# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1861_S97 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang VII. April 1861. No. 4. Theologische Axiome. (Fortsetzung.) XII. Vom freien Willen. 1. Voluntas, quatenus talis, libere agit. Der Wille, als solcher, handelt frei. 2. Voluntatem non liberam dicere, est perinde, ac si quis dicere velit calidum absque calore. Sagen, daß der Wille nicht frei sei, ist ebenso, als wenn jemand sagen wollte, daß das Warme ohne Wärme sei. 3. Si respicias libertatem a coactione, homo semper habet liberum arbitrium, etiam post lapsum; si respicias libertatem ab obligatione, homo nunquam habet liberum arbitrium, nec ante lapsum, imo nec ipsi angeli. Wenn man die Freiheit von Zwang im Auge hat, so hat der Mensch immer einen freien Willen, auch nach dem Falle; wenn man die Freiheit von Verbindlichkeit im Auge hat, so hat der Mensch nie einen freien Willen, auch nicht vor dem Falle, ja auch die Engel nicht. 4. Homo non intellectu, sed intellectus luce, non voluntate, sed voluntatis sanitate post lapsum privatus est. Der Mensch ist nicht des Verstandes, sondern des Lichtes im Verstande, nicht des Willens, sondern der Gesundheit des Willens nach dem Falle beraubt. 5. Vera libertas est, justitiae servire. Wahre Freiheit ist, ein Knecht der Gerechtigkeit sein. 6. Voluntas post lapsum libere, non coacte agit. Der Wille handelt nach dem Falle frei, nicht gezwungen. 7. „Erga Deum vel in rebus, quae pertinent ad salutem et damnationem, homo non habet liberum arbitrium, sed captivus, subjectus et servus est vel voluntatis Dei vel voluntatis Satanae.“ Gegen Gott oder in Dingen, welche die Seligkeit und Verdammniß betreffen, hat der Mensch keinen freien Willen, sondern er ist ein Gefangener, ein Unterthan und Knecht entweder des Willens Gottes, oder des Willens des Teufels.