtliche ohne geiſtliche Nahrung.“ Der Kaiſer nahm dieſe Schrift ſehr ungnädig auf; doch wurde endlich die Sache dahin vermiitelt, daß keinem von den Ständen des Reichs, er ſei römiſch oder lutheriſch, erlaubt ſein ſolle, ſeine mitgebrachten Prediger öffentlich auftreten zu laſſen; blos die vom Kaiſer ſelbſt verordneten Prediger ſollten den Tert des Evangeliums auf der Kanzel vorleſen, aber ohne alle weitere Erklärung. Dieſe Ver⸗ ordnung ward am 18. Juni durch einen kaiſer⸗ lichen Herold ausgerufen. Auf den folgenden 20. Juni ließ der Kaiſer durch Kurſachſen alle Reichsſtände zur Eröffnung des Reichstags einladen. Dieſelben erſchienen früh gegen ſieben Uhr im Palaſt, und begleiteten den Kaiſer zuerſt in die hohe Stiftskirche. Bei dieſer Gelegenheit mußte der Kurfürſt von Sach⸗ ſen nach altherkömmlicher Weiſe dem Kaiſer das Schwert vorantragen, was demnach nicht ange⸗ ſehen werden kann als eine Theilnahme an dem falſchen Gottesdienſt der Papiſten, ſondern als ein Civildienſt, den er dem Kaiſer zu leiſten ſchul⸗ dig war (vergl. Naeman, 2 Kön. 5, 17. 18.). Darnach begaben ſich ſämmtliche Stände des Reichs aufs Rathhaus, und Pfalzgraf Friedrich nahm im Namen des Kaiſers zuerſt das Wort, indem er die Gegenſtände der Berathung vorlegte. Er that dabei erſtlich des Türkenkriegs und dann des damaligen Religionszuſtandes weitläuftig Erwähnung; und endlich wurde den Ständen, katholiſchen wie evangeliſchen, befohlen, ihre Mei⸗ nung wegen des Zwieſpaltes und der Mißbräuche in der Religion dem Kaiſer ſchriftlich in deutſcher und lateiniſcher Sprache zu überantworten. Noch am nämlichen Tage wurde bekannt ge⸗ macht, daß die Berathungen am 22. Juni ihren Anfang nehmen ſollten. Deshalb forderte der Kurfürſt Johannes ſeine Glaubensgenoſſen den Tag zuvor zu ſich, nachdem er den Vormittag für ſich allein in ernſtlichem Gebet zugebracht hatte. Er legte ihnen ſeine Meinung vor, daß man dar⸗ auf dringen müſſe, daß die Religionsſache auf dem Reichstag zuerſt vorgenommen werde, und bat ſi, ihm folgenden Tages früh ihre Meinung darüber zu ſagen. Demgemäß kamen ſie am ander Morgen zum Kurfürſten und bezeugten, daß ſie gleichen Sinnes wären. Darauf begaben ſie ſich aufs Rathhaus, wo auch die römiſch⸗katholiſchen Fürſten und Stände ſich einfanden. Beide Theile kamen miteinander überein, daß zuerſt von der Religion gehandelt werden ſolle. Allein die römiſch Geſinnten weigerten ſich, ein ſchriftliches Glaubensbekenntniß abzugeben, weil ſie, wie ſie ſagten, bei der alten Lehre verblieben. Die Luthe⸗ riſchen ſtellten dagegen vor, daß in dem kaiſerlichen⸗ Ausſchreiben beiden Theilen auferlegt worden ſei, ihre Meinung von Glaubensſachen ſchriftlich ab⸗ zugeben; allein jene blieben bei ihrer Weigerung, denn es war ihnen freilich von Rom aus ſtrenz verboten, ſich über die Religion in Disputation⸗ einzulaſſen.“) So wurde denn den Proteſtanten X*) Gleichwie die jetzt ſogenannten Evangeliſchen, Metho⸗ diſten u. A. aus leicht erklärbaren Gründen gar keint