# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S128 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 128 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Mitglieder der Gemeindekirchenräthe aller sieben Parochien der Stadt ohne ihre Geistlichen Staates zur vollen Verwirklichung. Ja, Herr K. hält sogar dafür, daß nach göttlichem Recht der christlichen Obrigkeit die Kirchengewalt zukomme (S. 46. f.). Und er hält diese Gedanken für reformatorisch-lutherische von echt deutschem Ursprung. Die Erlanger Zeit⸗ schrift macht dabei die wichtige Bemerkung: Daß nach dieser Theorie „der Besitz dieser (Kirchen⸗) Gewalt unmöglich von persönlicher Befähigung des Inhabers abhängig ge⸗ macht werden kann, während es ein wesentlicher kirchlicher Grundsatz ist, daß Zulassung zu jeder kirchlichen Thätigkeit nur auf Grund erprobter Tüchtigkeit der Person für dieselbe stattfinden soll.“ Die Lehre des kleinen Katechismus von dem Nutzen des heil. Abendmahls, welche, wie wir im diesjährigen Vorworte bereits bemerkt haben, Herr Professor Dr. Kahnis in seiner Schrift vom heil. Abendmahl angreift, wird auch im Ja⸗ nuar-Heft der Erlanger Zeitschrift von V. in O. angegriffen. Der Einsender schreibt: „Was würde ich darum geben, wenn Luther auf die Frage: Was nützet denn solch Essen und Trinken? geschrieben hätte: „„Das zeigen uns Brod und Wein, unter denen uns Christus seinen Leib und sein Blut mittheilt; nämlich daß uns im Sacrament Stär⸗ kung und Mehrung durch die Vereinigung mit Christi Leib und Leben gegeben wird.““ Nun er aber nicht so geschrieben hat, wird es am besten sein, wir lassen bei der näheren Er⸗ klärung im Unterrichte den Satz: „„Das zeigen — der Sünden,““ liegen; nehmen aus dem Folgenden die richtige Bestimmung heraus, daß das A. M. Vergebung der Sün⸗ den, Leben und Seligkeit wirke, und fügen am Schlusse die weitere Frage hinzu: Warum wirkt dieses das Sacrament? — Antwort: Weil es uns mit Christi Leib und Leben verei⸗ nigt.“ Ein Glück ist, daß die neueren Theologen noch nicht authorisirt sind, den lieben kleinen Katechismus für die Kirche nach ihrer neuen Theologie herzurichten. Sonst würden wir ein gar übel zugerichtetes Enchiridion erhalten. Wie aber die Herrn bei ihrer gewonnenen neuen Ueberzeugung mit ihrem Eid auf die Symbole zurecht kommen, das ist uns ein Räthsel. — Unwahr ist's übrigens, daß Luther zu seiner Lehre von dem Zweck des heil. Abendmahls da⸗ durch gekommen sei, daß er die Worte: „Für euch gegeben und vergossen“ nicht von der Dahingebung am Kreuz, sondern von der Austheilung bei der Sacramentsverwaltung ver⸗ standen habe. Der große Katechismus, aus dem der kleine geflossen ist, widerlegt diese An⸗ nahme. Es war ein ganz anderes Princip, welches Luthern nöthigte, den Zweck und eigentlichen Nutzen nicht in den Worten: „Das ist mein Leib“ ꝛc., sondern in den Worten: „Für euch gegeben und vergossen“ zu suchen. Wiederkehr. Der Stifter „der freien apostolisch-christlichen Gemeinden“ in Nor⸗ wegen, Herr G. A. Lammers, ist schon im November v. J. von seiner eigenen Kirche abgefallen und nachher sogar in die früher von ihm so verachtete Staatskirche eingetreten. Er war schon lange nicht mit seinen Anhängern zufrieden; einige wollten die Consequenz sei⸗ ner Verwerfung der Kindertaufe ziehen und sich wieder taufen lassen, mehrere Glieder mußten wegen Unzucht ausgeschlossen werden, ja einer seiner Freunde in Dänemark fing sogar an, die Polygamie zu vertheidigen. Es ist nun freilich sehr erfreulich zu sehen, daß ein Irrender von seinem Irrthum loskommt, und also auch hier zu hören, daß dieser Mann, der eigentlich ein Baptist geworden war, jetzt „in voller Ueberzeugung, wie nie zuvor, sich zur Augsburgischen Confession bekennt;“ aber man kann doch nicht ohne Aengstlichkeit die große Unklarheit be⸗ trachten, worin er noch steckt, und namentlich muß man das bedauern, daß er mehr den Aus⸗ schweifungen seiner Anhänger, als sich selbst, der sie doch zuerst verführt hat, die Schuld geben will. Er hat darum gewiß seine greuliche Sünde der Irrlehre und Verführung noch nicht recht bußfertig erkannt und ist wohl mehr durch das Einsehen der practischen Unausführbar⸗ keit seiner Sache zum Rücktritt gebracht. Die Zahl seiner Anhänger war im ganzen Lande nur bis 900 gestiegen, und wahrscheinlich werden sie jetzt in vielerlei Richtungen auseinan⸗ dergehen. L. L. Statistik der Baptisten. Nach der jüngsten Zählung, welche sich über den gan⸗ zen Bund erstreckt, also über Deutschland, die Schweiz und Dänemark, ist der Bestand der Mitglieder 7908, wovon die meisten auf Preußen kommen. In den drei letzten Jahren sind 3077 Personen getauft, das ist fast die Hälfte der Seelenzahl. Wenn man fragt, woher eine so rasche Vermehrung gerade in den letzten drei Jahren, so darf man wohl nicht zweifel⸗ haft sein, daß die neue Aera in Preußen und die den Secten bereitwilligst gewährte Freiheit das Ihrige dazu beigetragen hat. Preußen arbeitet mit Zähigkeit daran, ein kleines Nord⸗ america zu werden. Die reine Zunahme der Gemeinden hat aber doch nur 2277 Personen betragen, da durch Ausschluß und Todesfälle wiederum eine Verminderung jener 3077 Per⸗ sonen herbeigeführt ist. Die Anzahl der Gemeinden ist in derselben Zeit von 60 auf 65, die Anzahl der Stationen, oder bloßen Predigtorte, von 674 auf 765 gestiegen. Es zeigt sich immer deutlicher, daß von den ausländischen Secten die Baptisten allein eine Zukunft in Deutschland haben, während die Arbeit der Methodisten trotz aller Anstrengungen eine ver⸗ gebliche zu sein scheint, und bis jetzt nur in Bremen und etwa in der Schweiz von nennens⸗ werthem Erfolge begleitet ist. (Münkel's Neues Zeitblatt.)