# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S95 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 95 erklärt sogar: „Jedoch sollen wir für die Wahrheit in Liebe zu derselben kämpfen und in dem Geist Christi und in einer ehrerbietigen und würdigen Sprache. Obgleich es Veranlassungen gibt, wo Scherz, Witz, Ironie, Satire und Sarkasmen nicht nur gerechtfertigt sind, sondern auch die wirksamsten und keineswegs dem ernsten Christen unanständige Waffen.“ — Wenn wir dergleichen Grundsätze aussprachen und übten, da rief man und ruft man noch jetzt: O des Fanatikers! o des Pabstes! Die Presbyterianer alter Schule im Süden sind nicht geneigt, in eine Abtrennung der südlichen Synoden von den nördlichen zu willigen, so sehr auch die jetzt vor sich gehende Trennung der Staaten dazu zu drängen scheint. Die Synode von Süd Carolina hat bei ihrer letzten Sitzung erklärt, daß sie keine Trennung der Kirche will. Der „Nord Carolina Presbyterian“ billigt diesen Beschluß gänzlich und die beiden ältesten presb. Zeitungen im Norden, „The Banner“ in Pittsburg und „The Presbyterian“ in Philadelphia sprechen dieselbe Gesinnung aus. (D. C. B.) „Der missourische Geist und die Lehre der lutherischen Kirche.“ Unter diesem Titel hat Pastor Grabau ein Pamphlet herausgegeben, in welchem er den angeblichen „missourischen Geist“ und die angebliche „Lehre der Kirche“ einander gegenüberstellt. Es soll dies eine Nachahmung sein der „tabellarischen Uebersicht einiger offenbaren Irrthümer Pastor Grabau's“, die wir im 9. Jahrgang des „Lutheraner“ gegeben haben. Wir haben aber in dieser Uebersicht drei Colonnen gemacht; in der ersten haben wir die Lehren Pastor Grabau's mit seinen eigenen Worten, in der zweiten die Lehre der römischen Kirche ebenfalls mit den eigenen Worten der Römlinge und in der dritten die Lehre der lutherischen Kirche gleichfalls mit den eigenen Worten unserer Symbole oder anerkannter lutherischer Lehrer einander gegenüber gestellt und immer genau angegeben, wo das Angeführte zu finden ist. Wir haben dabei unwidersprechlich durch den Augenschein nachgewiesen, daß alle Pastor Grabau eigenthümlichen Lehren den römischen ähnlich sind, wie ein Ei dem anderen, und daß dieselben bereits von der lutherischen Kirche längst ausdrücklich verworfen, bekämpft und verdammt worden sind. Pastor Grabau hat diese unsere Uebersicht nie zu widerlegen versucht und er kann sie nicht widerlegen. Er hoffte, mit der Zeit sollte über die Sache Gras wachsen, der geführte Beweis in Vergessenheit gerathen, derselbe so seine Wirkung nach und nach wieder verlieren und der gemachte Eindruck verwischt werden. Nun hat aber Herr Pastor Hugo Hanser die Uebersicht wieder drucken lassen. Da wurde Herr Pastor Grabau unruhig. Was sollte er thun? Die Uebersicht war unwiderleglich. Halt, dachte er, ich will mir damit helfen, daß ich etwas drucken lasse, was auch eine solche Gestalt hat, wie die fatale Uebersicht. Gedacht, gethan. Aber die Geschichte mußte natürlich unglücklich ausfallen. Die von uns ausgesprochene Lehre durfte er natürlich nicht so wiedergeben, wie wir sie wirklich ausgesprochen hatten, denn dann hätte jedermann gesehen, daß sie die rein lutherische sei; namentlich, wenn er in der zweiten Colonne die Lehre der lutherischen Kirche über die bestimmten Puncte in wörtlichen Citaten mitgegeben hätte; eine Widerlegung aus den Symbolen und anerkannten lutherischen Theologen zu finden, wäre noch weniger möglich gewesen. So half er sich denn damit, daß er seine erste Colonne titulirte: „Missourischer Geist,“ und darunter subsumirte, was er selbst dafür gehalten haben will; und daß er seine zweite Colonne überschrieb: „Lehre der Kirche,“ klüglich nicht: Der lutherischen Kirche, und darunter seine buffalo'sche Theologie figuriren ließ. So war es natürlich leicht, uns irgend etwas Beliebiges lehren und die „Kirche“ uns irgend Etwas entgegen setzen zu lassen. Schade nur, daß damit nichts bewiesen ist, als Herrn Pastor Grabau's verzweifelte Lage, in welcher er zu diesem Mittel greifen mußte, wollte er sich wenigstens den Schein geben, sich revanchirt zu haben. Ergötzlich ist hierbei Folgendes. Herr Pastor Grabau hat sein Pamphlet Vielen in Deutschland zugeschickt, auch die es nicht begehrt haben, und sich damit den Tractatenkrämern, gleichgestellt, denen er sonst nicht hold ist; denn er weiß recht gut, daß man die Wahrheit, wenn man sie wie saures Bier ausbietet, nicht empfiehlt, sondern nur verdächtig macht. Unter anderen hat er auch einem uns befreundeten Theologen sein Pamphlet zugeschickt, wahrscheinlich um ihn von seinen „missourischen“ Idee'n zu bekehren. Dieser aber schreibt uns: wahrscheinlich hätten wir ihm das Pamphlet zugeschickt, denn allerdings könne man durch nichts die unlutherische Lehre und den unlutherischen Geist der Buffalo⸗Synode besser kennen lernen, als durch dieses klägliche Pamphlet! Herr Pastor Grabau sollte daher künftig vorsichtiger verfahren bei Zusendung seiner Geisteserzeugnisse und sie nur Geistesverwandten zuschicken, bei denen dieselben, weil sie ihre eigenen Ansichten darin finden, ihren beabsichtigten Zweck ohne Zweifel erreichen. Verständigen Lutheranern aber seine Producte blos stellen, ist sehr unvorsichtig. Die sollten davon nur von Hörensagen wissen, als von echt lutherischen Kundgebungen. So dürfte die Buffalo⸗Synode noch am besten einen lutherischen Ruf sich erhalten.