# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. 71 erzielen zu können oder gewonnen zu haben, ist eine eitle Einbildung, eine wunderliche Selbsttäuschung, die in nothwendiger Consequenz zum Preis geben der Wahrheit des biblischen Schöpfungsberichtes führen muß.“ Es kann nach dem Gesagten dem Christen, der die Schrift für eine wahre und verläßliche Offenbarung Gottes hält, wohl nicht zweifelhaft sein, daß die geologischen Erdbildungstheorien unfähig sind, den Thatbestand der Wahrheit gemäß zu erklären. Daß diese Theorien, von der Schrift abgesehen, von höchst problematischem Werthe sind, dafür giebt der Verfasser als Belege: 1. „Man schließt aus der Reihenfolge der Gebirgsformationen auf die Zeitfolge ihrer Entstehung und Entwicklung, indem als ausgemacht angenommen wird, daß diese Bildungen auf mechanischem Wege, entweder durch Niederschlag (Sediment) oder durch Erhebung (Eruption) entstanden seien. Aber diese Annahme ist nicht wirklich erkannte Wahrheit, sondern nur Voraussetzung und Vermuthung. Ueber die Entstehungsweise der Gebirgsarten sind, wie bekannt, die Geologen in zwei einander feindlich gegenüberstehende Schulen getheilt, in Neptunisten, welche sämmtliche Gebirgsformationen auf nassem Wege durch Niederschlag, und Plutonisten, welche alle versteinerungsleeren Gebirgsarten durch Feuer oder Gluthitze sich bilden lassen. Nach den Neptunisten sind die Urgebirgsarten die ältesten Formationen, nach den Plutonisten sind die Granitgebirge erst nach den Uebergangs⸗ und Flötzgebirgen aus dem Erdinnern hervor⸗ und sie durchbrechend in die Höhe getrieben worden, also jüngeren Ursprungs. Daß beide Theorien nicht im Stande sind, alle Erscheinungen in den Lagerungsverhältnissen zu erklären, wird in neuester Zeit immer mehr erkannt, so daß eine dritte Theorie, welche die Bildung der Gesteinsmassen durch chemische Processe annimmt, sich mehr und mehr Anerkennung erwirbt. Falls nun die Gebirge, nicht nur die von krystallinischem, sondern auch die von geschichtetem Gesteine, nicht auf mechanischem Wege, sondern durch chemische Processe, bei welchen außer Wasser und Feuer, Elektricität, Galvanismus und Magnetismus, vielleicht gar noch andere von der Physik und Chemie noch nicht erkannte Potenzen gewirkt haben können, entstanden wären, so könnten auch verschiedenartige Formationen gleichzeitig erfolgt und über einander gelagert worden sein. So lange also die Naturforschung über den Modus der Entstehung und Bildung der Gebirgsmassen und Lagerungen nicht über bloßes Meinen und Vermuthen hinausgekommen ist, so lange der zur Zeit herrschenden plutonischen Theorie ein Gebiet nach dem andern streitig gemacht und entrissen wird, so lange können die aus der Aufeinanderfolge der verschiedenen Gesteinsschichten gezogenen Schlüsse über Perioden ihrer Bildung auf Wahrheit und Gültigkeit keinen Anspruch machen.“ 2. „Hierzu kommt, daß nicht einmal die Hauptformationen (Urgebirge, Uebergangsgebirge und Tertiärgebirge), noch weniger die verschiedenen Ablagerungen, aus welchen jeder dieser Hauptconstituenten der Gebirgsbildung zusammengesetzt ist, allenthalben in der vom System angenommenen Reihenfolge über einander liegen, sondern hie und da in ganz anderer Ordnung. Nicht überall liegen die Uebergangsformationen auf den krystallinischen Ur⸗