# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 12 08_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 die Aussätzigen werden gereinigt, die Traurigen erfreut, die Kranken geheilt, und die Todten erweckt; nur Satan und alle seine abgefallene Geister erzittern, weil durch Satans Untergang das Menschengeschlecht wieder erlöset wird. (Serm. 10.) Leo Magnus, Bischof zu Rom, starb 461. Unser Heiland ist, Geliebteste, heute geboren; laßt uns fröhlich sein. Denn es will sich nicht schicken, daß für unsre Traurigkeit Raum sei am Geburtstage des Lebens, das die Schrecken der Sterblichkeit verzehrt und uns dafür Freude anbietet über die Verheißung des ewigen Lebens. Niemand ist von der Theilnahme an diesem Festjubel ausgeschlossen. Allen gehört eine und dieselbe Freude, denn der Grund dazu ist allen gemein, weil unser HErr, der Zerstörer der Sünde und des Todes, wie er keinen frei von Schuld findet, so auch zu aller Befreiung erschien. Es juble der Heilige, weil er nun der Siegespalme naht; es freue sich der Sünder, weil er zur Vergebung eingeladen wird; selbst der Heide sei fröhlich, weil er zum Leben berufen wird. (Alcuin. de nativ.) Bernhardus, Abt von Clairvaux, starb 1153. Wenn ich oft über die Inbrunst des Verlangens der Väter, so oft sie nach dem Kommen Christi ins Fleisch seufzen, nachdenke, werde ich in mir selbst betrübt und bestürzt; kaum kann ich dann meine Thränen hemmen; mit Scham erfüllt mich dann die Lauheit und Stumpfheit dieser elenden Zeiten. Denn wen unter uns erfüllt die wirkliche Darreichung dieser Gnade mit so großer Freude, als einst die Sehnsucht war, die schon die Verheißung derselben in den alten Heiligen entzündet hatte? Denn siehe, wie viele werden sich zwar an diesem Geburtsfeste des HErrn, dessen Feier bevorsteht, freuen, — aber ach, daß es auch geschehen möchte über die Geburt! (Serm. 2. in cantic.) Derselbe. JEsus wird geboren; es freue sich jeder, wer es auch sei, den das Bewußtsein seiner Sünden verurtheilt, schuldig zu sein einer ewigen Verdammniß. JEsu Güte übersteigt ja alle Größe und Unzahl unserer Verbrechen. Christus wird geboren; es freue sich jeder, der von seinen alten Sünden überwunden wurde, denn der Menschwerdung des Sohnes Gottes kann keine Krankheit unserer Seele trotzen, mag sie auch noch so eingewurzelt sein. Gottes Sohn wird geboren; es jauchze, wer Großes zu erlangen gewohnt ist, denn es kommt der große Geber. Brüder, hier ist der Erbe. Demüthig laßt uns ihn aufnehmen, denn so wird auch das Erbe unser sein. O Christen, jubelt, jubelt, vom Himmel herab kommt unser Erlöser; siehe, aus unserm Fleische wird er geboren von der reinen Jungfrau. O Christen, lernet, lernet es kennen, das Vaterherz Gottes, lernet brüderliche Herzen mit dem Herzen eures Bruders verbinden und ihn lieben. O Christen, singt Psalmen, singt Psalmen und bringt Christo Gesänge des Dankes dar; laßt alle uns sagen und singen: Ehre sei dir, Christe, der du für uns geboren wardst. (Serm. I. in vigil. nativ.) Beiträge zur Vertheidigung der christlichen Religion gegen die gewöhnlichsten Einwürfe der Spötter Und Lästerer unserer Tage. (Fortsetzung.) Wenn wir in der fünften Nummer unseres Blattes in dem Artikel, der obige Ueberschrift trägt, behaupteten, daß in der Bibel nichts der Vernunft Widersprechendes gelehrt werde, so behaupteten wir damit nichts Neues. Unter andern spricht Luther: „Wiewohl die natürliche Vernunft das Licht und die Werke Gottes nicht verstehen, noch aus sich erreichen kann, also, daß sie in affirmativis *) (wie sie davon reden) ganz grob und ungewiß richtet; so ist doch in negativis d. i. was ein Ding nicht ist, ihr Urtheil und Verstand gewiß. Denn die Vernunft begreift nicht, was Gott ist; doch begreift sie aufs allergewisseste, was nicht Gott ist. Darum, wiewohl sie nicht sieht, was recht und gut ist vor Gott (als den Glauben), so weiß sie doch eigentlich, daß Unglaube, Mord, Ehebruch, Ungehorsam böse sind. Was nun der Vernunft entgegen ist, ists gewiß, daß es Gott viel mehr entgegen ist; denn wie sollte es nicht wider göttliche Wahrheit sein, das wider Vernunft und menschliche Wahrheit ist!“ (Hall. Ausg. XIX. 1940.) *) d. i., wenn die Vernunft sagen soll, wie etwas sei. Dieses wird jedoch häufig mißverstanden. Hören dies Ungläubige, so ist ihre gewöhnliche Erwiederung diese: Gebt ihr zu, daß die Vernunft der göttlichen Wahrheit nicht widersprechen könne, so muß in der heil. Schrift entweder vieles anders erklärt werden, als es dem Buchstaben nach lautet, damit es mit der Vernunft in Uebereinstimmung gebracht werde, oder es muß der Bibel alles göttliche Ansehen abgesprochen werden; denn steht nicht Unzähliges darin, was unserer Vernunft schnurstracks widerspricht? Sind nicht die Lehren von der Erschaffung der Welt aus Nichts, von der heil. Dreieinigkeit, von der Menschwerdung Gottes, von der Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahle, von der Rechtfertigung eines Sünders vor Gott aus Gnaden durch den Glauben, von der Auferstehung der Leiber ꝛc. durchaus den Gesetzen der Vernunft zuwider? Es wird sonach zu Vermeidung von Mißverständnissen nöthig sein, über obigen Satz eine weitere Erklärung zu geben. Wir können dies jedoch nicht besser thun, als wenn wir einen der erfahrensten und gottseligsten lutherischen Theologen, nehmlich den seligen Gerhard, lieber an unserer statt reden lassen. Dieser anerkannte rechtgläubige Lehrer schreibt in seinem Buch von den Hauptartikeln der christlichen Lehre (loci theologici genannt) nach einer möglichst wortgetreuen Uebersetzung dieses: „Nicht die menschliche Vernunft, sondern die göttliche Offenbarung ist der Grund des Glaubens; nicht nach den Machtsprüchen der Vernunft ist über die Artikel des Glaubens zu urtheilen, sonst haben wir nicht mehr Glaubensartikel, sondern Beschlüsse der Vernunft. Die Meinungen und Aussprüche der Vernunft sind auf den Kreis derjenigen Dinge einzuschränken, welche dem Urtheil der Vernunft unterworfen sind, nicht aber auf den Kreis derjenigen Dinge auszudehnen, welche über aller Fassungskraft der Vernunft stehen. Es ist wohl zu unterscheiden 1., zwischen der Vernunft im Menschen vor dem Sündenfall, und nach dem Fall. Jene, als solche, würde nie wider die göttliche Offenbarung gewesen sein, diese ist sehr oft dagegen aus Schuld ihrer Verderbtheit. Es ist auch 2., zu unterscheiden zwischen der Vernunft eines noch nicht wiedergebornen Menschen und zwischen der Vernunft eines wiedergebornen. Jene achtet die Geheimnisse des Glaubens für Thorheit, diese aber streitet nicht wider dieselben. Dann aber und so lange ist sie eine solche (wiedergeborne Vernunft), wann und wie lange sie dem Licht des Wortes folgt und über die Geheimnisse des Glaubens nicht nach ihren Grundsätzen (Principien), sondern nach der heil. Schrift urtheilt. Es ist ferner 3., zu unterscheiden zwischen der Vernunft, die in diesem Leben dem Anfange nach, und die in jenem Leben völlig wieder hergestellt worden ist. Jene ist noch nicht so völlig erneuert, erleuchtet und zurechtgebracht, daß es ihr unmöglich wäre, wider die Artikel des Glaubens zu sein und sie zu bestreiten, wenn sie ihrer eigenen Leitung folgt. Denn wie in den Wiedergebornen der Kampf des Geistes und Fleisches bleibt (Gal. 5, 17.), durch welchen sie zur Sünde gereizt werden, so bleibt in ihnen der Kampf des Glaubens und der Vernunft, insofern diese noch nicht völlig erneuert ist; die vollkommen erneuerte Vernunft aber schließt allen Widerstreit der Vernunft und des Glaubens aus. Ueber dies ist auch 4., zu unterscheiden zwischen der in der Wahrheit und eigentlich sogenannten rechten Vernunft und zwischen der rechten Vernunft nach der Begriffsbestimmung und im Sinne der Gegner, z. B. der Photinianer (Dreieinigkeitsleugner) und Calvinisten. Die rechte Vernunft, wenn man darunter die wahre und eigentlich sogenannte versteht, diejenige nehmlich, die innerhalb der Grenzen ihrer Gegenstände bleibt und sich kein Urtheil über die Geheimnisse des Glaubens anmaßt, oder die durch das Licht des Wortes erleuchtet und vom heil. Geiste zurecht gebracht ist und daher in den Geheimnissen des Glaubens nicht ihre Grundsätze verfolgt, sondern sie nach dem Lichte des Wortes und heil. Geistes richtet: diese ist dem Glauben nicht entgegen. Aber die Widersacher nehmen das Wort, rechte Vernunft, für diejenige, welche über die Geheimnisse des Glaubens nach ihren Principien urtheilt. Endlich 5., ist zu unterscheiden zwischen dem, was allein Sachen der Offenbarung und des puren Glaubens sind, und zwischen dem, was dem Urtheile der Vernunft unterworfen ist. In den letzteren Dingen ist dem Lichte der Vernunft etwas überlassen, die ersteren, weil sie über Sinn, über Vernunft und über alle Fassungskraft sind, sind nicht durch die Vernunft auszumachen, sondern mit dem Glauben anzunehmen.“ (Wer diese Begrenzung nicht anerkennen, sondern darauf bestehen will, daß auch