# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S123 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 123 lasse, denen er gewissenhaft anhängt? Gewißlich nicht, denn wenn er so leicht aus seiner Stellung getrieben wird, so ist er nicht werth, daß man sich die Mühe nehme, ihn zu gewinnen.“ — Ei du lieber Saulus, so bist du auch der Mühe nicht werth gewesen, daß man dich gewann, denn wie schnell hast du, ohne dich mit Fleisch und Blut zu besprechen, dich aus deiner Stellung treiben lassen, als du sahst, daß du nicht auf dem Fundament des Wortes Gottes stehest! Es ist doch wunderbar, daß Männer, die sonst plötzliche Bekehrungen so eifrig betreiben, rühmen, ja fast allein anerkennen, es für durchaus unwürdig achten, plötzlich den Irrthum zu verlassen und der Wahrheit sich zuzuwenden. Uebrigens möchten wir doch die Lehren kennen, welche die Missouri⸗Synode festhält, die von gar keinem Gliede der Generalsynode vertreten würde. Doch thun wir diese Frage keinesweges, weil wir uns betrübten, uns von der Generalsynodal⸗Brüderschaft so unbarmherzig ausgeschlossen zu sehen. Jowa⸗Synode. In dem Correspondenzblatt des Pfarrers Stirner in Fürth vom December v. J. lesen wir, daß Professor Sigmund Fritschel von der Jowa⸗Synode in einer zu Neudettelsau gehaltenen Pastoral⸗ und Gesellschaftsconferenz einen Vortrag gehalten und darin unter Anderem folgendermaßen sich ausgelassen hat: „Was die kirchliche Stellung anlangt, so sei die Jowa⸗Synode Trägerin einer bestimmten kirchlichen Richtung, durch die sie sich von Missouri und Buffalo gleich sehr unterscheide. Beide wollten im Grunde nichts anderes, als eine Repristination der lutherischen Kirche des 16. und 17. Jahrhunderts, indem Missouri den Ton auf die Lehre — Buffalo auf das Kirchenregiment lege, während Jowa dagegen den Fortschritt auf dem Grunde des geschichtlich Gewordenen anstrebe. Dies gebe sich auch kund dadurch, daß die Synode den sogenannten Chiliasmus oder den biblischen Realismus“ (gewiß ein „prächtiges“ Wort!) auf dem Gebiete der Weissagung zulasse, im Gegensatz zu Missouri und Buffalo, welche ihn als Ketzerei ansehen und behandeln.“ Das ist also der eigenthümliche Charakter der Jowa⸗Synode, sie will kein Wiedererstehen einer Kirche, wie sie durch Gottes wunderbarste und gnädigste Heimsuchung seit der Apostel Zeit vor 300 Jahren entstand, dastand, glaubte, lehrte, bekannte, lebte, litt, stritt; sondern „Fortschritt“, und zwar einen Fortschritt, der sich namentlich in Aufnahme des Chiliasmus kundgibt. O ihr armen Jowaer! Ihr scheut Zustände, die die überschwängliche Erhörung waren des tausendjährigen Seufzens und Schreiens der verstörten Elenden und Armen in der lieben Christenheit (Ps. 12, 6.) und rühmt euch eines Fortschritts, an dessen Ziel man schon vor dreihundert Jahren in Münster ankam. Bewahre euch der barmherzige Gott vor solchem Ziel und thue euch die Augen auf, so werdet ihr dem HErrn noch danken, wenn ihr den Stand der Kirche im 16. und 17. Jahrhundert, wir sagen nicht, erreicht, sondern euch demselben nur ein wenig zu nähern anfanget. Der „Missionary“ von Pittsburgh enthält in seiner Nummer vom 28. Febr. ein Gespräch zwischen einem Laien und Prediger, in welchem der letztere den ersteren von seinen Zweifeln an der Reinheit der Lehre unserer Symbole heilen will. Darin spricht u. A. der Prediger: „In den Lehren der göttlichen Offenbarung gibt es einige Dinge, die wir nicht begreifen können; aber dies ist kein Grund, warum wir sie verwerfen sollten. In dem Sacrament des Abendmahls des HErrn sowohl, wie in einigen anderen Glaubenssachen, welche uns Gott nicht völlig geoffenbart hat (?), gibt es Geheimnisse, welche wir nicht erklären können. Ich glaube, die actuelle Gegenwart Christi in dem heil. Abendmahl ist eines von jenen Geheimnissen. Ich glaube die Lehre, weil sie mir als in Gottes Wort klar geoffenbart erscheint; und ich kann nichts darin sehen, was unvernünftig oder mit dem vernünftigen Glauben eines wahren Christen unverträglich wäre.“ Der Laie antwortet hierauf: „Können nicht Brod und Wein für bloße der Erinnerung dienende Vorstellungen oder für Symbole des Leibes und Blutes Christi angesehen werden?“ Der Prediger fährt hierauf fort: „Eine solche Auslegung würde nicht nur die Natur der Stiftung selbst ändern, sondern in großem Maße ihre Wirkung zerstören. Ich halte dafür, daß Brod und Wein nicht bloße äußerliche Zeichen des Todes und Opfers Christi sind; sondern, wenn sie im Glauben“ (dieses Wort ist auch im englischen Text durch den Druck ausgezeichnet) „empfangen und in Verbindung mit dem Wort und den Verheißungen Gottes genommen werden, haben sie die Wirkung, Christum und die Wohlthaten seines versöhnenden Opfers den Gläubigen mitzu⸗