# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S107 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Unionsconferenz in Sachsen. 107 gehen, beschloß man, den Feind zu überrumpeln und mit einem Handstreiche das Feld zu nehmen. Die Bildung der Konferenz wurde ganz geheim betrieben, damit sie plötzlich im vollen Harnisch hervortreten könnte. Liebner mochte vielleicht ein dunkles Gefühl davon haben, daß sich dies Parteitreiben für seine Stellung nicht schickte; es wurde daher Professor Brückner zu Leipzig mit der Sache beauftragt. Zum Werkzeuge ersah sich derselbe einen jungen Theologen, den Professor Hofmann, Religionslehrer an der Fürstenschule zu Meißen, welcher auf seine Bewerbung und für seine Bezahlung am Jubelfeste Melanchthons zum Doctor der Theologie mit der ausdrücklichen Bemerkung ernannt wurde, daß sich Melanchthon dieser Würde nie für würdig gehalten habe. Dieser mußte die Einladungen im Lande persönlich ausrichten und reiste zu dem Zwecke mit Extrapost zu allen Geistlichen, welche im Geruche der christlichen Milde und Mäßigung standen, und lud sie heimlich zu der ersten heimlichen Konferenz zu Meißen ein. Die Einladung verstärkte er durch Einhändigung eines als Manuscript gedruckten Heftchens, in welchem die Uebertreibungen, Ausschreitungen und Schattenseiten der kirchlichen Partei in so unverschämter Weise geschildert waren, daß das ganze Machwerk jetzt nur kurzweg das Meißner Pamphlet heißt. Unter andern wurde den Orthodoxen ein unkeusches Christenthum Schuld gegeben, während sich die Meißner Partei eines keuschen Christenthumes rühmte. In diesem Sinne also trieb man Union und Vermittelung: Mäßigung, Milde, Liebe öffentlich; heimlich aber Krieg und Lästerung. Die Kosten seiner Extrapostreise hat Hofmann unter der Form einer Gratification bezahlt erhalten, um sie unter dieser Form einer Rüge von Seiten der Finanzdeputation der Stände zu entziehen. So kam denn die erste heimliche Konferenz zu Stande. Die Sache machte ganz außerordentliches Aufsehen. Die Art der heimlichen Einladung verletzte natürlich besonders die Mitglieder der Dresdener Konferenz. Noch mehr Lärm machte das Pamphlet Hofmanns, das eben so wenig geheim blieb als die Konferenz. Die Muldenthaler Pastoral⸗Konferenz unter Meurer's Anregung griff den hingeworfenen Handschuh auf und erließ an die Meißner Konferenz ein vortreffliches, scharfes Schreiben, worin mit Entrüstung die abgeschmackten Anklagen Hofmanns beleuchtet und abgefertigt und der Meißner Konferenz ihr verdientes Theil gegeben wurde. Als man nun sah, daß man sich arg vergriffen hatte, gab man der Sache eine Wendung, die in der höhern Politik sehr gebräuchlich ist. Man ließ den armen Hofmann fallen, sagte sich von seinem Pamphlete los und erklärte feierlich, keine Mittelpartei gründen zu wollen, und gab auch die Idee auf, ein besonderes kirchliches Blatt zu schaffen und eine besondere unierte Mission zu treiben. Das alles freilich nicht zur Erbauung der rothen und liberalen Blätter, welche gewaltig ins Horn gestoßen und die Meißner Konferenz als eine Art Vorparlament der freisinnigen Kirche der Zukunft gefeiert hatten. Indeß trat im August vorigen Jahres die Dresdener Konferenz zusammen, welche ihr Urtheil in der Sache abgab. Da die Meißner ausdrücklich