# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S103 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. Rudelbach's Kinderjahre. 103 Gegenwart zu werden von nicht geringer Bedeutung, zugleich ein Schlüssel manches mit dem gewaltigen Manne Erlebten, aber Unverstandenen. Wir heben einstweilen nur folgende Notizen aus: „Ein Kopenhagener bin ich, dennoch ursprünglich und wesentlich, im innersten Gemüth, dem tiefsten Charakter nach, ein Deutscher. Geboren ward ich nehmlich zu Kopenhagen 29. September am Tage S. Michaelis 1792; mein Ursprung aber war so ziemlich aus der Mitte und dem Herzen Deutschlands. Dort nehmlich war mein Vater, Johann Heinrich Gottlob Rudelbach, zu Nauewalde, im Herzogthum Sachsen, und zwar in dem damaligen Kursächsischen Amte Liebenwerda, 1748 geboren. Der Vater zog frühzeitig nach der Stadt Lausig hin; nach vollbrachter Schulzeit „„lag er in die neun Jahre der Bauernarbeit ob, bis daß er sie vollkömmlich erlernet.““ So berichtet ein Zeugniß. Von Nauewalde aber zog er nach Torgau, wo er das Schneiderhandwerk erlernen wollte. Er erlernte es, und siedelte 1787 oder 1788 nach Kopenhagen über. Hier fand er Arbeit und Brod. Der Vater sprach von sich selbst gar wenig, viel nur von seinem Lande. So zündete auch mein Vater in mir eine unauslöschliche Sehnsucht nach diesem Wunderlande in mir an. Ich ward ein Deutscher, ehe ich Deutschland gesehen hatte. Ich verließ in meinem Herzen die Erdscholle, wo ich geboren war, um den Himmel desto besser zu erwerben. Ich ward „„Kosmopolit,““ doch so, daß das deutsche Land und Volk mir irdisch stets am nächsten lagen. Man schalt mich deshalb später einen Landesverräther, von dem nichts Frommes und Gutes zu erwarten stand — ob mit Recht, wird das Folgende zeigen. Das Deutsche aber und das Dänische vermählten sich bei mir auf gar glückliche Weise, so es anders wahr ist, daß Deutsch und Dänisch mit Recht unter dem Gesammtnamen des Germanischen befaßt werden kann, ja muß. Von mütterlicher Seite stammte ich, wie man zu sagen pflegt, aus dem hohen Norden. Von der Seite war die Familie eine alte Schwedische. Die Mutter war die Tochter eines Küsters im Flecken Herlöv auf Seeland. Sie war, wie der Vater, in der alten Ordnung der stillen Frömmigkeit gegründet. Des Vaters sehnlicher Wunsch war, die Kinder ins Deutsche einzuführen; was ihm jedoch vollkommen nur mit mir gelang. Das Deutsche ward mir so an die Seele, an's Herz gebunden. Der Bücher waren indeß bei uns nur wenige; auch eine vollständige Bibel war nicht im Hause; und doch war durch Gottes Güte genug da, um die ersten gottseligen Eindrücke zu pflanzen für Zeit und für Ewigkeit. Ich meine ein unscheinbares Andachtsbuch (auch der Titel war abgerissen), vom Vater aus Deutschland mitgebracht, Schmolkens Communion⸗ und Gebetbuch. Die „„Morgen⸗ und Abendandachten““ in diesem Buche lernte ich ganz auswendig; sie waren mir alle im höchsten Grade erwecklich; vor allem aber kann ich von der Sonnabend⸗Abendbetrachtung sagen, daß sie mir im Leben dieselben Dienste geleistet, welche die alten Lumpen, womit der Mohr Ebed⸗Melech den Propheten Jeremias aus der tiefen Grube errettete (Jer. 38.), Hamann geleistet hatten. Manches zerstreute sich wohl, ward zertreten auf dem Wege, durch sündliche Unaufmerksamkeit weggeschoben; allein der Same, der Frucht