# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S126 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 126 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. andern Orten gemacht und Grund und Gebäulichkeiten unentgeltlich und schuldenfrei angeboten. Der „Olive Branch,“ von Dr. Harkey in Springfield, Illinois, redigirt, ist, wie der Kirchenbote meldet, eingegangen. Der Red. sagt in seiner letzten Nummer, das Blatt habe seine Mission (?) erfüllt und könne deshalb sein Erscheinen einstellen. Er sagt ferner, während der 5 Jahre seiner Redaction habe er $6—700, seine Arbeit ungerechnet, die er gratis am Blatt that, zusetzen müssen. Staatseinmischung. Die Holländisch-ref. Kirche in Philadelphia, von welcher der Kirchenbote kürzlich berichtete, daß die Gemeinde einen arminianisch gesinnten Prediger wählte, gegen dessen Einsetzung der Kirchenrath protestirte, hat vom Richter Allison den Entscheid erhalten, daß es Pflicht der weltlichen Obrigkeit ist, die kirchlichen Behörden in der Aufrechterhaltung ihrer Glaubenslehren zu unterstützen. Also darf die Gemeinde keinen Anspruch auf die Einsetzung eines nicht reformirten Predigers machen. II. Ausland. Das „Sächsische Kirchen- und Schulblatt“ hat mit dem gegenwärtigen Jahrgang Hrn. Pastor Lic. Meurer in Callenberg bei Waldenburg in Sachsen zum Redacteur erhalten. Dr. Luthardt, der vorige Redacteur, nimmt seinen Abschied vom Blatte u. a. mit folgenden Worten: „Der Boden, auf welchem das Blatt steht, ist der Boden auch unserer Kirche — das Bekenntniß. Aber es ist nicht genug, seine Lehre zu führen und sich zu ihm mit Worten zu bekennen. Viele Wahrheiten, die vor zwei Decennien noch unerhört oder unerträglich waren, sind jetzt geläufig geworden und finden keinen Anstoß mehr. Darauf kommt es an, daß die Wahrheit des Bekenntnisses persönliche und thatsächliche Wirklichkeit sei und ein wahrhaft kirchlicher Charakter der Träger derselben. Unsere Zeit ist eine charakterlose und verwaschene. Wider den Einfluß ihres Geistes muß auch jeder Einzelne und jede Landeskirche“ (wir setzen hinzu: jede Synode) „sich wehren. Und hiewider zu streiten oder Wache zu stehen, gehört nicht minder zum Beruf dieses Blattes. Man muß Farbe bekennen.“ Der neue Redacteur sagt in seinem Vorwort zum Jahrgang 1861 u. A. über die kirchlichen Verhältnisse Sachsens Folgendes: „Eben so wenig können wir sagen, daß unter den gläubigen Theologen Sachsens Differenzen in Betreff der Lehre obschwebten, wenigstens sind dieselben nicht ausgesprochen oder gar formulirt worden. Ob man auch dies gerade als ein Glück zu achten, darüber könnten die Meinungen getheilt sein .. Es handelt sich nicht sowohl um den Inhalt, als um die Geltendmachung des kirchlichen Bekenntnisses, nicht um das credimus wir glauben), mehr um das confitemur (wir bekennen), am meisten um das docemus (wir lehren), nicht um das, was bei uns gilt, sondern was unter uns frommt.“ O du glückseliges Sachsen, wenn dem wirklich so ist, so groß auch dann der Mangel ist! Leipzig. Die Gesammtzahl der immatriculirten Studirenden in diesem Semester ist 874, nehmlich 657 Inländer und 217 Ausländer. Theologie studiren 259. Von dem letztverstorbenen König von Preußen schreibt Ehlers: „Wir Lutheraner in Preußen haben dem Vater im Himmel noch besonders zu danken, daß Er vor zwanzig Jahren unserm Lande einen König gab, der in der Furcht Gottes uns gestattete, auf unserm Glaubensbekenntniß in Frieden uns zu bauen. Dadurch hat unser seliger König seiner Krone eine schöne Perle eingefügt, die in die Ewigkeit hinüber glänzt.“ Der Staatsanzeiger berichtet, daß der Verstorbene „seine Ergebung aus dem ihm reichlich gespendeten Worte Gottes schöpfte und sich ganz und allein für seine künftige Seligkeit auf das Verdienst seines Heilandes Jesu Christi verließ.“ Ist dem so, wie wir gern glauben, so können ihm die Lästerungen nichts schaden, die ihm die Feinde noch immer in verruchter Bosheit in die Ewigkeit nachsenden. Kommt dergleichen auch in Deutschland vor? So müssen wir fragen, wenn wir in einer deutschen Zeitschrift lesen: „Große Aufregung und Unruhe in kirchlichen Kreisen erregen die Vorgänge in Quedlinburg (in der Provinz Sachsen), wo die sämmtlichen