# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1861_S134 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 134 Was Dr. Heinrich Kurtz in Dorpat vom Glauben lehrt. Heiligung ist die Erneuerung des ganzen Lebens.“ Und § 275 heißt es in völliger Uebereinstimmung mit der heil. Schrift und mit dem Bekenntniß un⸗ serer Kirche: „Die Rechtfertigung besteht darin, daß der heil. Geist „allen Gläubigen in der Christenheit täglich alle Sünde reichlich vergibt“, weil Gott ihnen Christi Verdienst und Gerechtigkeit zurechnet, sie um deswillen von aller Schuld und Strafe freispricht und für gerecht und Ihm angenehm erklärt. Die Rechtfertigung geschieht ohne all unser Zuthun und ohne alles Verdienst der Werke, auch nicht um unsres Glaubens willen, sondern allein aus Gnaden um Christi willen, aber wohl durch den Glauben, der das dar⸗ gebotene Verdienst Christi ergreift und sich zueignet.“ Während also diese Definition der Rechtfertigung der Schrift und dem Bekenntniß gemäß ist, ist die angeführte Definition des Glaubens offenbar irrthümlich und verwerflich. Dr. Kurtz widerspricht mit seiner Lehre vom Glauben seiner eigenen Lehre von der Rechtfertigung, und vernichtet diese somit, nachdem er sie aufgestellt hat. Was hilft es nämlich, wenn er die Rechtfertigung richtig beschreibt, wenn er Christum in der ganzen Größe sei⸗ nes Verdienstes darstellt, und dann den einzigen Weg, auf welchem wir die Rechtfertigung erlangen können, abschneidet? Denn ist der Glaube, der le⸗ bendige, rechtfertigende, seligmachende Glaube irgend etwas anders, als die Zuversicht zu Gott, daß er um Christi willen die Sünden vergibt, durch das Evangelium, so ist ganz unmöglich, daß auch nur ein einziger Mensch die Gnade Gottes in Christo erlangt, so hat Christus umsonst gelitten, und alle Patriarchen, Propheten und Apostel sind verloren gegangen. Und dem Dr. Kurtz und mir ginge es nicht besser, wenn seine Lehre vom Glauben richtig wäre. Gott kann uns nur dann seine Gnade in Christo schenken, wenn wir dieselbe empfangen können. Wir müssen also zur Erlangung der Gnade Gottes ein Organ haben, womit wir dieselbe ohne Fehlgriff, fest und sicher ergreifen können. Dies kann nur der Glaube sein, und zwar der Glaube im rechten und einzigen Sinne des Worts, zu welchem allein die drei Stücke: Erkenntniß, Beifall und Zuversicht gehören. Der Glaube, er sei groß oder klein, stark oder schwach, kann nie einen falschen Griff thun: er trifft Christum mit seinem ganzen Verdienst allezeit sicher und gewiß. Denn vom Glauben hat der Herr verheißen, daß er das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen und das glimmende Docht nicht auslöschen wolle. „Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben.“ Dagegen kann „fleißiger Gebrauch der Sacramente“ und „gewissenhafter Gebrauch der empfangenen Gnade zu einem frommen christ⸗ lichen Leben“, nun und nimmermehr das Organ oder auch nur ein Stück des Organs sein, womit der arme Sünder Christi Verdienst ergreift. Denn durch gute Werke wird nicht Gnade, sondern Lohn erlangt; durch gute Werke wird nicht Christi Verdienst ergriffen, sondern eigenes Verdienst erworben. Nun sind aber auch noch alle unsere guten Werke, selbst diejenigen, welche im Glauben geschehen, unser Gebrauch der Gnadenmittel und die Heiligung unseres Lebens, so unvollkommen und mit Sünde behaftet, daß der damit verdiente Lohn nur die ewige Verdammniß sein könnte, wenn nicht um des