# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 24_S60 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Seligkeit“, die da, nach Art der heidniſchen Ora⸗ kel, mehrdeutig, ſchwankend und unbeſtimmt wäre und den Leſer und Hörer allezeit in der Schwebe ließe, wie, und ſei es auch nur in einer einzigen Lehre, ſie zu verſtehen ſei?“) Das Geſchrei der falſchen Lutheraner alſo: „Die Bibel, die Bibel! wir bekennen uns allein zur Bibel“, — dies Poſaunen, das ſie da am meiſten erheben, wo etwa von dem (auch nur der heiligen Schriſt untergeordneten) Anſehen und der verpflichtenden Gültigkeit die Rede iſt, die billig die kirchlichen Symbole haben — was iſt es an⸗ ders, als entweder ein leerer Schall oder gar eine halb wiſſeniliche Heuchelei? Denn gewiß iſt: wer da meint, daß die heilige Schrift auch nur in einem Stücke der Heils⸗ wahrheit nicht feſt, klar und beſtimmt ſei, daß hier die Worte nicht zu faſſen ſeien, wie ſie lauten, indeß ſie in allen andern Artikeln nach dem ein⸗ fachen graden Wortſinne zu faſſen ſeien: — der kann keine wahre ungeheuchelte Ehrfurcht vor der ganzen heiligen Schrift, als dem geoffenbarten Worte Gottes, haben. Wir bitten daher einen jeden bis jetzt noch un⸗ kundigen, aber aufrichtigen und Wahrheit ſuchen⸗ den Lutheraner, der zu der ſogenannten lutheriſchen Generalſynode gehört, der deutſchen Sprache noch mächtig iſt und dieſe kurze Erwiderung etwa lieſet — wir bitten einen ſolchen herzlich und ernſtlich um Chriſti und ſeiner eignen Seele willen, daß er ſich doch mit allem Fleiß und mit herzlichem Gebet um den Geiſt der Wahrheit, der in alle Wahrheit leitet, in unſre kirchlichen Symbole hin⸗ einwende und ihr Lehren und Wehren mit Gottes Wort vergleiche und darnach dasſelbe mit den Be⸗ hauptungen ſeiner Synode und mit den Schriften der Herren D. D. Schmucker und Kurtz thue, zu⸗ mal auch in Bezug auf die Lehre von den heiligen Sacramenten. So wird er ja wohl inne werden, auf welcher Seite die Wahrheit ſei, die ja in ſich ſelbſt allezeit nur eine und niemals zweier⸗ und mehrerlei iſt; den Aufrichtigen läßt es der HErr gelingen, — dieſe liebliche und tröſtliche Ver⸗ heißung hat auch hier ihren Ort. Den muthwilligen und leichtfertigen Wortfüh⸗ rern und Irrlehrern aber, die theils mit der Wahrheit der heiligen Schrift ſpielen und nach Belieben dies und das für Nebenſachen erklären, theils entſchieden von der reinen Lehre der luthe⸗ riſchen Kirche abgefallen ſind, in dieſem Abfall beharren, und ſo viel tauſend Seelen in denſelben *) Wohl führet die heilige Schrift hie und da bildliche und figürliche Rede, wie z. B. mehrfach in den Weiſſagun⸗ gen der Propheten und in der Offenbarung St. Johannis; aber niemals und nirgend thut ſie es, wo ſie Lehren be⸗ gründet, die zum Heile in Chriſto und zur Seelen⸗Seligkeit gehören, und die z. B. unſer kleiner lutheriſcher Katechis⸗ mus, gleichſam als Laienbibel, zuſammenfaßt; da ſind es überall klare, helle, für Alt und Jung wohlverſtändliche Worte, deren ſie ſich bedient und die nimmer anders zu nehmen ſind, als ſie lauten. Zu ſolchen Worten aber ge⸗ hören auch die Einſetzungs⸗ und Stiftungsworte der hei⸗ ligen Sacramente, die ſicherlich irgendwo, falls ſie bildlicher Weiſe geredet wären, des Bildes entkleidet und eigentlich ausgedrückt wären. Da dies aber nirgends der Fall iſt, ſo ſind ſie auch um deßwillen eigentlich zu verſtehen, wie ſie lauten. 60 hineingezogen haben — dieſen Verderbern und Verſtörern der Kirche erklären wir alles Ernſtes, daß, wenn ſie in dieſem Treubruch gegen Gottes Wort und die Lehre der Kirche beharren, und ihre falſche Lehre nicht öffentlich widerrufen, auch die Worte des HErrn Chriſti, darin er das heilige Abendmahl eingeſetzt hat, ſie richten werden am jüngſten Tage. (Joh. 12, 48.) 2— (Eingeſandt von Th. Brohm.) Das Concordieubuch. 4. Die drei Hauptſymbole. Wir gehen nun zu den einzelnen Theilen des Concordienbuchs über und wollen theils einige kurze geſchichtliche Bemerkungen über ihren Ur⸗ ſprung und die beſonderen Umſtände, unter welchen ſie verfaßt worden ſind, theils einige andere zum Verſtändniß derſelben dienliche Erläuterungen machen. Voran ſtehen im Concordienbuche die drei Hauptſymbole, oder Bekenntniß des Glaubens Chriſti, in der Kirche einträchtiglich gebrauchet. Sie werden auch genannt die drei ökumeniſchen Symbole, wegen ihres allgemeinen Anſehens, das ſie in der ganzen rechtgläubigen Kirche von Alters her erreicht haben. Dieſe drei Hauptſymbole hat auch die lutheriſche Kirche in den Kreis ihrer Glaubensbekenntniſſe aufgenommen, um den Un⸗ grund der Beſchuldigung, als habe ſie einen neuen Glauben auf die Bahn gebracht, nachzuweiſen, vielmehr ihren Zuſammenhang mit der uralten apoſtoliſchen Kirche zu beurkunden. Das erſte iſt das apoſtoliſche Symbo- lum. Auf die Frage, warum es das apoſtoliſche heiße, geben nicht Alle gleiche Antwort. Die Pa⸗ piſten geben als Grund an, weil es von den zwölf Apoſteln ſelbſt verfaßt worden ſei. Ehe ſie nem⸗ lich in alle Welt ausgegangen, hätten ſie noch dieſes Bekenntniß aufgeſetzt und hätte ein jeder Apoſtel ein Stück dazu beigetragen. Paulus hätte den Anfang gemacht mit den Worten: ich glaube an Gott den Vater; Johannes hätte dazu geſetzt: allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Ihm ſei Jacobus gefolgt mit den Worten: und an JEſum Chriſtum, ſeinen eingebornen Sohn, unſern HErrn; Andreas: der empfangen iſt von dem Heiligen Geiſte ꝛc. ꝛc. So ſchön nun dieſe Tradition iſt, ſo daß man faſt wünſchen möchte, daß ſie wahr ſei, ſo findet dieſe Annahme doch we⸗ der in der heiligen Schrift, noch in der Kirchen⸗ geſchichte einen Grund. Hätten die Apoſtel dieſes Symbol wirklich verfaßt, ſo würde ohne Zweifel St. Lucas in der Apoſtelge⸗ ſchichte, wie auch die ſpätere Kirchengeſchichte von dieſem überaus wichtigen Ereigniß Mel⸗ dung thun. Wir Lutheraner nennen es dar⸗ um apoſtoliſch, weil es apoſtoliſchen Inhalts iſt d. i. aus den Schriften der Apo⸗ ſtel entnommen und aufs genaueſte mit ihnen übereinſtimmend. Von wem und wann es verfaßt worden iſt, laſſen wir dahin geſtellt, wie ſich denn auch nichts Gewiſſes darüber beſtimmen läßt. So viel iſt außer Zweifel, daß es bis auf die Apoſtel oder die ihnen zu⸗ nächſt folgenden Zeiten hinauf reicht. Wir halten es ferner nicht für inſpirirt d. i. vom Heiligen Geiſte eingegeben, auch nicht für ein neben dem geſchriebenen Worte Gottes fortgepflanztes münd⸗ liches Wort Gottes; auch theilen wir nicht die irrige Anſicht derer, die es für eine außerhalb und neben der heiligen Schrift gegebene Aus⸗ legungsform oder ſogenannte Glaubensregel an⸗ ſehen. So unſchädlich dieſe Meinung ſcheinen mag, ſo iſt ſie doch die Baſis, auf welcher all⸗ mählich die römiſche Lehre von der Tradition auf⸗ gebaut worden iſt. Endlich können wir auch die Behauptung nicht gelten laſſen, als ſei das apo⸗ ſtoliſche Symbol ein vollſtändiger Inbegriff aller zur Seligkeit zu wiſſen nöthigen Artikel des Glaubens und ſei die Annahme desſelben zur Einigkeit der Kirche hinreichend, wie das die Syn— kretiſten, d. i. Religionsmenger des ſiebzehnten Jahrhunderts, und die Unionsfreunde unſerer Tage behauptet haben. Denn abgeſehen davon, daß keineswegs alle diejenigen, die ſich zu dieſem Symbol bekennen, über das richtige Verſtändniß desſelben einig ſind, vergl. „Lutheraner“ Jahrg. 2, No. 23. 24. — ſo lehrt ja der Augenſchein, daß in der heiligen Schrift noch viele hohe Artikel des Glaubens offenbart ſind, welche im apoſto⸗ liſchen Symbol nicht ſtehen und doch, bei Ver⸗ luſt der Seligkeit, weder geleugnet noch verfälſcht werden dürfen. Gleichwohl halten wir das apo⸗ ſtoliſche Symbol, wegen ſeines ehrwürdigen Alters, beſonders aber wegen ſeines apoſtoliſchen Inhalts in hohen Ehren und ſcheiden uns durch gläubige Annahme desſelben von allen Heiden, Juden, Türken und Ketzern, welche den Glauben an den dreieinigen Gott, den Vater, Sohn und Heiligen Geiſt, verleugnen. Das Nicäniſche Symbolum hat ſeinen Namen und Urſprung von der Kirchenverſamm⸗ lung zu Nicäa, einer Stadt in Kleinaſien. Dort war es, wo im Jahr 325 der erſte chriſtliche Kai⸗ ſer, Conſtantin der Große, aus löblichem Eifer eine allgemeine Kirchenverſammlung veranſtaltete, um das große Kirchenübel, welches durch die aria⸗ niſche Ketzerei entſtanden war, zu heilen. Arius nemlich, ein Presbyter oder Prieſter zu Alexan⸗ drien, ſtellte die gottloſe Behauptung auf, oder wärmte vielmehr die ſchon früher vom Ketzer Ce⸗ rinth behauptete Irrlehre wieder auf, Chriſtus ſei nicht wahrhaftiger weſentlicher Gott, wie der Va⸗ ter; er ſei zwar höher, als alle Creaturen, dennoch ſei auch er eine Creatur des Vaters; es habe eine Zeit gegeben, wo wohl der Vater, aber nicht der Sohn geweſen ſei. Obwohl ermahnt, von dieſer gottloſen Irrlehre abzuſtehen, beharrte er nicht nur darin, ſondern breitete ſie ſogar aufs eifrigſte aus, alſo, daß bald die ganze Chriſtenheit damit erfüllt war, und große Zerrüttung entſtand. Da alle bisherigen Verſuche einer Heilung vergeblich geweſen, ſo wählte Conſtantin der Große den noch einzigen übrigen Weg, eine allgemeine Kirchen⸗ verſammlung auszuſchreiben. So kamen denn im Jahre 325 in der Stadt Nicäa 318 Biſchöfe aus allen Theilen des großen römiſchen Reiches, ſelbſt