# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S41 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. 41 nahe, daß, wenn der Widerspruch der göttlichen Worte gegen die falsche Theorie auch klar hervortritt, letztere dennoch festgehalten wird, der wenige Sauerteig den ganzen Teig versäuert, die Inspiration der Schrift in ihrem Wesen alterirt, die sich zu den Menschen herablassende Rede Gottes in ver⸗ schiedene Stufen der Entwickelung des menschlichen Geistes verwandelt und der Uebergang in das Gebiet der Gnostiker vollzogen wird. Ein das Fruchtlose und Verkehrte der Bemühungen der letzteren Art illustrirendes Beispiel gewähren die Versuche schriftgläubiger Theologen und Naturforscher der Gegenwart, die jetzt gangbaren Erdbildungstheorien mit den Aussprüchen der Schrift zu vereinigen. Ueber diesen Gegenstand ist eine vortreffliche Abhandlung von Prof. Dr. C. Keil unter dem obgenannten Titel im 4. Hefte der Theol. Zeitschrift von Dr. A. W. Dieckhoff und Dr. Th. Kliefoth erschienen. In der Voraussetzung, eine die Hauptsachen kurz zusammenstellende Uebersicht des darin Mitgetheilten möchte vielen un⸗ serer Leser nicht unlieb sein, lassen wir eine solche hier folgen. Zunächst geben wir den Ueberblick über die Versuche der neueren Zeit, die Bildung der Erde zu erklären, unverkürzt wieder. „Als René Descar⸗ tes in seinen principia philosophiae, Amstel. 1641 seine Metaphysik ent⸗ wickelt hatte, nach welcher die Erde ein ursprünglich feuriger Stern war, der bei allmäligem Erkalten sich mit einer Schlackenkruste bedeckte, auf welcher das Gewässer lag und über demselben eine feste Rinde sich bildete, die bei der Sindfluth theilweise zusammenbrach, wobei das unterirdische Gewässer sich erhob und die Erde ihre jetzigen Verhältnisse erhielt, so wurde diese Specula⸗ tion von Amerpoel im Cartesius Mosaizans. 1669 mit der Bibel in Ueber⸗ einstimmung gesetzt. Der englische Theologe Thom. Burnet in s. Tel⸗ luris theoria sacra 1681 und der deutsche Philosoph Leibnitz in s. Proto⸗ gaea 1693 und 1749 suchten ihre speculativen Ideen über die Entstehung der Erde so eng an die biblische Urgeschichte anzuschließen, daß sie beide in ähnlicher Weise wie Cartesius die jetzige Gestaltung unseres Erdkörpers von der Sindfluth herleiten. Als hierauf die Naturforscher anfingen, ihre Auf⸗ merksamkeit auf die in den Erdschichten wahrgenommenen versteinerten Or⸗ ganismen zu richten, wollten die meisten auch diese Bildungen aus der Sind⸗ fluth erklären. So John Woodward zu London, der in s. Natural history of the Earth vom Jahre 1696, auf bestimmte Beobachtungen gestützt, auszuführen suchte: wie bei der Sindfluth die aus dem großen Abgrunde heraufgestiegenen Gewässer die ganze obere Erdkruste zerstört, zermalmt und im Wasser zu einem Brei aufgelöst hätten; dieser hätte auch alle hierbei untergegangenen Organismen enthalten und sich allmälig mit diesen — un⸗ sern Petrefacten — niedergeschlagen, woraus die Straten, die wir beobachten können, entstanden wären. Diese Theorie fand zahlreiche Anhänger, von welchen wir nur Scheuchzer und Silberschlag nennen wollen, und kann als die herrschende Ansicht im vorigen Jahrhunderte bezeichnet werden, obgleich nicht lange nach ihrer Ausbildung eine entgegengesetzte Theorie sich besonders von Italien aus entwickelte und durch Ant. Valisneri (1721)