# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S135 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Was Dr. Heinrich Kurtz in Dorpat vom Glauben lehrt. 135 im Glauben ergriffenen Christus willen Gott auch unsere guten Werke in Gnaden ansähe und ihnen aus väterlicher Güte und Barmherzigkeit einen unverdienten Gnadenlohn bestimmte. Es ist also klar, daß keinerlei Werke, daß nicht Gebrauch der Gnadenmittel und Heiligung des Lebens das Organ sind, womit wir Christus ergreifen, und somit in keinerlei Sinn als wesent⸗ liche Stücke des Glaubens angesehen werden können. Darum bleibt es bei der Definition des Glaubens, wie sie von unseren alten Theologen gegeben und stets in unserer Kirche als richtig anerkannt worden ist. Danach gehört zum Glauben und macht das vollständige Wesen desselben aus allein Erkenntniß, Beifall und Zuversicht, und zwar die Zuversicht als das rechte und eigentliche Hauptstück, wodurch der Mensch gerecht und selig wird. Die beiden ersten Stücke nämlich sind nur Vorbedingungen des letzteren, und es wird ihnen nur dann in der Schrift Gnade und Seligkeit zugeschrieben, wenn und insofern die Zuversicht damit verbunden ist. Denn eine Art von Wissen der im Evangelium enthal⸗ tenen Wahrheit und eine Art Beifall für dieselbe kann auch ein unbußfertiger und unbekehrter Mensch haben, ja bei dem Teufel selbst finden sich diese beiden Stücke, aber eben getrennt und entleert von der Zuversicht, wie die Schrift sagt: „Die Teufel glauben auch und zittern.“ Darum sind Erkenntniß und Beifall, ohne welche die Zuversicht ihrerseits nie*) vorhanden ist, die beiden Vorstufen im Herzen des Menschen, durch welche der heil. Geist denselben zum thatsächlichen Ergreifen und persönlichen Zueignen des Verdienstes Christi, d. i. zur Zuversicht, hinführt. Es muß aber dann auch die Zuversicht auf Christi Verdienst, eben weil sie thatsächliches Ergreifen und persönliche Zueig⸗ nung desselben ist, ganz allein mit Ausschluß alles andern, also des fleißigen Gebrauchs der Gnadenmittel und der Heiligung des Lebens, vor Gott gerecht und darum selig machen. Denn wäre noch etwas außer der Zuversicht dazu nöthig, so müßte Christi Verdienst allein nicht hinreichend sein, um uns Ver⸗ gebung der Sünden und die ewige Seligkeit zu verschaffen. Weil aber Dr. Kurtz in seiner Definition der Rechtfertigung selbst ausspricht, daß Christi Verdienst allein die Ursache derselben sei, so kann er bei logischem Denken un⸗ möglich leugnen, daß allein das, was Christi Verdienst ergreift und zueignet, nämlich die Zuversicht, das eigentliche Wesen und Hauptstück des rechtferti⸗ genden und selig machenden Glaubens ist, mit welchem die beiden andern Stücke, Erkenntniß und Beifall, stets nothwendig und unzertrennlich ver⸗ einigt sind. Hiemit soll aber durchaus nicht gesagt sein, daß der lebendige Glaube, d. i. die Zuversicht auf Gottes Gnade in Christo, jemals ohne Gebrauch der Gnadenmittel oder ohne Heiligung bestehen und wachsen könne. So wahr es ist, daß wir gerecht und selig werden allein durch den Glauben, ohne die Werke, so wahr ist es auch, daß ohne Heiligung niemand den HErrn sehen kann: aber nur deswegen, weil der Glaube sich in den guten Werken zeigt *) Natürlich ist hier die Rede vom Glauben der adulti.