# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S137 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Was Dr. Heinrich Kurtz in Dorpat vom Glauben lehrt. 137 mata, das ist, von dem Glauben, der seine rechte Art und Gestalt von der Liebe empfangen soll, gelehrt haben. Denn allein der Glaube machet gerecht, der durchs Wort Christum ergreifet, und mit demselben geschmücket oder gezieret wird, und nicht der Glaube, der die Liebe in sich schleußet. Denn, soll der Glaube gewiß und beständig sein, so muß er sonst nichts anders ergreifen, noch sich an etwas anders halten, denn nur an den einigen Christum. Denn in Noth des Gewissens kann er sonst auf keinem andern Grund bestehen, denn auf dieser edlen Perle allein. Derhalben, es schrecke einen das Gesetz, und drücke ihn der Sünden Last, wie sehr sie immer könne; so kann er dennoch, wo er Christum durch den Glauben ergriffen hat, gleichwol nichts destoweniger immerdar rühmen, daß er dennoch gerecht und fromm sei. Wie gehet aber das zu? und wodurch ist er so gerecht? Antwort: Durch den edlen Schatz und Perle, so da heißt Jesus Christus, welchen er durch den Glauben zu eigen hat. Darein können sich unsere Widersacher gar nicht richten; darum werfen sie diese Perle, Christum, hinweg, und setzen an seine Statt die Liebe, und sagen, dieselbe sei die köstliche, edle Perle.“ — Derselbe, in den Sätzen vom eingegossenen und erlangten Glauben, 1520, Walch XIX, 1736.: „Daß aber etliche nicht verstehen, wie der Glaube allein gerecht macht, ist Ursach, daß sie nicht wissen, was der Glaube ist, haben's auch nie erfahren; sondern lassen ihnen träumen, der Glaube sei eine Beschaffenheit, so in der Seele ver⸗ borgen. Aber wenn das Wort Gottes erschallet, wie die Wahrheit ist, und das Herz sich an's Wort hält durch den Glauben: so wird das Herz erfüllet mit der Wahrheit des Worts und durch das Wort der Wahrheit gewiß ge⸗ macht. Also wenn man ein kaltes Holz an ein glühend Eisen hält, so wird es von dem Eisen entzündet und fähet an zu brennen. Wenn nun das Herz also mit dem Wort erfüllet ist, so werden bald alle Kräfte und Glieder auch also verwandelt. Denn was das Herz thut, das thun auch alle Glieder, da⸗ hin sich das Herz neiget, es sei gut oder böse. Und also wird es dem Men⸗ schen gerechnet zur Gerechtigkeit, um des Glaubens willen an's Wort.“ — Statt noch mehr Stellen anzuführen, fordere ich den Dr. Kurtz und jeden, der seine Ansicht theilt, auf, auch nur eine einzige Stelle in den Schriften unserer alten, rechtgläubigen Theologen nachzuweisen, worin gelehrt wird, daß Gebrauch der Gnadenmittel und frommes Leben zum Wesen und Begriff des Glaubens gehören. Sie werden vergeblich danach suchen. Denn in der Definition des Dr. Kurtz ist in gräulicher Weise aus der reinen Lehre, welche das erste Stück jener Definition ausmacht, durch die Hinzufügung des zweiten und dritten Puncts die von unsern treuen Theologen als schriftwidrig und antichristisch verworfene fides formata der römischen Kirche geworden. Das Concilium Tridentinum hat nämlich durchaus die Lehre des Dr. Kurtz vom Glauben für die rechte erklärt, wie namentlich die Verwerfung der reinen luthe⸗ rischen Lehre im zwölften Kanon zeigt, welcher lautet: „Wenn jemand sagt, daß der rechtfertigende Glaube nichts anders sei, als die Zuversicht auf die göttliche Barmherzigkeit, welche die Sünden um Christi willen ver⸗