# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 48 Referat über die rechte Predigt der Lehre von der Rechtfertigung. und Gericht, welches allein durch die Predigt des Gesetzes gewirkt wird, Luc. 24, 47. Desgleichen befiehlt St. Paulus 2 Tim. 2, 15. das Wort der Wahrheit d. i. Gesetz und Evangelium recht zu theilen. Auch bezeugt er Apost. 20., daß er den Juden und Heiden nichts verhalten habe, das da nützlich sei, und habe beide verkündiget und gelehret öffentlich und sonderlich „die Buße zu Gott“ (die allein durch das Gesetz gewirkt wird) und „den Glauben an Jesum Christum,“ der allein durch das Evangelium angezündet wird, denn nur die vom Hammer des Gesetzes zuvor zerschlagenen und zerbrochenen Herzen vermag darnach das Evangelium zu heilen. Auch liefert z. B. die sogenannte Brüdergemeinde oder Herrenhuter einen geschichtlichen Beleg, wie thöricht und schädlich es sei, in der Handlung des göttlichen Worts das Gesetz ganz dahinten zu lassen, und fast ausschließlich nur das Evangelium zu treiben; denn durch solche einseitige und krankhafte Lehrweise werden natürlich nur reiche und satte Leute hervorgebracht, die sich fleischlich an diese Lehrform hängen, und in den Wahn gerathen, daß sie die rechte Predigt des göttlichen Wortes sei. So verkehrt es also wäre, den erschrockenen angefochtenen Gewissen noch ferner das Gesetz zu predigen, eben so verkehrt wäre es, dem natürlichen und sichern Menschen nur das Evangelium zu verkündigen. Welches ist denn nun die rechte Weise das Gesetz zu predigen? Antwort: dasselbige als eine feste, gewisse, göttliche Thatsache, als die ewige, unveränderliche Regel und Richtschnur des göttlichen Willens zu bezeugen, wie der Mensch innerlich beschaffen sein und demgemäß thun und lassen solle. Es ist also in der Predigt des Gesetzes festzuhalten, wie Gott nicht zufrieden gestellt sei mit einem äußerlichen Gehorsam, einer gesetzlichen bürgerlichen Gerechtigkeit, die vor Menschen gilt; denn das Urtheil der natürlichen Vernunft schließt von den Werken auf die Menschen und stellt den Satz auf: Gute Werke machen einen guten Menschen. Vielmehr aber fordert Gott in seinem Gesetz mit unerbittlicher Strenge von jedem Menschen die ursprüngliche Heiligkeit und Gerechtigkeit oder das göttliche Ebenbild wieder, das er ihnen in Adam und Eva anerschaffen hatte. „Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig.“ also spricht Gott in seinem Gesetz zu allen Menschen. Desgleichen droht Gott Allen, die solche Forderung seines Gesetzes nicht erfüllen, und in ihnen selber keine wahrhaft Heilige sind, mit zeitlichen Strafgerichten und der ewigen Verdammniß; ja er spricht den Fluch wider alle aus, die eben schon innerlich keine gerechte, das ist, seinem Gesetze gleichförmige Menschen sind, und demgemäß auch nicht sind noch bleiben in alle dem, das geschrieben ist, im Buche des Gesetzes, daß sie es thun. Durch solches Fordern, Drohen und Fluchen des Gesetzes wird nun die natürliche Erkenntniß der Sünde aus dem Urtheil des Gewissens und nach dem Ausspruch des ins Herz geschriebenen Gesetzes bedeutend geschärft, erweitert und vertieft. Der Mensch erkennt jetzt nicht nur seine einzelnen wirklichen Sünden d. i. seine vielsache Uebertretung und Unterlassung aller zehn Gebote, sondern seine nach Seel und Leib durch die von Adam her an⸗ und aufgeerbte Sünde tief und schwer