# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S78 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 78 Referat über die Predigt der rechten Lehre von der Rechtfertigung. erkennen und fühlen, daß sie Sünder und der Gnade Gottes bedürftig seien. Da wirken nun aber alsbald Satan, Welt und Fleisch zusammen, um das erwachte Gewissen wieder einzuschläfern oder durch verstärkten Sündendienst zu betäuben. Und sonderlich ist der Teufel darauf aus, diese Menschen gerade dadurch von Christo und dem Evangelio abzuhalten, daß er ihnen vorgaukelt, es sei für sie doch keine Gnade vorhanden, ihre Sünden seien zu groß, als daß sie könnten vergeben werden. Denn durch solches Lügen⸗ und Gaukelwerk sucht er sie zur völligen Verzweiflung des Unglaubens und zugleich immer tiefer in den Sumpf der Sünde hineinzutreiben, daß sie in grober Uebertretung aller Gebote Gottes es ihren Gesellen zuvorthuen und der Unglaube der Verzweifelung dadurch verstärkt werde. Der gute Hirte aber geht auch diesem hundertsten verlorenen Schafe nach, das er ja auch durch sein eigenes Blut erkauft hat; und solches thut er durch die Predigt des Evangelii aus dem Munde eines seiner Knechte, sei es vom Predigtstuhl oder sonstwie, von ihm oder einem anderen Christen, damit er an Ihn glaube und selig werde. Eine andere Beschädigung erfährt die Lehre von der Rechtfertigung von der pietistisch und schwärmerisch verderbten Lehre von der Wiedergeburt. Die reine evangelische d. i. lutherische Lehre läßt mit Recht der von der Wiedergeburt die von der Rechtfertigung vorangehen. Denn es ist unmöglich, daß der sündige Mensch, er sei ein Säugling und Kind oder ein herangewachsener Mensch, könne geistlich geboren werden, ohne daß zuvor durch die Zueignung des Verdienstes Christi mittelst des Evangelii oder der Taufe von Gottes Seite und durch den Glauben von des Menschen Seite aus, die Schuld der erblichen und wirklichen Sünde aufgehoben und der Mensch dadurch im Gericht Gottes als gerecht erklärt würde. Denn nur dann kann er mit und in solcher Vergebung der Sünden oder Gerechtsprechung in Gottes Gericht den heil. Geist empfangen und durch dessen Wirken innerlich geistlich geboren, das Herz mit neuen geistlichen Trieben erfüllt, der Verstand geistlich erleuchtet, der bis daher in geistlichen Dingen gebundene und verkehrte Wille wahrhaft frei d. i. in dem Gehorsam der Liebe dem Willen Gottes in seinem Wort unterthan und auf dessen Vollbringung gerichtet werden. Die Schwärmer aber behaupten eben so sehr wider die Schrift als die innere Erfahrung, daß sie durch das Gebet, das sie auch ganz schriftwidrig und widersinnig zu einer Art Gnadenmittel machen, den heil. Geist erlangen und darnach erst an Christum glauben und die Vergebung der Sünden empfangen. Sie verkehren also Gottes Ordnung und setzen statt Christi Versöhnungswerk ihr Gebetswerk sammt allerlei andrer Zucht und Bereitung dem Zorne Gottes entgegen, in dem Wahne, dadurch die Gnade Gottes und die Gabe des heil. Geistes zu erlangen, sind also wesentlich dieselben Werkler wie die Papisten. Denn ähnlich wie diese brechen sie dem bereits von Christo vollbrachten Werke unserer Rechtfertigung und dem Glauben, Röm. 5, 18. ab und legen es ihrem Gebetswerke zu, als werde dadurch die Schenkung des heil. Geistes und die Vergebung der Sünden erst zuwege