# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 24_S63 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) rreen 63 Gottes allein, durch ſein Wort und treue Diener, großer Weisheit theils ſolche Maßregeln ergriff, vermochte es, den Jammernden einen Balſam des Troſtes in die zerriſſenen Herzen zu gießen, den die Welt nicht geben kann. Laubler entfloh von der Stätte ſeiner Frevelthat über den Altenmarkt durch die Schöſſergaſſe nach dem Schloſſe, wo er unter verfolgendem Nachruf der Menge, beſonders einiger kleinen Kreuzſchüler, von der Trabanten— wache feſtgenommen und eingefangen wurde. Bei unbedenklichem Vorlegen ſeines Mordſtahls be— kannte er unerſchrocken und frei, was er vollbracht. Abends gegen zehn Uhr wurde er ſchon unter Be⸗ deckung von 200 Mann Soldaten in das Raths— ſtockhaus gebracht und feſtgeſchloſſen geſetzt. Statt ſeine hölliſche That zu verfluchen, that er vielmehr Aeußerungen, wie folgende: „Vor Ausführung der That wäre ihm ſein Herz recht ſchwer geweſen, nun aber ſei es ihm federleicht.“ — Er küßte die eiſernen Bande oft mit beſonderer Andacht, nannte ſie „JEſus-Bande“, ließ ſich auch verlauten: „daß er ſeinem Gott herzlich danke, daß er ihm die Gnade gegeben, dieſes wichtige Werk auszu⸗ führen, ſeine Seele triumphire hier ſchon bei Gott, nachdem er dieſen Seelenverführer maſſa⸗ crirt und dieſen Lucifer von dem Kirchenhimmel herunter geſtoßen, man ſolle ihm ein Glied nach dem andern ablöſen, man ſolle ihn ädern und rädern, alles dies würde ihm die größte Freude ſein“. — Ein echter Teufelsmärtyrer! Einmal rief er: „Schlaget mir den Kopf ab, und ihr werdet noch die Hoſtie in meinem Halſe finden“; — woraus man ſchloß, daß er vor dem Begehen ſei⸗ ner Frevelthat das heilige Abendmahl genommen hatte, — wie einſt Judas, der Verräther Chriſti! Seine Glaubensgenoſſen entſchuldigten ihn mit einer ſich bei ihm ſeit einiger Zeit äußernden Melancholie; aber ſein ganzes Werk und Ver⸗ halten verräth ſich zu ſehr als Ausbruch eines inegeleiteten, wohl gar als Werkzeug benutzten Fanatismus, auf den er durch ſich ſelbſt wohl ſchwerlich verfallen ſein konnte. Berliner Blätter nannten das Ganze ein Stückchen der Jeſuiten. Der Mörder wurde von dem katholiſchen Pater Superior Hartmann zum Tode vorbereitet und begleitt und am 18. Juli desſelben Jahres, früh um zehn Uhr, auf dem Altenmarkte vor dem Rathhauſe von oben herab, mit zwölf Stößen gerädert und dann vor dem ſchwarzen Thore auf das Rad geflochten, zu welchem Aet ſowohl die Stadt überhaupt als der Markt und das Schaf⸗ fot beſonders ſehr ſtark mit Militär und Bürger⸗ wachen beſetzt war. Das traurige Ende des ſeligen Hahn erfüllte nicht nur ſeine Gemeinde, die ihm mit inniger Liebe, Hochachtung und Dankbarkeit ergeben war, mit großem Schmerz und Jammer, der in unzäh⸗ ligen aufrichtigen Thränen einen Ausweg ſuchte, ſondern theilte ſich auch der ganzen Stadt und Umgegend mit. Auch entſtand unter den niedern Volksklaſſen eine ſolche gereizte Stimmung und daraus hervorgehende Bewegung gegen die Katholiken, die aller Wahrſcheinlichkeit nach in einen völligen Aufſtand gegen dieſelben überge⸗ gangen wäre, wenn nicht der damalige Gouver⸗ neur von Dresden, ein Graf v. Wackerbarth, mit die den Pöbel im Zaum hielten, theils aber durch die Milde und Liebe, mit welcher er in Perſon die Gemüther zu beſänftigen ſuchte, es bewies, wie ſehr auch er das Schauderhafte der That fühle, die den Zorn des Volks erregt hatte. Auch der damalige Superintendent Dresdens, Dr. Löſcher, that durch eine geiſtreiche und ergrei⸗ fende Anſprache an das Volk das Seine, um die Ruhe und den Frieden zu erhalten, was auch durch Gottes Gnade gelang. Alle Unbilden, die der Pöbel gegen die Katholiken verübte, beſtand in Einwerfen einer großen Menge Fenſter, in Handgemenge und andern nicht bedeutenden Thätlichkeiten. Und obwohl davon auch un— ſchuldige Katholiken, die ſelbſt einen gerechten Abſchen gegen das Verbrechen laut bezeugten, etwas zu leiden hatten, ſo ſind doch alle dieſe un— geregelten Ansbrüche der Wuth des Pöbels, im Vergleich zu der That, die ſie hervor rief, kaum der Bemerkung werth. Der entſeelte M. Hahn wurde am dritten Tage nach der Ermordung früh um drei Uhr begraben, nachdem er bei ſteter Be⸗ wachung der allgemeinen Theilnahme und Trauer zum letzten Anblick ausgeſtellt worden war, und hier hat ihn ein dankbarer Zuhörer en miniature (in kleiner Nachbildung), in Wachs pouſſirt im Sarge liegend abgebildet, wie man ihn noch ſehen kann und auch Schreiber dieſes im Jahre 1826 ſah. Er wurde von zwanzig Magiſtern getragen, von eben ſo viel bewaffneten Soldaten begleitet und auf dem Johanniskirchhofe in einer Gruft beigeſetzt, wo ſein merkwürdiges Monument“), das auch ſeiner ihm im Jahre 1744 in die Ewig⸗ keit nachgefolgten Gattin gilt, noch immer von ſeinem Märtyrertode ſpricht. Am 6. Junius darauf hielt der Superintendent Dr. Löſcher die Leichen⸗ und Gedächtnißpredigt in der alten Frauenkirche über den Tod dieſes treuen Arbeiters im Weinberge des HErrn, wo er über die Worte 2 Tim. 2, 11—13. ſprach und daraus vorſtellte: „Das wohlredende Blut eines unſchuldig getödteten Abels.“ Wir heben aus derſelben blos folgende herzliche Worte aus, die wir dem geliebten Leſer noch zum Schluß mittheilen wollen: „Und ach! daß ich noch einmal mit Dir hätte reden ſollen, Du Lieblicher des HErrn, Du treuer Zeuge JEſu Chriſti und ſeiner Wahrheit. Das iſt nach der kläglichen Ermordung unſers liebſten Herrn M. Hahns mein und vieler andern ſehnlicher Wunſch geweſen, denn er ward wie in einem Wetter von uns geriſſen. Was nun auf dieſe Art nicht hat geſchehen können, das wird mir erlaubt ſein, öffentlich zu thun. Ach Du Nathanael unſerer Zeiten, Du redliches Blut, welches mit Gott und Menſchen es ſo wohl gemeint hat; Du from⸗ mer, treuer Knecht unſers Gottes, wir ſehen Dir mit thränenden Augen und blutenden Herzen nach. Wir wiſſen nicht, wie uns ge⸗ *) Dieſes Monument war im Jahre 1826 am 21. Mai, als dem 100ährigen Gebächtnißtage von Hahns Tode, ſchön mit Blumenkränzen geſchmückt. ſchieht, und wünſchen mit Dir davon zu ſein, um aus der Angſt und dem Gerichte dieſer böſen letzten Welt geriſſen zu werden. Doch Du haſt vor uns hergehen müſſen, auserwähl⸗ ter Erſtling, Dein Gnadenlohn iſt nun bei Dir, und Du wohneſt in unendbarer Ehre und Freude in den Häuſern des ewigen Friedens. Ach, könnten wir Dir ein immerwährendes Gedächtniß aufrichten, wir wollten Dir fünf Hauptgaben, welche jedermann an Dir bewun⸗ dern mußte, als glänzende Tugendbilder dar⸗ auf ſetzen. Nemlich: die Freudigkeit und den getroſten Muth, welcher Dich in allen Fällen beſeelte; die unermüdete Geduld, welche bei allen guten Sachen Deine Beglei⸗ terin war; die große Bereitwilligkeit, zu allen löblichen Dingen beizutreten und beizu⸗ tragen; die Gott und Menſchen angenehme Treuherzigkeit, die Dich nie verließ; und endlich, die ſo große Mildigkeit gegen die Armen, welche zwar den lieben Deinigen vor der Welt und im Zeitlichen ſchädlich zu ſein ſcheinet, aber bei dem ewig reichen Gott ihnen ſo großen Wucher tragen wird, daß ſie dafür Gutes und Barmherzigkeit ernten werden ohne Aufhören.“ Selig ſind die Todten, die in dem HErrn ſterben, von nun an, ja der Geiſt ſpricht, daß ſie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Apoc. 14, 13. N. ———— In Fort Wayne, Ind., bei Dr. Sihler iſt zu haben: EPITOME CREDENDORUM by the Rev. NIC. HUNNIUS, D. D., con- taining a concise and popular view of the Lutheran church (first edited in 1625), trans- lated from the German by Paul Edward Gottheil. Nuremberg 1847. Broſchirt O 75 Cents. Aus Nr. 466 des Apologeten erſehen wir, daß die verdiente Bloßſtellung, welche die ehrloſe Handlungsweiſe des Herrn Dr. Naſt in der letzten Nummer des „Lutheraner“ erfahren hat, nicht ganz fruchtlos geweſen iſt, Herr Naſt will nun doch ſo viel von unſerm Aufſatz in ſein Blatt aufnehmen, als wir von dem ſeinigen in unſer Blatt aufgenommen haben. Leid thut es uns hierbei, zu ſehen, daß Herr Naſt Gott nicht die Ehre gibt, ſeine ſchwere Verſündigung einzuge⸗ ſtehen, alſo offenbar nur um der Schande vor Menſchen willen ſein Verſprechen end⸗ lich erfüllen will. Herr Naſt geht ſelbſt ſo weit, zu behaupten, daß er die gerügte Niederträchtigkeit aus „Edelmuth“ (11) begangen habe, und dreht und wendet, um aus der Schlinge zu kommen, die Sache ſo, als hätten wir eine kurze Darſtellung der lutheriſchen Lehre vom heiligen Abendmahle geben ſollen und aus grenzenloſer Dummheit nicht geben, ſelbſt nicht aus dem erſten beſten Lehrbuche abſchreiben können; während es ſich doch allein um die Widerlegung ſeines Ge⸗ ſchwätzes gehandelt hat. Dieſes Verhalten der Methodiſtenhäupter iſt der beſte Schlüſſel zu der wunderbaren Erſcheinung, daß es gegenwärtig mit dem Methodismus in Amerika ſichtlich zurück geht, wie Herr Naſt nun endlich ſelbſt nicht mehr hat leugnen oder bemänteln können. So lange die Methodiſten aus Einfalt ſündigten, ſo lange