# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S96 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 96 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. II. Ausland. Diakonissen. In dem von E. Lotze, Conrector am Diakonissenhause zu Neudettelsau, redigirten Correspondenzblatt der Diakonissen von Neudettelsau findet sich in der September⸗ und October⸗Nummer v. J. das Protocoll einer am 12. October stattgehabten Versammlung des Vereins für weibliche Diakonie. Darin heißt es: „Zum Schluß wurden folgende drei Punkte besprochen: 1. Nothwendigkeit des Gehorsams der Diakonissen; 2. Verhältniß der Diakonissen zum ehelichen und ehelosen Stand und Unabhängigkeit von der Familie; 3. Armuth der Diakonissen und Verzichten auf eigenen Besitz.“ Also besprach man die drei eigentlichen Klostergelübde, Gehorsam, s. g. Keuschheit und Armuth. Es erweckt nicht eben sonderliches Vertrauen, daß gerade über diese Gegenstände von den Verhandlungen nichts mit veröffentlicht worden ist, während das Resultat aller anderen Verhandlungen mitgetheilt wird. Weimar, 7. November. Es bereitet sich in unserer Nähe ein seltsamer „massenhafter“ Uebertritt zur katholischen Kirche vor: Eine kleine Gemeinde Schoppendorf, 2 Stunden von Weimar, hat mit großer Majorität — nur 4 von 28 Ortsbürgern hatten sich ausgeschlossen — den Entschluß dazu gefaßt und steht in Folge dessen mit dem bischöflichen Stuhl in Fulda in Unterhandlung. Die Gemeinde nämlich bietet dem großherzogl. Ministerium, das aus ganz wohlerwogenen Gründen die Gemeinde Schoppendorf in das ohngefähr 20 Minuten entfernt liegende Dorf Bergen eingeschult, Trotz. Die Gemeinde besteht darauf, ihren eigenen Schulmeister zu haben, auf der andern Seite aber ist sie nicht im Stande, den Gehalt des Schullehrers (160 Thaler) aus eigenen Mitteln aufzubringen; das Ministerium ist jedoch nicht befugt, aus der allgemeinen Schulkasse unter diesen Verhältnissen die Besoldung des Schulmeisters zu gewähren. Das ist der Grund, weßhalb eine evangelisch⸗lutherische (?) Gemeinde zur katholischen Kirche übertreten will. (N. Pr. Z.) In London, wo am Sonntage keine Schauspiele aufgeführt werden dürfen, miethet man jetzt die Theater für die Sonntag⸗Abende zu Predigten. Der Romandichter Dickens berichtet von dem Besuch eines solchen Abendgottesdienstes. Er fand gegen 4000 Zuhörer gegenwärtig. Bayern. Der Süddeutschen Warte, dem Organ der Jerusalemsfreunde, wird dorther gemeldet: „Der Einsender hat nach längerer Prüfung gefunden, daß die weitüberwiegende Mehrzahl der bayerischen Geistlichen von der Weissagung (d. i. von dem Chiliasmus) gar nichts wissen will, während die kaum bemerkbare Minderheit, welche sich einigermaßen mit derselben beschäftigt, die Meinung des Herrn Pfarrverwesers Clöter theilt, die schon früher in der Südd. Warte widerlegt wurde, als ob man nichts thun könne, das dem Ernst dieser Zeit entspreche.“ Gottlob, das ist doch einmal etwas guter Nachricht aus Bayern. Religiöse Zustände in Wien. Der „Wahrheitsfreund“ theilt aus dem Freiburger Kirchenblatt Folgendes mit: „Es wird aus Wien ein Beispiel erzählt, was sich freilich auch nur in Wien ereignen konnte. Vor nicht gar langer Zeit kam Jemand zu einem Seelsorger und sagte, er sei Jsraelit und wünsche Christ zu werden. Der Seelsorger antwortete, er müsse sich unterrichten lassen. Der Jsraelite entgegnete, er kenne den Katechismus schon. Der Seelsorger prüfte ihn, und erstaunt über seine Kenntniß, fragt er ihn, wie er dies alles gelernt habe? Der Jsraelite antwortete, er komme seit vielen Jahren in verschiedene Häuser, wo man ihn angenommen habe, um den Kindern den Katechismus zu lehren. Er hatte den Katechismus erlernt, wie man Musik erlernt, um zu lehren, und katholische Eltern hatten ihn, ohne sich um sein Glaubensbekenntniß zu kümmern, genommen, wahrscheinlich, weil seine Stunden wohlfeiler waren, als die Anderer.“ Türkei. Die „Preuß. Ztg.“ veröffentlicht ein Schreiben des königl. preuß. Consuls in Beyrut, der ein erschütterndes Gemälde des Nothstandes gibt, welcher in Folge der bekannten Greuel unter den Syrischen Christen herrscht. Die Gesammtzahl der aus ihren Wohnsitzen vertriebenen und ihrer ganzen Habe beraubten Christen glaubt der Berichterstatter mit 120,000 angeben zu können; davon gehören etwa 75,000 dem Libanon, 20,000 Damascus, die übrigen dem Antilibanon, der Bekaah und dem Districte von Baalbeck an. Alle drängen sich jetzt nach der Küste; in Damascus und dem Innern des Landes wagen sie nicht mehr zu bleiben. Die Zahl der Ermordeten beläuft sich auf etwa 14,000, wovon etwa 6000 in Damascus allein fielen. Außer diesen Unglücklichen wird die Zahl derjenigen, die nach den Metzeleien in Folge ausgestandener Todesangst und Entbehrungen aller Art gestorben sind, auf 5000 angegeben. Von Säuglingen sind nicht weniger als 95 pCt. in solcher Weise umgekommen, und noch jetzt ist die Sterblichkeit unter den geflüchteten Weibern und Kindern sehr groß. Entführt sind mehr als 500 junge Mädchen und Frauen, und in der Umgebung von Damascus die christliche Bevölkerung gewaltsam zur Annahme des Jslams gezwungen worden.