# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1861_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 70 Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. ein Zurücktreten der Gewässer, welche das trockene Land überfluthet hatten, in die Meere, und in ein Wiedererscheinen der eine Zeitlang verdunkelt gewesenen Gestirne umzudeuten. Eine Deutung, die auf dem gegenwärtigen Standpunkte der Exegese kaum noch Beifall finden dürfte. Will man also die biblische Schöpfungsgeschichte nicht preisgeben, indem man die Werke der ersten vier Schöpfungstage entweder in das Gegentheil einer Schöpfung verdreht oder den Bericht davon für eine irrthümliche Vorstellung eines alten Weltweisen von beschränkter Einsicht in die Natur der Dinge erklärt, und das ganze Schöpfungswerk der sechs Tage auf eine Neuschaffung von Pflanzen und Thieren reduciren, so muß man den Versuch aufgeben, die Schöpfung und den Untergang der von der Geognosie aus Licht geförderten fossilen Organismen vor das Sechstagewerk zu verlegen." „Ebensowenig lassen sich aber auch die geologischen Perioden mit ihren Pflanzen⸗ und Thierformationen in die biblischen Schöpfungstage hineinzwängen." Denn einmal „sind die sechs Schöpfungstage nach dem biblischen Berichte wirkliche Tage; da sie nicht nur durch den Wechsel von Licht und Finsterniß, von Tag und Nacht gebildet, sondern auch nach der Wiederkehr von Abend und Morgen gezählt werden." „Dieser Wechsel konnte natürlich auch ohne Sonne in den drei ersten Schöpfungstagen für die Erde eintreten, wenn Gott nur das Licht, als er es von der Finsterniß schied, auch räumlich von dem finstern Erdkörper geschieden und an einem Orte im Weltraume außerhalb oder oberhalb desselben concentrirt hatte, von wo aus sein Schein auf die Erde fiel — daß die Schöpfungstage, wie der biblische Text fordert, wirkliche Tage seien, muß auch dem Begriffe der Schöpfung gemäß angenommen werden. Denn die Schöpfung ist ein Werk der göttlichen Allmacht, nicht ein nach den in der geschaffenen Welt wirkenden und ihre Erhaltung bedingenden und normirenden Kräften und Gesetzen der Naturordnung vor sich gehender Proceß. Was nach dem natürlichen Verlauf der Dinge zu seiner allmäligen Bildung und Entwicklung langer Zeiträume bedarf, das kann die schaffende Allmacht Gottes in einem Momente hervorbringen. Der allmächtige Gott hatte nicht Jahre nöthig, noch weniger Jahrhunderte oder Jahrtausende, um aus der Finsterniß das Licht zu schaffen, die Atmosphäre zu bilden, Land und Wasser auf Erden zu scheiden und Gras und Kraut, Sträucher und Bäume wachsen zu lassen. Er sprach, so geschah es, er gebot, so stand es da. Ps. 33, 9." Sodann „sind nach der Bibel die Pflanzen am dritten, die Wasserthiere und Vögel am fünften und die Landthiere am sechsten Tage geschaffen, nach den Lehrsätzen der Geologie treten die Thiere ebenso früh auf als die Pflanzen. Die Bibel weiß bloß von einer einmaligen Schöpfung von Pflanzen und Thieren, die Geologie dagegen fordert mehrmals wiederholte Schöpfungen von Pflanzen und Thieren. So häuft sich Widerspruch auf Widerspruch und die geologischen Theorien von Schöpfungsperioden und mehrmaligen Schöpfungen stehen in exclusivem Gegensatz zur biblischen Schöpfungsgeschichte. Die Meinung, auf die eine oder die andere der besprochenen Weisen eine Versöhnung zwischen der Bibel und der Geologie