# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S99 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. 99 erforscht haben wird, während bis jetzt nur die allerkleinsten Erdstriche einigermaßen gründlich untersucht sind. Eben so wenig hat die Naturwissenschaft bereits alle Meere und alle Theile des Festlandes in Bezug auf die gegenwärtige Flora und Fauna erforscht, daß sie alle zur Zeit existirenden Pflanzen und Thiere angeben könnte. In Bezug auf die Verschiedenheit aber, die zwischen der geologischen und der gegenwärtigen Flora und Fauna überhaupt obwaltet, bemerkt selbst Wagner II. S. 336 f.: „„Wie die Phantasie es liebt, die Geschichten altvergangener Zeiten in ihrer Weise auszuschmücken und grotesker darzustellen, so hat sie auch aus den uralten Resten einer untergegangenen Welt Bilder sich zusammengesetzt, die über das Maß der Wirklichkeit hinausgreifen. Es ist eine ganz allgemein gewordene Vorstellung, in den organischen Gebilden der Urwelt überwiegend paradoxe oder doch gigantische Formen zu wähnen, und gleichwohl ist diese Meinung mit dem Thatbestande nicht im Einklange.““ Zudem wird allgemein anerkannt, daß alle fossilen Pflanzen und Thiere sich in die Ordnungen und Klassen der gegenwärtigen Flora und Fauna einreihen, daß selbst hinsichtlich der Gattungen keine wesentliche Verschiedenheit obwaltet und nur die Arten entweder sämmtlich oder in der Mehrzahl verschieden sein sollen. Dieses von Vielen für unumstößlich gehaltene Argument der Artenverschiedenheit dürfte jedoch nicht lange mehr seine Beweiskraft für mehrmalige Thier⸗ und Pflanzenschöpfungen behaupten, nachdem in der neuesten Zeit tüchtige Naturforscher anfangen, die Bildung der Arten als ein Naturgesetz zu lehren. So hat jüngst Charles Darwin, Naturforscher auf der berühmten Weltumsegelungsreise des Beagle, in der Schrift: „On the origin of Species“, Lond. 1859, die Frage, ob für jede einzelne Art der Pflanzen und Thiere ein besonderer Schöpfungsact nöthig gewesen, auf Grund zwanzigjähriger botanischer, zoologischer und geologischer Beobachtungen verneint und die Lehre entwickelt, daß die Fähigkeit der Natur, welche unter unseren Augen bei Pflanzen und Thieren zur Ausbildung von Racen und dauernden Spielarten führe, genau dieselbe sei, welche in einer langen Reihe von Zeitaltern zuletzt den Unterschied der Arten begründe. Und seine Beweisführung macht in England solches Aufsehen, daß Naturforscher wie Lyell und Owen auf dieses Werk verweisen und in den kritischen Berichten der englischen Blätter darüber bisher nur die Eine Stimme herrscht, daß Darwin's Buch wahrscheinlich eine so ungeheuere Umwälzung in den naturgeschichtlichen Wissenschaften zur Folge haben werde, wie Sir Charles Lyell's Auftreten für die Geologie hatte. Ganz merkwürdig ist es auch, daß der Zoologe Wallace von den Philippinen her an die Versammlung der britischen Naturforscher eine Arbeit eingesandt hat, die mit Darwin's Ansichten strict übereinstimmt, obgleich beide Gelehrte ganz unabhängig von einander zu ihren Sätzen gelangt sind. Endlich wird im „„Ausland““ 1860 Nr. 11 S. 255 f. nach Mittheilungen von Chamber's Journal eine Schrift von Dr. J. D. Hooker (the flora of Australia, its origin, affinities and distribution) erwähnt, welche für die Botanik leisten will, was Darwin und Wallace für die Zoologie, nämlich