# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S108 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 108 Litterarische Intelligenzen. erklärt hatten, daß sie auf dem Grund und Boden der kirchlichen Bekenntnisse ständen und durchaus keine Sonderpartei bilden, auch nicht zur Dresdener Konferenz in Gegensatz treten wollten, so sprach sich die Dresdener Konferenz dahin aus, daß man zwar die ganze Entstehungsgeschichte der Meißner Konferenz auf das allerentschiedenste tadeln müsse; doch weil sich die Konferenz offenbar selbst verbessert habe, so wolle man das Vergangene übersehen; und insofern sie sich auf den Grund der Bekenntnisse gestellt habe, so betrachteten sich nun alle Geistlichen Sachsens als zu dieser Konferenz eingeladen. In Folge dessen war die darauf folgende Konferenz zu Meißen im Herbste überaus zahlreich besucht. Ein großer Theil kam der Neugierde wegen. Die Häupter der Dresdener Konferenz dagegen trauten dem Frieden nicht und blieben weg. Man ist der Zweizüngigkeit leider schon zu gewohnt, daß jemand auf dem Boden der Bekenntnisse zu stehen versichert, der nur die Absicht hat, ihn mit Füßen zu treten. Es stellt sich auch immer mehr heraus, daß die Meißner Konferenz nach höherm Wunsch und Willen die rechte Mitte vorstellen und dadurch ein Schleppschiff abgeben soll, das schaukelnde Fahrzeug der Kirchenregierung durch die entgegengesetzten Strömungen zu bringen. Denn wie es scheint, wollte man diese letzte Konferenz von Seiten des Ministeriums benutzen, von einer großen Anzahl Geistlicher, die nicht im Geruche der strengsten Rechtgläubigkeit ständen, ein günstiges Zeugniß für die neu entworfene, gleichfalls vermittelnde, Kirchenverfassung zu erlangen, um bei den Verhandlungen darüber in den Ständen sagen zu können: Eine ganze Konferenz hat sich für dieselbe günstig ausgesprochen. Deswegen erklärte auch der Vorsitzende, Professor Brückner, daß eine Liste der Anwesenden mit dem Urtheile der Konferenz an das Ministerium abgehen solle, ein Gebrauch ganz neuer Art, welcher die ernstlichsten Bedenken erweckt, übrigens diesmal seine Absicht ganz verfehlt hat, weil die Häupter der gesunden kirchlichen Partei nicht nach Meißen gekommen waren, oder ihre Namen nicht in die Liste gesetzt hatten. Aus diesen Vorgängen in Sachsen lernen wir wiederum die alte Wahrheit, daß Union und Politik Geschwisterkind sind, bei denen die Wissenschaft mit ihren feinen Formeln die diplomatischen Verhandlungen führt. ⁂ Litterarische Intelligenzen. Mit Anfang dieses Jahres erscheint im Verlage von Liesching in Stuttgart eine neue Zeitschrift unter dem Titel Pastoral⸗theologische Blätter in monatlichen Heften von je 3—4 Bogen zum Preise von 1 Thlr. 6 Sgr. für das Halbjahr, herausgegeben von A. Vilmar, Consistr. und Prof. zu Marburg, unter Mitwirkung von Löhe, Müller zu Beerfelden u. a. Sie wird das gesammte Gebiet des praktischen Kirchenlebens, also die Aufgaben und Erfahrungen des luth. Pfarramtes umfassen und dahinschlagende Aufsätze aus den verschiedensten Zweigen der wissenschaftlichen und