# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S148 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 148 Aus den Verhandlungen der rheinischen Conferenz lutherischer ꝛc. und scheinen, als wären Schlüssel absolut nur da, wo Gottes Gaben, Hirten und Lehrer sind. Aber dieses eine Wörtlein „nur“ fehlt eben, darum kann und muß der Satz ganz unverfänglich so verstanden werden: Das Predigen, absolviren ꝛc. ist im N. Test. an kein levitisches Priesterthum gebunden, sondern in der ganzen Welt soll gelehrt und gepredigt werden und folglich (nicht, weil die Hirten und Lehrer absolut nur die Leute sind, die predigen, absolviren können und dürfen, sondern —) insofern Hirten und Lehrer die Leute sind, die von Gott zur ordentlichen öffentlichen Führung des Predigtamts gesetzt sind, darum ist das Predigtamt auch ohne des Papsts Weihe überall wahrhaftig vorhanden, wo solche von Gott gegebene Hirten und Lehrer sind. „Ich glaube aber, ungezwungen lassen sich viele Stellen der Symbole nur in dem von mir behaupteten Sinn verstehen. Wenn es z. B. heißt (Schmalk. Art. Anhang, von Gewalt des Papsts): „Ueber das muß man ja bekennen, daß die Schlüssel nicht Einem Menschen allein (dem Papst), sondern der ganzen Kirchen gehören und gegeben sind“, so ist doch offenbar hier nicht blos davon die Rede, wer das Recht habe, Pfarrer zu berufen und zu weihen, ob Papst oder Kirche, sondern es ist eben die Rede von Ausübung der ganzen Schlüsselgewalt, so wie sie eben der Papst sich anmaßte, und die Schlüssel in diesem ganzen Umfang sind eben principaliter und eigentlich ein Recht und Beruf der Kirche, d. i. aller Christen. Und wie viel mehr ist das wohl gerade an dieser Stelle der Symbole gemeint, wo unmittelbar vorher gesagt ist, „dieser ganze Handel ist schon fleißig von den Unsern (doch gewiß vornehmlich Luther) tractiret, deren Schriften wir hie wollen erhohlet haben“, gerade in Luthers Schriften ist aber so mächtig erwiesen, die Gewalt, die der Papst sich anmaße, sei eine allgemeine Gewalt aller Christen. — Ferner wird an dieser wesentlichen Symbolstelle dem Satz: Christus hat die Schlüssel „der Kirchen“ gegeben, der andere Satz als Gegenstück zur Seite gestellt: „Christus gibt das höheste und letzte Gericht der Kirche, da er spricht: „sag's der Kirchen“. In derselben Weise, wie also der Kirche das höchste Gericht gegeben ist, so sind ihr auch die Schlüssel gegeben. Nichts ist aber gewisser, als daß die Worte des HErrn: „sag's der Kirche“ nicht heißen sollen, sag's den Aposteln oder Amtsträgern. „Ebenso und noch deutlicher ist's in der folgenden Stelle, Schmalk. Art. Anhang, von Gewalt der Bischöfe: „die Schlüssel der ganzen Kirchen, nicht etlichen sondern Personen gegeben sind.“ Ohne Zwang lassen sich diese Worte unmöglich nach der Ansicht der Gegner verstehen, denn nach dieser sind ja allerdings die Schlüssel nur einzelnen Personen gegeben, der ganze Unterschied ist lediglich nur der, daß man will: nicht den Bischöfen, sondern allen Amtsträgern, und nur in sofern der Kirche, weil die Berufung von Amtsträgern nicht am Papste hängt. Indessen immerhin können die Gegner sich niemals offen und ehrlich zu dem uneingeschränkten Satz bekennen: die Schlüssel sind nicht einzelnen Personen gegeben, sondern der Kirche, so lange sie im schroffsten Gegensatz dagegen sagen: „der Befehl zu predigen haftet