# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 11 24_S59 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) deln und als ſolche zur Ehre Gottes und unſern Gemeinden zum Nutz „Gutes thun“, nach dem Vermögen, das Gott darreicht. Mit dem neben⸗ und außerkirchlichen Wirken aber, mit jenem neu⸗ modiſchen Privatvereinsweſen, mit jener müßigen Vielgeſchäftigkeit neben und außer unſerm Amte, womit ſo manche Prediger dies⸗ und jenſeits des Meeres ſich ſo viel zu ſchaffen machen und vor⸗ nehmlich darin ihr „Gutes thun“ ſuchen — damit wollen wir nichts zu ſchaffen haben). Möge nämlich ſolcherlei Wirken ſelbſt von chriſtgläubiger Geſinnung ausgehen und dieſen und jenen ge⸗ ſunden Zweck haben, ſo ſind wir doch der Anſicht, daß die Art und Weiſe dieſes Wirkens keine ge⸗ ſunde ſei; denn mögen es nun einzelne Prediger oder Privatleute oder beide zuſammen ſein, die wirklich aus chriſtlicher Liebe in beſondern Ver⸗ einen z. B. das Miſſionswerk treiben, der Ar⸗ men und Kranken ſich annehmen u. ſ. f., ſo iſt dieſe Weiſe „Gutes zu thun“ nicht nach dem Vor⸗ bilde der heiligen Schrift. Hier nämlich leſen wir, Ap. Geſch. 6, 5., daß in Jeruſalem die Ge⸗ meinde, als ſolche, die Armenpfleger erwählte und beſtellie, wie ſie ſpäter (Ap. Geſch. 15, 22—25. bei der Abfaſſung und Abſendung des apoſtoliſchen Schreibens zur Beruhigung der durch jüdiſche Irrlehrer irre gemachten Heidenchriſten auch mitthätig war. Desgleichen waren es die Gemeinden, als ſolche, in Macedonien, Achaja und Galatien, welche eine gemeinſame Hand⸗ reichung den armen Brüdern in Judäa durch Paulum überſandten. (Röm. 15, 26. 1 Cor. 16, 1—3.) Nicht minder nahmen ferner auch die Gemeinden, als ſolche, den regſten Antheil an der Ausbreitung der Kirche unter den Heiden (Ap. Geſch. 14, 27. 15, 4.). Demgemüß geht denn auch unſer Beſtreben dahin, unter dem gnä⸗ digen Beiſtande Gottes, des Heiligen Geiſtes, unſere Gemeinden als ſolche für die Ausrich⸗ tung aller kirchlichen Zwecke nach Innen und Außen und für die Geſammtwerke des Glaubens und der Liebe immer mehr zu gewinnen und zu beleben, nicht aber außerhalb des kirchlichen Ge— meinde⸗Verbands die Werke der Kirche durch und in allerlei buntzuſammengeflickten Privatvereinen zu treiben. Denn dieſes neben⸗ und außerkirch⸗ liche Vereinsweſen iſt ein Zeichen, entweder, daß das Gemeindeleben in der Kirche im Verfall iſt, oder daß, vielleicht nach einer längern Erſtarrung, das wiedererwachende chriſtliche Leben noch nicht die geſunde kirchliche Form gefunden hat. — Wenn ferner jener Aufſatz meint, wir ſollten das bei Seite legen, was ſie (die ſogenannte Ge⸗ neralſynode) als „irrige Anſichten über das prak⸗ tiſch⸗kluge Verfahren der Kirche (elnurch policy) ) Es iſt leider hier zu Lande eine eben ſo bekannte, als lägliche Thatſache, daß dieſer und jener Rev'd, der ſogar zu kirchlichen Körperſchaften gehört, falls er nicht grade, gegen allts kirchliche und amtlicht Ehrgefühl, auf ein oder zwei Jahre von dieſer und jener Gemeinde als ihr geiſt⸗ icher speech-maker gedungen iſt, neben und außer ſeinem Amte herumſchweift und bald für die Temperenz-Sache in der hergebrachten unevangeliſchen Weiſe, bald für die völlige Aufhebung des Sclavenhaltens, bald für die angel⸗ ſächſiſche Schreibart, bald für Phreuologie u. ſ. w. heute hier und morgen dort den spoech-maker macht. 59 betrachten“, ſo iſt darauf zu erwidern, daß wir allezeit bereit ſind, uns eines Beſſern belehren zu laſſen in Sachen, die nicht, gleich der Lehre, in Gottes Wort klar und beſtimmt vorgeſchrieben, ſondern der Freiheit und dem Gutbefinden der Kirche anheimgegeben ſind; nur müßten wir bit⸗ ten, daß wir mit triftigen Gründen überzeugt würden; denn durch bloße gegentheilige Behaup⸗ tungen und Anſichten ohne Begründung und ohne klaren Nachweis unſeres praktiſchen Irr— thums würden wir ſchwerlich von dem weichen, was wir bereits z. B. aus der heiligen Schrift und der Praris der apoſtoliſchen Kirche begründet haben; und wir müßten es uns dann freilich ge⸗ fallen laſſen, wenn z. B. jene alte und bewährte Maßregel der kirchlichen Ueberwachung, die des⸗ halb eben den Neu-Maßregel⸗Leuten als neu er⸗ ſcheint, von dieſen verworfen würde, weil ſie etwa nicht fashionable und popular iſt. Was nun endlich den Schluß jenes Artikels betrifft, ſo iſt es gewiß Niemand mehr leid als uns, daß wir nicht „von Herzen (und mit gutem Gewiſſen) mit Allen, die den Namen Lutheraner führen, hier in Amerika in brüderliche Gemein⸗ ſchaft, oder auch nur in kirchlichen Verkehr treten können“. Denn das Wort Gottes, das allein unſer Herz und Gewiſſen in all unſerm thätlichen Verhalten, auch als kirchliche Körperſchaft, beſtim⸗ men ſoll, verbietet uns ganz entſchieden, mit Sol⸗ chen kirchliche Brüderſchaft oder auch nur kirch⸗ lichen Verkehr zu pflegen, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die wir gelernt haben (Röm. 16, 17.) und die dieſer Lehre beharrlich widerſtreben, ſei es nun in einem oder mehrern Stücken. „Solche meidet“, heißt es. Zu dieſen aber gehören nicht nur die Papiſten und Schwärmer, ſondern auch die falſchen Brü⸗ der d. i. die ſogenannte lutheriſche Generalſynode, die ja erſt kürzlich in ihrem nach Deutſchland ab⸗ gefertigten Sendſchreiben ganz offen ihren Abfall von der reinen Sacramentslehre der lutheriſchen Kirche erklärt und ſich auf den Standpunkt der ſogenannten evangeliſchen oder unirten Kirche ge⸗ ſtellt hat, ohne doch irgendwo und wie einen gründlichen Nachweis geführt zu haben, daß die lutheriſche Kirche hierin irre. Obwohl nun, nach der Liebe, zu hoffen iſt, daß in dieſer ſogenannten lutheriſchen General⸗ ſynode nicht Wenige ſind, die bis daher aus Un⸗ wiſſenheit irren, aufrichtigen Herzens ſind und der Wahrheit begehren: ſo kann ſich das gerechte Urtheil über den kirchlichen Standpunkt dieſer Kör⸗ perſchaft nur an das halten, was als öffentliches Zeugniß von ihr ausgeht; und da machen ſich frei⸗ lich auch die Beſſergeſinnten, aber Unkundigen, fremder Sünden theilhaftig, wenn ſie ohne Weiteres in jenem ſchnöden Abfall den Stimmführern, die das Anſehen haben, wie z. B. den Herrn D. D. Schmucker und Kurtz, beipflichten; denn dieſe irren ſchwerlich allein aus Unwiſſenheit; und da ſie ſich zu Lehrern aufgeworfen haben, ſo ſollten ſie doch mindeſtens, ſtatt bloße gegentheilige Be⸗ hauptungen aufzuſtellen oder ſchon längſt von Lu⸗ ther und andern Reformatoren widerlegte Ein⸗ würfe des reformirten Widerparts vorzubringen, einen ehrlichen und gründlichen Kampf wider die lutheriſch⸗kirchliche Lehre von den heiligen Sacra⸗ menten verſuchen. So lange nun die ſogenannte lutheriſche Generalſynode ihre bisherige abfällige Stellung beibehält, ſo lange kann auch keine wahrhaft lutheriſche, d. i. kirchlich geſinnte Sy⸗ node kirchliche Gemeinſchaft mit ihr anknüpfen oder unterhalten; denn thäte ſie dies, ſo würde ſie ſündigen: 1) wider Gottes Wort, das da klärlich be⸗ fiehlt: a) ketzeriſchen) Menſchen zu meiden, nachdem ſie einmal und abermal ermahnt ſind (Tit. 3, 10.), und, wie oben bereits erwähnt, von ſolchen zu weichen, die da Zertrennung und Aergerniß an⸗ richten, neben der Lehre, die wir gelernt haben. (Röm. 16, 17.) b) ob dem Glauben zu kämpfen, der einmal den Heiligen vorgegeben (d. i. überliefert) iſt (Jud. 3.), alſo ſchwerlich mit ſolchen Brüder⸗ ſchaft zu pflegen, die auch nur in einem Artikel des Glaubens wider denſelben ſtreiten und auf ihrem Irrthum hartnäckig beharren; denn ein we⸗ nig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig. (Gal. 5, 9.) 2) wider ihre Kirche, die da iſt ein Pfeiler und Grundfeſte der Wahrheit, indem ſie allein das reine und lautere Wort Gottes zur Seelen Se⸗ ligkeit glaubt, bekennt und lehrt und die un⸗ gefälſchten Sacramente handelt und bewahrt. 3) wider das eigene Gewiſſen, das in allen Stücken der chriſtlichen Heilslehre in Gottes Wort allein gefangen und gebunden ſein ſoll und aus Menſchengefälligkeit der göttlichen Wahrheit nichts abbrechen darf. 4) wider alle rechtgläubige treue Brüder aller Orten, die mit Recht bitterlich gekränkt und ſchmerzlich betrübt würden, wenn man mit kir⸗ chenmengeriſchen falſchgläubigen ſogenannten Lu⸗ theranern kirchliche Gemeinſchaft anknüpfte und unterhielte, demgemäß den böſen Schein nicht miede und ſich theilhaftig machte fremder Sünden. 5) wider die falſchen Brüder ſelber, die man durch ſolche Gemeinſchaft in ihren Irrthümern und in dem gottloſen Wahne beſtärkte, als ſei es gleichgültig, wie man in einigen Stücken der heil⸗ ſamen Lehre halte, und ob man hierin der heiligen Schrift glaube, wie ſie lautet, oder nicht? Wo iſt aber die wahre ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem geſammten Gottes Wort (mit der die Stimmführer der ſogenannten lutheriſchen Gene⸗ ralſynode ſich gewöhnlich da zu brüſten pflegen, wo ſie die Bekenntnißſchriften ſchmähen), wenn man leichtfertiger Weiſe meint, dieſer oder jener Artikel der Heilslehre in der heiligen Schrift könne gefaßt und verſtanden werden, wie die Worte lauten, oder auch, wie ſie nicht lauten, alſo im uneigentlichen und figürlichen Sinne? Das wäre in der That eine ſeltſame „Wahrheit zur *) Das Weſen des Ketzeriſchen aber beſteht nicht in dem Mehr oder Minder der ſchriftwidrigen und falſchen Lehre, ſondern in dem hartnäckigen Feſthalten ſei es auch nur eines Irrthums wider Gottes klares Wort. An Berich⸗ tung und Ermahnung aber hat es den Wortführern der ſogenannten lutheriſchen Generalſynode in den letzteren Jahren nicht gefehlt. —