# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 42 Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. begründet wurde, der bei genauerer Untersuchung der Fossilien erkannte, daß die zarten, meist wohlerhaltenen Petrefacte, die mit den lebenden Organis⸗ men meist ganz gleich wären, unmöglich aus solch einer allgemeinen Revo⸗ lution herstammen konnten, wo Alles hätte zerrieben werden müssen, sondern nur dadurch entstanden sein könnten, daß die abgestorbenen Organismen an Ort und Stelle durch ganz allmälige ruhige Absätze des Meeres oder der Landgewässer umhüllt und dadurch versteinert wären. Valisneri und seine Schüler betrachteten die petrefactenführenden Erdstraten als vorsindfluth⸗ liche oder antediluvianische und legen der Sindfluth, die sie nur als Glau⸗ bensartikel gelten lassen, gar keine naturhistorische Bedeutung bei, wogegen Andere mehre partielle Sindfluthen annahmen, um die bei genauerer ge⸗ ognostischer Untersuchung des Flötzgebirges gemachte merkwürdige Entdeckung zu erklären, daß von den Flötzformationen manche nur Organismen des Meeres, andere nur Organismen des Festlandes enthielten, also solche Ge⸗ genden mehrmals abwechselnd festes Land und Meeresgrund gewesen sein müßten, indem sie diese Sindfluthen aus Einstürzen großer Theile des festen Landes in den Abgrund des Meeres entstehen ließen. Schon diese Theorien traten mit der biblischen Geschichte, die nur von einer Sindfluth weiß, in Widerspruch. Noch größer wurde aber der Widerspruch, als durch Zach. Werner in den letzten Decennien des vorigen Jahrhunderts die verschiede⸗ nen Gebirgsarten in mehrere Hauptformationen, die sich in aufeinander fol⸗ genden Zeiträumen gebildet hätten, eingetheilt wurden, und dieser Ein⸗ theilung durch die Forschungen Cuvier's (recherches sur les Ossemens fossiles, 1808) u. A., welche die Lehre von den Petrefacten oder fossilen Organismen nach naturhistorischen Principien ordneten und classificirten, eine scheinbar sehr gewichtige Bestätigung zu Theil wurde. Durch diese Theorie wurde der Grund zu der geologischen Lehre von mehreren Schöpfungs⸗ oder Erdbildungsperioden gelegt, die, je weiter die geognostischen und paläontologischen Forschungen fortschritten, desto mehr Anklang und Beifall fand. Zwar hat noch Buckland in seinen berühmten Reliquiae diluvianae vom J. 1823 eine Fülle von geologischen Thatsachen zusammengestellt, welche die Allgemeinheit der biblischen Sindfluth bekunden und beweisen sollen, aber gegen diesen Nachweis erhob sich so viel und theilweise ganz berechtigter Widerspruch von Seiten der übrigen Geologen, daß Buckland selbst in seiner späteren Schrift: Geology and Mineralogy considered with reference to Natural Theology vom J. 1836 seine frühere Ansicht über die Diluvial⸗ formation zurücknahm und mit der Hypothese vertauschte, daß alle Thatsachen, die für eine Ueberfluthung der ganzen Erde bis zu den Spitzen der höchsten Gebirge zu sprechen scheinen, nur Zeugniß lieferten für eine große Revolution, welche unser Erdball vor der in der Bibel berichteten Schöpfung, mit welcher das Menschengeschlecht ins Dasein getreten, erlitten habe. Damit hatte die Geologie die Sindfluth beseitigt und für ihr Theorem von mehrern der gegenwärtigen Erdgestaltung mit der noch bestehenden Pflanzen- und Thier⸗ welt voraufgegangenen Schöpfungen den Sieg gewonnen."