# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 46 Referat über die rechte Predigt der Lehre von der Rechtfertigung. Denn so gewiß der Gerechtfertigte und Wiedergeborene durch den Glauben, nach Christi Worten, beides schon, dem Keime nach, besitzt, so gewiß entfaltet sich der rechtfertigende Glaube, so er beharret, zu dieser seligen Frucht, wie auch Luther sagt: „Wo Vergebung der Sünde ist, da ist auch Leben und Seligkeit.“ III. Aus dem eben Gesagten erhellet, daß alle Artikel der christlichen Lehre in der Lehre von der Rechtfertigung sich concentriren. Denn was hülfe uns armen Sündern z. B. die Lehre vom dreieinigen Gott nach seinem Wesen und Willen, die Lehre von Christi Person und Werk, die Lehre von den Gnadenmitteln, wenn wir nicht die Gnade des Vaters, das Verdienst des Sohnes und die Kraft des heiligen Geistes in dem Evangelio und Sacrament durch den Glauben ergreifen und uns aneignen könnten zur Vergebung der Sünden. Wiederum ist ohne dieselbe, oder die Rechtfertigung vor Gott, die Wiedergeburt, die Erneuerung und Heiligung, die fröhliche und selige Auferstehung und das ewige Leben schlechthin unmöglich. So zielen denn auch alle Wege und Führungen Gottes mit den sündigen Menschen, nach seiner Güte und nach seinem Ernste, dahin ab, daß er zum rechtfertigenden Glauben gelange und darin erhalten werde; denn hat er diesen, so hat er Alles, den dreieinigen Gott und das ewige Leben; hat er diesen Glauben nicht, so hat er nichts, als Gottes Zorn und die ewige Verdammniß. Darum ist fürwahr die Lehre von der Rechtfertigung der edelste und vornehmste Artikel; sie ist das köstlichste Kleinod, der Augapfel und das Herzblut der evangelischen d. i. lutherischen Lehre und Kirche. Sie ist die Arznei der Kranken, der Trost der Angefochtenen, die Stärke der Schwachen, das Licht der Irrenden, die Stütze der Wankenden, die Milch der Kindlein, die starke Speise der Erwachsenen, das Labsal der Sterbenden, das Leben der Todten, die Pforte des Himmels, die Freude der Engel, der Schrecken der Teufel. Alle vorbereitende Arbeit des Gesetzes, das den sichern und selbstgerechten Menschen zur Erkenntniß der Sünde bringt und ihn durch sein Fordern, Drohen, Fluchen, Tödten und Verdammen unter Gottes Zorn wirft und zur Hölle hinabstößt, soll, nach Gottes gnädiger und heilsamer Ordnung, nur dazu dienen, daß die süße, tröstliche evangelische Lehre von der Rechtfertigung des armen Sünders vor Gott den wahren lebendigen Glauben an den Herrn Christum in seinem Herzen anzünde, dadurch er Christum, als seine Gerechtigkeit ergreift und dadurch aus Gnaden erlangt, was Gott in seinem Gesetze nach seinem Rechte fordert; und dadurch wird er geistlich gesegnet, lebendig und heilig gemacht und in das himmlische Wesen gesetzt. Wie aber eben das Gesetz ein Zuchtmeister auf Christum wird, auf daß wir durch den Glauben gerecht werden: so geht nun wiederum darnach alles Thun und Halten der zehn Gebote, wenn es auch wie bei den Wiedergebornen nur dem Anfange nach geschieht, vom rechtfertigenden Glauben aus; denn