# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 24_S61 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hat kommen laſſen. aus den entfernteſten Gegenden des hintern Aſiens zuſammen; eine ehrwürdige Verſammlung von Mämern, im Dienſte ihres HErrn bewährt, zum Theil noch die Maalzeichen des HErrn IEſu, Narben und Verſtümmlungen, die ſie in den Ver⸗ folgungen empfangen hatten, an ihrem Leibe tra⸗ gend. Die Ketzerei des Arius wurde beſehen, nach der heiligen Schrift unterſucht, als ketzeriſch befunden und verdammt, und ein Bekenntniß des Glaubens aufgeſetzt und angenommen. Es liegt ihm das apoſtoliſche Symbol zum Grunde, nur daß die Lehre von der Gottheit IEſu Chriſti im Gegenſatz gegen die arianiſche Ketzerei beſtimmter hervorgehoben und ausgeprägt worden iſt, wie das eine Vergleichung der beiden Symbole, ſonderlich im zweiten Artikel, ausweiſet. Im Jahre 381 wurde auf Veranlaſſung des berühmten Kaiſers Theodoſius der Große eine zweite allgemeine Kirchenverſammlung gehalten zu Conſtantinopel, hauptſächlich wegen des Ketzers Macedonius, welcher die Gottheit des Heiligen Geiſtes leugnete und ihn für eine bloße Gabe und Creatur Gottes erklärte. Auf dieſer Kirchenverſammlung wurde das Nicäniſche Symbol wiederholt und mit eini⸗ gen Veränderungen und Zuſätzen einmüthig an— genommen; alſo daß die Form, in welcher wir das Nicäniſche Symbol kennen, diejenige iſt, welche es zu Conſtantinopel 381 empfangen hat. Das dritte iſt das athanaſianiſche Sym⸗ bol und führt ſeine Benennung von dem berühm— ten Biſchof zu Alexandrien, Athanaſius, welcher zu ſeiner Zeit eine Säule der Kirche und ein mu⸗ thiger Vertheidiger der heiligen Dreiein igkeit wider die arianiſche Ketzerei war, weshalb er auch viele Verfolgungen ausgeſtanden hat. Die Gelehrten ſind nicht einig, ob Athanaſius ſelbſt, oder ein an⸗ derer rechtgläubiger Mann Verfaſſer dieſes Sym⸗ bols iſt. Indeſſen thut dieſe Ungewißheit dieſem herrlichen Bekenntniſſe keinen Eintrag, deſſen An⸗ ſehen ſich nicht auf die Perſon des Athanaſius, ſondern auf ſeine Uebereinſtimmung mit der hei⸗ ligen Schrift gründet; überdem iſt unleugbar, daß es, wenn nicht von Athanaſius ſelbſt verfaßt, doch eine Summa des Glaubens des Athanaſius iſt. Es handelt von den zwei höchſten Artikeln des Glaubens, 1.) von dem Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit, 2.) von der Perſon IEſu Chriſti, ſeiner göttlichen und menſchlichen Natur und von den Ständen ſeiner Erniedrigung und Erhöhung. Dr. Luther ſagt von dieſem athan aſianiſchen Sym⸗ bol: es iſt alſo verfaſſet, daß ich nicht weiß, ob ſeit der Apoſtel Zeit in der Kirche des Neuen Te⸗ ſtaments etwas Wichtigeres und Herrlicheres ge— ſchrieben ſei. So oft wir nun dieſe drei Hauptſymbole leſen, ſollten wir billig Gott preiſen, daß er zu allen Zeiten die Erkenntniß Seines Namens in der Kirche wider alles Toben des Satans erhalten und auch auf uns dieſe herrlichen Bekenntniſſe Was wir aber ſchon beim apoſtoliſchen Symbol bemerkt haben, das gilt auch vom athanaſianiſchen, daß es nemlich nicht ein vollſtändiger Inbegriff aller zur Seligkeit nöthigen Artikel des Glaubens iſt und, allein genommen, für unſere Zeit nicht ausreicht, weshalb die lu⸗ 61 theriſche Kirche, auf jene drei Hauptſymbole ſich gründend, ihr Bekenntniß hat erweitern und ge⸗ gen die ſpäter entſtandenen Irrthümer genau hat beſtimmen müſſen; wie das in den nächſtfolgen⸗ den Theilen des Concordienbuches geſchehen iſt. (Jortſetzung folgt.) * —— (Eingeſandt.) M. Hermann Joachim Hahn, ein treuer Knecht Gattes und Märtyrer der lutheriſchen Kirche. Wenn auch das Leben, namentlich aber das Ende dieſes Knechtes IEſu Chriſti ſolchen Leſern dieſes Blattes, welche Sachſen zu ihrem Vater⸗ lande haben, und vielleicht ſogar aus der Stadt ſind, in deren Mauern er vor nunmehr 121 Jah⸗ ren das Wort Gottes verkündigte, nicht völlig unbekannt ſein dürfte, ſo verdient derſelbe doch, als ein treuer Zeuge IEſu, auch andern Chriſten bekannt zu werden, damit ſein Andenken im Se⸗ gen bleibe, und ſeine Gebeine auch unter uns fort und fort grünen. M. Hermann Joachim Hahn wurde am 31. Julius 1679 zu Grabau im Mecklenburgiſchen geboren; ſein Vater, Julius Ernſt Hahn, der als Jubelgreis das jammervolle Ende ſeines Sohnes überlebte, war Paſtor und Hofprediger daſelbſt, und ſeine Mutter eine Tochter des Rathsbaumei⸗ ſters Jäger in Lübek. Nach vorbereitender Unterweiſung im elterlichen Hauſe ſchickte ihn der Vater auf die Schule ſeines Geburtsortes, wo er früh ſchon ziemliche Fähigkeiten blicken ließ. Im zwölften Jahre ſeines Alters begegnete ihm der Unglücksfall, daß er in ein durch die Stadt Grabau fließendes Waſſer fiel, eine Zeitlang darin fortgetrieben, endlich aber durch einen alten Mann noch herausgezogen, und beim Leben erhalten wurde. Wobei beſonders merkwürdig war, daß derſelbe Mann einſt auch Hahns Vater, als er im Alter ſeines Sohnes war, aus demſelben Waſſer gerettet hatte. Wie waltet doch Gottes Vorſehung ſo wunderbar über unſerem Leben! Unſeres Hahns Talente und geſammelte Kenntniſſe machten ihn fähig, ſchon in ſeinem ſiebzehnten Jahre Anno 1696 die Univerſität Leipzig beziehen zu können, wo ihn jedoch ſein Vater, gedrückt von damaliger ſchwerer Zeit, nur ein Jahr lang unterſtützen konnte, ſo daß er in ſeiner übrigen Studierzeit durch Unterricht, Re⸗ petitionen und Predigtabſchreiben ſich zu erhalten genöthigt ſah, dabei aber immer fleißig fortſtudirte. Im Laufe dieſer Zeit, als er einſt von Mecklen⸗ burg nach Leipzig reiste, kam er in große Lebens⸗ gefahr, indem ein Wagenrad über ſeinen Kopf wegging und ihn ſehr beſchädigte. „Hätte Gott es zugelaſſen“, ruft hierbei ein alter Biograph des Seligen aus, — „ſo hätte der Satan dieſen guten Kopf, der hernach ſo viel Gutes ausgedacht und verrichtet, gerne gar zerknirſchet und verder⸗ bet.“ In Leipzig war es auch, wo Gott den lie⸗ ben Mann einmal in ſechs Wochen lang anhal⸗ tende ſchwere Anfechtung führte, in welcher er an der Wahrheit des göttlichen Wortes zweifelte, und nichts glauben konnte, bis er endlich durch die Kraft Chriſti überwand. In dieſer Schule der Anfechtung hatte Hahn gelernt, daß „Glaube nicht der Wahn ſei, den etliche für Glauben hal⸗ ten“, ſondern Gottes Werk. Mit demüthigem Danke erkannte er daher auch in dieſem Kreuze die gute Hand Gottes, die ihn durch dieſe und andere Umſtände von den Sünden der Jugend abhielt, zu denen ihn außerdem ſein munteres Gemüth und heiterer fröhlicher Geiſt gar leicht hätte verführen können. Durch Disputir-Uebungen und Prediger⸗Colloquien hatte er ſich indeſſen ſo vorbereitet, daß er nach vier Jahren Magister und ſpäterhin auch Baccalaureus (einer, der die nächſte Anwartſchaft zur Doctorwürde hat) wurde. Die Gelehrſamkeit, Beredſamkeit und andere ſchöne Gaben des ſeligen Mannes wurden bald bekannt, und Gott fügte es, daß zwei Senatoren von Dresden ihn in Leipzig predigen hörten und ſolches Wohlgefallen an ihm fanden, daß er auf ihre Veranlaſſung im Jahre 1706 nach Dresden gefordert wurde, um eine Probepredigt abzulegen, die er auch unter dem Beiſtande der göttlichen Gnade zu ſolcher Zufriedenheit hielt, daß er vom Rathe die Vocation als Diaconus an die Kreuz⸗ kirche erhielt. Noch in demſelben Jahre wurde er Frühprediger und 1708 Freitagsprediger. Im Jahre 1724 ſtieg Hahn zum Archidiaconus und Nachmittagsprediger. Schon im Jahre 1706 hatte er ſich mit Dorothea Sophia, jüngſter Toch⸗ ter des Dr. Immanuel Horn's, Paſtors an der Thomaskirche zu Leipzig, verheirathet, mit welcher er neunzehn glückliche Jahre verlebte und fünf Söhne“) und fünf Töchter erhielt, von denen aber nur ſechs Kinder ihn überlebten. Ein Beweis ſeiner glücklichen ehelichen Verhältniſſe iſt ein Troſtbrief, den er bei ſeiner tödtlichen Krankheit in der Faſten 1726 an ſeine Lebensgefährtin ſchrieb, aber einem vertrauten Freunde übergab, der ihn nach ſeinem Tode derſelben einhändigen ſollte; das unterblieb jedoch, da ihn Gott ſo weit glücklich rettete. In ſeinem Amte bewies er große Treue, uner⸗ müdlichen Fleiß und Eifer. Inſonderheit nahm er ſich der ihm anvertrauten Jugend an; war ſehr thätig für die Schulen Dresdens und betrieb eif⸗ rigſt die Kirchen-Examina. Doch lag ihm auch das Wachſen der ganzen ihm anvertrauten Heerde gar ſehr am Herzen, weswegen er auch dem eigent⸗ lichen Zwecke des in der lutheriſchen Kirche ver⸗ bliebenen Beichtſtuhls fleißig nachkam, und zu erfahren ſuchte, ob die beichtenden Perſonen Er⸗ kenntniß der nöthigen Heilswahrheiten und von dem Glaubensgrunde hätten, und wenn er nach ſolcher Prüfung noch da und dort Mangel und Unwiſſenheit fand, die auch damals ſehr groß und gemein waren, ſo unterrichtete er ſolche Perſonen, wenn es die Zeit erlaubte, ſofort im Beichtſtuhle, oder er beſtellte ſie in ſein Haus, oder ging auch zu ihnen in ihre Wohnungen und richtete ſo das Amt eines evangeliſchen Lehrers redlich aus. Er theilte das Wort Gottes recht; ſchlug zwar Wun⸗ *) Einer derſelben, J. E. Hahn, iſt Verfaſſer von zwei bekannten Predigten: „die göttlichen Gnaden⸗Wohlthaten“ und „die göttlichen Gnaden⸗Handlungen“. Von dieſem Sohne lebten noch im Jahre 1824 Nachkommen in Dres⸗ den, die das Andenken des ſeligen Urvaters in hohen Ehren hielten.