# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 80 Referat über die Predigt der rechten Lehre von der Rechtfertigung. unterläßt, was er nach dem Geiste will. Möchten doch diese pietistischen Heiligen nicht vergessen, sondern fleißig vor sich nehmen, bedenken und erwägen, was St. Paulus Römer 7, 15—25. schreibt. Denn in diesen Worten beschreibt er den Zustand eines Gläubigen und Wiedergebornen in seinem Kampfe zwischen Geist und Fleisch und wie gar fern er davon sei, obwohl er den Glauben und heiligen Geist habe, das Gesetz Gottes, nach seinem geistlichen Wesen vollkommen zu halten; ja er könne gar nicht anders, als mit dem Fleische dem Gesetz der Sünde zu dienen, wiewohl wider den Willen des Geistes, der neuen Creatur. Und fürwahr diese Worte des heiligen Geistes sind ein rechter Donnerschlag wider die lästerliche und gottlose Behauptung der vom Hochmuths⸗Teufel, als Engel des Lichts, betrogenen Methodisten und verwandter Schwarmgeister, als könne ein Christ schon in diesem Leben in ihm selber vollkommen heilig sein und leben. Denn da hörte ja Gnade, Christus, Evangelium, Glaube, Vergebung der Sünde, Abendmahl, Vater unser gar auf, und fehlte an nichts, als daß unser HErrgott diese vollkommenen Heiligen wie Eliam und Henoch gen Himmel holte. Und gewiß ist, so sie nicht aus übergroßer Gnade Gottes noch arme Sünder werden, daß sie eben so sicherlich gen Himmel fahren, als ihr Vater, der Teufel. Summa, aus einem noch schwächlichen und gebrechlichen Wesen in guten Werken und in der Geduld unter dem Kreuze, einem Menschen den Glauben gar absprechen, ist ein pietistisch⸗hochmüthiger, unevangelischer Richtgeist, der Gott, dem Herzenskündiger, ins Amt greift; denn es ist ein großer Unterschied: ein schwacher Christ sein — und wer ist denn ein starker? — und gar kein Christ sein. Ein andrer Theil der pietistischen Werkler setzet den Glauben schon beim Handel der Rechtfertigung als eine Art Tugend und Werk und macht aus der Rechtfertigung, gleichsam wie in einem Multiplicationsexempel, ein Produkt aus zwei Faktoren. Der eine ist die göttliche Gnade in Christo, der andere der menschliche Glaube. Wie nun aus 2 mal 2, 4 wird, so aus göttlicher Gnade und menschlichem Glauben die Rechtfertigung des Sünders vor Gott. Nun aber steht die Sache, nach Röm. 5, 18. also, daß kraft göttlicher Gnade „durch Eines, nämlich Christi Gerechtigkeit, die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen ist,“ daß nach Christi vollbrachter Versöhnung des Zornes Gottes wider alle Menschen am Stamme des Kreuzes durch sein Blut und Tod, durch und in seiner Auferweckung alle Menschen vor Gott in seinem Gericht thatsächlich absolvirt und gerecht erklärt sind. Und diese Rechtfertigung aller vom Gesetz verklagten und verfluchten Sünder ist als eine durchaus göttliche That vom menschlichen Glauben völlig unabhängig, also daß er nichts dazu und der Unglaube nichts davon thut. Denn Kaiphas, Barabbas, Herodes und Pilatus sind eben so erlöst, und in Christi Person gerechtfertigt d. i. es ist ihnen von Christo das gleiche Heil erworben, als St. Petrus und Johannes. Ja, wäre Christus von seinem himmlischen Vater als unser Stellvertreter durch die Auferweckung von den Todten nicht