# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 12 08_S65 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „HGottes Mort und Kuthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Redigirt von C. F. W. Walther. + nunt iom 17½47 2 9 Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 28. December 1847. No. 9. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verfauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt von Herrn P. Schieferdecker.) die Uebergabe der Angsburgiſchen Confeſſion. Im Jahre 1530 war die Sache der durch das auserwählte Rüſtzeug Dr. M. Luther wieder⸗ gereinigten Kirche ſo weit gediehen, daß ſie ihr gemeinſames Bekenntuiß der reinen Lehre auf dem Reichstag zu Augsburg vor den Augen der ganzen Chriſtenheit darlegen, und eben damit klar und deutlich beweiſen konnte, daß ſie von der Lehre und dem Glauben der uralten chriſtlichen Kirche in keinem Stücke abgefallen war. Es war hier die ganze Kirche, die ebendasſelbe öffentlich und feier⸗ lich bekanute, was zuvor nur durch den Mann Gottes Luther und ſeine Mitzeugen wider das antichriſtiſche Pabſtthum geſchrieben und gelehrt worden war. Und obwohl es im Vergleich mit der zahlreichen und mächtigen Pabſts⸗Rotte nur ein kleines Häuflein war, ſo hatten ſie doch Chri⸗ ſtum und ſein Wort auf ihrer Seite, vor deſſen ſiegreicher Kraft auch die Mächte der Finſterniß weichen mußten. Zwar hatten die Papiſten ſchon im Voraus triumphirt, daß es auf dem erwähnten Reichstag mit den Lutheriſchen ein Ende haben werde. Aber Gott hatte es in ſeinem Rath anders beſchloſſen. Gerade hier ſollte die Wahrheit des Evangeliums und die gerechte Sache der Pro⸗ ttſtanten im Gegentheil aber auch die Bosheit und Lügen der Widerſacher recht offenbar werden. Darum iſt dieſer Reichstag für ewige Zeiten denk⸗ würdig, und die Uebergabe der Augsburgiſchen Confeſſion eins der größten Ereigniſſe in der Kirche. Wiewohl nun bei einem jeden wahren Lutheraner eine genaue Bekanntſchaft mit der Confeſſion ſelbſt vorauszuſetzen iſt, ſo dürfte doch die Geſchichte ihrer Uebergabe, beſonders in ihren Einzelnheiten, manchem weniger bekannt ſein. Darum wird dem freundlichen Leſer der hier folgende Bericht mit dem herzlichen Wunſche übergeben, daß er auch hieraus in der Ueberzeugung geſtärkt werde, daß unſere Kirche die wahre ſei, und Gott, den Allmächtigen, preiſe, der ſeinen Namen an dieſer Kirche ſo groß und herrlich gemacht hat. Der damalige deutſche Kaiſer Carl der Fünfte hatte auf den 8. April 1530 eine Reichsverſamm⸗ lung nach Augsburg ausgeſchrieben. Es war dies eine freie Reichsſtadt, d. h. eine ſolche, die keine andere Obrigkeit über ſich hatte, als den Kaiſer ſelbſt. In dem Ausſchreiben verſprach derſelbe, die evangeliſchen Fürſten und Stände wegen der Re⸗ ligion in Liebe und Gütigkeit zu hören. Dieſer Befehl bewog ſie zur Abfaſſung ihres Glaubens⸗ bekenntniſſes, ohne welches ſie nicht hätten gehört werden können. Sie wollten aber auch dadurch die falſchen Beſchuldigungen widerlegen, die ihnen von den Widerſachern zur Laſt gelegt wurden, als wären ſie Schuld an dem Unweſen, welches Münzer, das Haupt der wiedertäuferiſchen Rotte, ingleichen Carlſtadt, Zwingli und andere Schwär⸗ mer angerichtet hatten. Hatten doch ſogar die Papiſten ausgeſprengt, daß Luther die vornehmſten Lehren des Chriſten⸗ thums leugne, und ärgere denn türkiſche Irrthümer hege. Und dieſe Verleumdungen wurden nicht blos von dem unwiſſenden Volke, ſondern auch von hohen Häuptern geglaubt, und waren Urſache, daß hin und wieder die allerſchärfſten Befehle gegen die Lutheraner erlaſſen wurden. Die erſte Grundlage zur Augsburgiſchen Con⸗ feſſion waren 17 Artikel, welche Luther in Ge⸗ meinſchaft mit Jonas, Bugenhagen und Me⸗ lanchthon auf Befehl des Kurfürſten Johann, kurz vor deſſen Abreiſe nach Augsburg abfaßten, und die den Namen der Torgauer Artikel erhielten. Die Abreiſe des Kurfürſten geſchah am 3. April, nachdem er noch wegen des bevorſtehenden Reichs⸗ tags ein allgemeines Kirchengebet in ſeinem Lande angeordnet hatte. Am 2. Mai langte er in Augs⸗ burg an, und war der erſte von allen übrigen Fürſten, der dort erſchien. Mit ihnen kamen Jonas, Spalatin und Melanchthon; Luthern ſelbſt aber hatte der Kurfürſt nur bis nach Coburg mitgenommen, und ihn dort auf der Feſtung ge⸗ laſſen, weil es wegen der kaiſerlichen Acht und des päbſtlichen Bannes nicht rathſam war, ihn mit nach Augsburg zu nehmen. Zu Coburg war indeß Luther kein müßiger Zuſchauer, ſondern nahm durch häufigen Briefwechſel den thätigſten Antheil an den Verhandlungen zu Augsburg. Obgleich ſelbſt oft und ſchwer angefochten vom Satan, dazu leidend am Körper, indem er viel von Kopf⸗ und Herzweh geplagt war, ſo gar daß er ſich ſchon zu Coburg ein Plätzchen zu ſeinem Begräbniß auserſehen hatte, ſchrieb er dennoch an andere Bekümmerte und Angefochtene Briefe voll Kraft und Troſt des Glaubens, und war immer thätig mit Predigen und Schreiben. Beſonders nützte er zu Coburg der Sache des Evangeliums durch ſein ernſtes und anhaltendes Gebet. Veit Dietrich, Luthers damaliger Famulus, ſchrieb da⸗ von an Melanchthon: „Es geht kein Tag vorüber, an welchem er nicht aufs wenigſte drei Stunden, ſo dem Studiren am allerbequemſten ſind, zum Gebet nimmt. Es hat mir einmal geglückt, daß ich ihn hörte beten. Hilf Gott, welch ein Geiſt, welch ein Glaube iſt in ſeinen Worten! Er betet ſo andächtiglich, als einer, der mit Gott redet, mit ſolcher Hoffnung und Glauben, als einer, der mit ſeinem Vater redet.“ Uebrigens wurde ihm die Zeit zu Coburg ſehr lang, und harrte mit Sehnſucht auf das Ende des Reichstags und die Rückkehr der Freunde. „Ich bin krank vor Sehn⸗ ſucht nach eurer Rückkehr — ſchrieb er unter'm 11. September an Melanchthon —. Ach daß ihr doch zurückkehrtet, wenn auch verflucht vom Pabſt und Kaiſer. Denn es iſt ein anderer, der höher iſt als Pabſt und Kaiſer, auch höher, als der Gott jener.“ Der Kaiſer blieb länger aus, als er verſprochen hatte. Dies erregte Beſorgniß und man fürchtete nicht ohne Grund. Denn ein Jahr vor dem Reichstag hatte der Pabſt und der Kaiſer zu Barcellong ein Bündniß gemacht und beſchloſſen: Carl und Ferdinand (der Bruder des Kaiſers und König in Böhmen) ſollten die Lutheraner zur vor⸗ maligen Religion zurückführen, und wenn ſie nicht wollten, durch die Waffen zwingen. Clemens, der Pabſt, ſollte auch alle Mittel dazu gebrauchen und die übrigen Fürſten zur Vollbringung eines ſo gottſeligen Werks bewegen. Ein Zeichen von ſchlimmer Vorbedeutung war es, daß der Kaiſer noch vor ſeiner Ankunft in Augsburg durch eine Geſandtſchaft von dem Kurfürſten von Sachſen