# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S140 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 140 Aus den Verhandlungen der rheinischen Conferenz lutherischer ꝛc. Gebiete, in die Alles zerfällt. Die Kirche ist „eigentlich und nach ihrem Wesen“ die Gemeine der Heiligen, der vere credentes, sie liegt also ganz auf dem Gebiete des Glaubens; dagegen Schlüssel, Amt liegen ganz und allein auf dem Gebiet des Handelns, die Kirche als solche hat also mit den Schlüsseln nichts zu schaffen. Die Schlüssel gehören lediglich, nach Ordnung des Gesetzes in den Beruf des Pfarrers, wie das Herrschen dem König, dem Landmann das Bestellen seines Ackers gehört ꝛc. Ebenso geht der Andere lediglich von der Frage aus: wem ist Beruf und Befehl zur Führung der claves, zum predigen ꝛc. gegeben? und antwortet: nur einzelnen Personen, den Amtsträgern. Das geistliche Priesterthum aller Gläubigen schließt nichts von diesem Beruf und Befehl zu predigen in sich. Der Glaube an sich befähigt zum Predigtamt durchaus nicht mehr und in anderer Weise als zum Hausknechtsamt, (d. h. er gibt dem Prediger nur die rechte innere Herzensstellung und Gesinnung, sein Amt Gott wohlgefällig zu führen). Demgemäß sind alle neutestamentlichen Stellen, wo Christus die Schlüsselgewalt oder den Befehl zu predigen ertheilt, nicht zu beziehen auf die Kirche, auf die Gesammtheit aller Christen, sondern nur auf die einzelnen Personen, die Apostel und Amtsträger. — Der Satz der Symbole „ecclesia habet claves“ ist hiernach nur zu verstehen als Antithese gegen den Papst. Das specifisch Römische in der Amtslehre ist: der Papst ist der einzige Verwalter des Evangeliums, der einzige, aus dessen Macht und Gewalt das Amt übertragen und Amtsträger gesetzt werden können. Dagegen sagen die Symbole: nein, nicht der Papst, sondern die Kirche, die nicht an einen Papst, sondern nur an Wort und Sacrament gebunden ist, die Kirche hat den Befehl, Christi Diener zu senden, und wo also rechte Kirche ist, da sind auch rechte Amtsträger, unabhängig von des Papsts Weihe, durch der Kirche Dienst sendet Christus Prediger, nicht durch einen etwaigen Dienst Petri und des Papsts. Die Kirche hat die claves, heißt also in Summa und streng genommen nichts, als: die Kirche hat das Amt und die Amtsträger, sie hat nur insofern die Schlüssel, als sie das Amt und die Amtsträger hat, oder, die Kirche hat die Sünde vergebende Macht nur verwaltet durch die, deren Hand die Schlüssel führt. — Begründet soll diese Ansicht sein: in der Augsburgischen Confession, wo die Macht der Schlüssel geradezu eine Macht der Bischöfe genannt wird. Besonders aber im Anhang der Schmalkaldischen Artikel, wo es heißt: die Schlüssel sind nichts anderes als das Predigtamt, das Predigtamt aber ist überall, wo der HErr seiner Kirche die verheißenen Gaben, Apostel, Propheten, Hirten und Lehrer ꝛc. gibt. Folglich wenn es heißt, „die Schlüssel seien der Kirche und nicht einzelnen Personen gegeben,“ so hat das nur den Sinn, das Amt und die Amtsträger, Hirten und Lehrer sind eine Gabe, die der HErr der Kirche gegeben. Daraus folgt aber für die Kirche bloß das Recht, nicht selbst die Schlüssel zu führen, sondern nur jederzeit Amtsträger zu berufen und zu setzen. Ein Laie, der im Nothfall tauft ꝛc., muß als ein durch die Noth entstandener oder berufener Pfarrer betrachtet werden, wie daher und in diesem Sinn auch die Schmalkaldischen