# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S136 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 136 Was Dr. Heinrich Kurtz in Dorpat vom Glauben lehrt. und durch sie sein Dasein beweist. Ein Licht kann nicht anders, es muß leuchten; was nicht leuchtet, ist kein Licht, vgl. Matth. 5, 16. So kann auch der Glaube nicht anders als durch die Liebe thätig sein; wo die Liebe fehlt, da ist eben kein Glaube. Ebenso ist da, wo Glaube ist, auch fleißiger Ge⸗ brauch der Gnadenmittel; denn der Glaube muß mit dem HErrn allezeit in dem sein, das seines Vaters ist, Luc. 2, 49. Aber darum gehört weder Ge⸗ brauch der Gnadenmittel noch Heiligung in irgendwelchem Sinn zum Wesen des Glaubens, so wenig als der Schein des Lichts das Licht selbst ist. Es ist beides vielmehr nur die Folge, Wirkung und Frucht des Glaubens. Um zu zeigen, daß die hier vertretene Lehre vom Glauben die Lehre der h. Schrift ist, will ich nur mit Bezugnahme auf Ebr. 11, 1. an den Namen er⸗ innern, welchen der Glaube in derselben führt. Πίστις heißt seiner Ableitung wie seinem Gebrauche nach ganz eigentlich „Vertrauen, Zuversicht“, und dem⸗ nach ist auch die Bedeutung des davon gebildeten πιστεύειν bloß „vertrauen oder Zuversicht haben*).“ Diese Benennung des lebendigen, rechtfertigenden und seligmachenden Glaubens, wonach derselbe einzig und allein den inner⸗ lichen Act des Herzens bezeichnet, mit welchem der Mensch aus Kraft des heil. Geistes auf Christum vertraut und auf Sein Verdienst seine Zuversicht vor Gott setzt, schließt klar und bestimmt alles vom Glauben aus, was nicht dieses Vertrauen und diese Zuversicht auf Christum ist, also alle und jede Werke, den „fleißigen Gebrauch der Gnadenmittel“ und „das fromme Leben.“ Diese können nimmermehr zum Glauben als wesentliche Stücke gehören, eben weil sie nicht unter den Begriff von πίστις und πιστεύειν fallen. Wenn Dr. Kurtz Recht hätte, so hätte der heil. Geist den Glauben nicht Glauben nennen dür⸗ fen, sondern „Leben im Glauben“ oder mit einem gleichbedeutenden Ausdruck. Weil aber Glaube in der Schrift Glaube heißt, so muß es wahr sein und bleiben, daß allein die Zuversicht auf Christum selig macht, zu welcher, wie gesagt, Erkenntniß und Beifall nur die nothwendigen Vorstufen sind. Zum Belege, daß die hier vertretene Lehre vom Glauben die Lehre un⸗ serer Kirche ist, mögen folgende Stellen aus Luther dienen. Er sagt in der Kirchenpostille, über die Epistel am 3. Sonnt. des Adv., Erl. VII, S. 98.: „Der Glaube ist nichts anders denn eine beständige, unzweifelhaftige, unwankende, gewisse Zuversicht zu göttlicher Gnade.“ — Derselbe, in der 31. Predigt über das dritte und vierte Capitel Johannis, Erl. XLVII, S. 12.: „Der Glaube ist ein herzlich Vertrauen zu Gott durch Christum, daß Christi Leiden und Sterben dir angehöre und dein eigen sein solle. Sonst hat der Teufel und Papst auch einen Glauben, aber es ist nur fides historica; sondern der wahrhaftige Glaube zweifelt nicht, er ergibt sich mit seinem Herzen gar darauf, daß der Sohn Gottes für ihn sei in den Tod gegeben.“ — Derselbe, in der ausführlichen Erklärung der Epistel an die Galater, zu Cap. 2, 4. 5., Walch VIII, 1728 f.: „Drum ist's nur ein eitel ungeheures, unnützes Gewäsche, was die tollen Sophisten von fide for⸗ *) Auch das lateinische fides, mit welchem die abendländische Kirche nach der Schrift den Glauben benannt hat, sowie fidere sind gleichbedeutend mit diesen griechischen Wörtern.