# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Predigt der Lehre von der Rechtfertigung. 47 die Liebe Gottes und des Nächsten, die allein die Thäterin der göttlichen Gebote und des Gesetzes Erfüllung ist, geht allein von diesem Glauben aus, wie denn auch summarisch St. Paulus das ganze Wesen eines Christenmenschen darin zusammenfaßt, daß er sagt Gal. 5, 6. „denn in Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe thätig ist.“ Wiederum trägt es sich zu, daß der Glaube durch die Liebe nicht nach Außen gegen Menschen sich thätig äußern kann; denn entweder widersteht ihm die Härtigkeit und Bosheit der Ungläubigen oder Heuchler, oder Gott selber thut den Gläubigen unter das Kreuz, sei es, daß es in äußerlicher Trübsal oder innerlicher Anfechtung besteht. Da handelt sich denn Alles darum, daß der Gläubige im Festhalten der gnädigen Verheißung Gottes beharre und sich in der Geduld erzeige. Und grade hier, wo nicht blos Teufel, Welt und Fleisch, bald getrennt, bald verbunden, sondern hin und her auch, im Zusammenhange damit Gewissen, Gesetz und Tod wider den rechtfertigenden Glauben anläuft, ja Christus selber sein gnädiges Antlitz zu verbergen und sich in einen Grausamen zu verwandeln scheint — grade hier kann dieser Glaube in Kraft der Gnade und des Evangelii seine höchste Schöne und Herrlichkeit offenbaren. Aus dem so eben, wenn auch nur in Andeutungen und Umrissen, Gesagten erhellet also zur Genüge, daß und wie die Lehre von der Rechtfertigung der Kern und Stern des ganzen Evangelii, die stärkste Burg und Veste der ganzen christlichen Lehre und der süßeste und tröstlichste Schatz der erschrockenen Gewissen sei, indem kein anderer Artikel als dieser, des Vaters Gnade, des Sohnes Verdienst und des heiligen Geistes Kraft dem armen Sünder durch den Glauben also tröstlich ins Herz bringet, daß Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist darin wohnen. Davon nun, und wie mit der Reinerhaltung oder Fälschung dieses Artikels, auch alle andere Artikel der christlichen Lehre rein erhalten oder gefälscht werden — davon hat das vorjährige Referat des westlichen Districts viele und schlagende Belege und Beweisstellen aus Luthers Schriften angeführt; und es scheint daher nicht nöthig in diesem einleitenden Theile zur annähernden Lösung unsrer Aufgabe einige derselben zu wiederholen. Wir gehen jetzt zur Beantwortung der uns gestellten Frage „welches die Art und Weise sei, die Rechtfertigung recht zu predigen?“ Ehe wir aber dazu schreiten, diese Beantwortung, nach dem Vermögen, das Gott darreicht, positiv und negativ zu liefern, wird es nicht überflüssig sein, einige Worte über die Predigt des Gesetzes vorauszuschicken. Denn es ist schlechthin unmöglich, die evangelische Lehre von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott, nach Gottes Wort recht zu predigen, ohne zuvor die Menschen durch die rechte Auslegung des Gesetzes zur reumüthigen Erkenntniß der Sünde gebracht zu haben. Auch befiehlet Christus seinen Knechten, in seinem Namen nicht nur Vergebung der Sünden d. i. das Evangelium zu predigen, sondern auch Buße d. i. Reue, Leid, Schrecken vor Gottes Zorn;