# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S106 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 106 Unionsconferenz in Sachsen. Um dieselbe Zeit ward Liebner zur Oberhofpredigerstelle in Dresden berufen, um die Schwäche des Ministeriums stärken zu helfen. Denselben Dienst wollte er nun auch vom erhöhten Standpunkte aus seinem schwachen Pfleglinge, dem ev. Missions⸗Verein in Leipzig, erweisen; so wenig begriff er, was sein amtliches Verhältniß zu der lutherischen Landeskirche mit sich brachte. Erst durch eine besondere amtliche Anregung des alten, nun heimgegangenen Geheimen Kirchenrathes Meißner mußte er veranlaßt werden, aus dem Vorstande des unierten Vereins auszutreten, weil es sich für ihn nicht schicke, eine solche Parteistellung als Oberhofprediger einzunehmen. Der gute Cultusminister von Falkenstein, dem an der öffentlichen Meinung nicht weniger liegt, als an seinem Minister⸗Sessel, mochte wohl erfahren haben, welch ein Sturm losbrechen würde, wenn die Sache der unierten Mission irgendwie mit dem Kirchenregimente in Verbindung gebracht würde. Liebner mußte also von diesem Felde seiner Thätigkeit Abschied nehmen, wo er Saat für die Garben der Union säen konnte; aber auch das neue Feld erwies sich als sehr undankbar. In Dresden hatte er einen eben so hohen Posten als geringen Einfluß, und eigentlich kümmerte man sich um ihn wenig. Seinem Ansehen schadete er selbst von vorn herein, indem er zur Antrittspredigt in Dresden eine in Leipzig gehaltene Predigt nahm und deshalb den für diesen Tag, einen Bußtag, ausdrücklich vorgeschriebenen Text bei Seite legte. Auch später hielt er sich nicht an die vorgeschriebenen Texte. Den Pastor Fröhlich, einen treuen Arbeiter an der Diakonissenanstalt zu Dresden, welche sich der Liberalismus zur Zielscheibe ausersehen hat, tadelte das Cultusministerium scharf, weil er einige Male über die alten Evangelien gepredigt hatte; Liebner aber, der Oberhofprediger, der erste Rath des Ministers, fuhr fort nach Belieben über freie Texte zu predigen, als wenn die Kirchenordnung nur für Leute auf untergeordnetem Standpunkte da wäre. Verfolgte er nun seinen eigenen Weg ohne die Kirche, so fand die Kirche ihren Weg ohne ihn. Das kirchliche Leben und Bewußtsein wuchs in der Stille immer mehr heran, indeß Liebner stehen blieb, wo er stand, und auch nachher nicht vermochte, was ihm vorher zu schwer gewesen war. Diese Lage war sowohl Liebner als dem Cultusminister drückend, es mußten Anschläge gemacht werden, Liebner wieder auf den Leuchter der Landeskirche zu rücken. Unglücklicher Weise zog man aber wieder die falschen Register an, die alle Harmonie störten. In Dresden hatte sich an das jährliche Bibel⸗ und Missionsfest welches im August abgehalten wurde, eine Predigerkonferenz angeschlossen, wo sich die kirchlichen Kräfte sammelten. Um nun den gewünschten Einfluß zu erlangen, wurde der Beschluß gefaßt, neben der Dresdener Konferenz eine Konferenz der rechten Mitte und Wissenschaftlichkeit zu Meißen zu gründen. Wenn man sich mit der rechten Mitte über die Parteien gestellt und die lutherische Kirche im Lande selbst zu einer Partei herabgedrückt hätte, so hoffte man von der neugewonnenen Höhe aus mit den gezogenen Kanonen der Wissenschaft das ganze Feld beherrschen zu können. Um ja recht sicher zu