# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1861_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. 39 8. "Aliena est (culpa originalis), quia in Adam omnes nescientes peccavimus; nostra, quia, etsi in alio, nos tamen peccavimus, et nobis justo Dei judicio imputabatur, licet occulto." (Die Erbschuld) ist eine fremde, weil wir alle, ohne es zu wissen, in Adam gesündigt haben; sie ist die unsrige, weil wir, obwohl in einem an⸗ dern, doch selbst gesündigt haben, und sie wurde uns nach einem gerechten Gerichte Gottes zugerechnet, obwohl dasselbe uns unerforschlich ist. 9. "Quia genus humanum in parente primo velut in radice putruit, ariditatem traxit in ramis." Weil das menschliche Geschlecht in seinem Urvater wie in seiner Wurzel verdorrt ist, so sind auch seine Zweige verdorrt. 10. Exceptio firmat regulam in casibus non exceptis. Wo eine Ausnahme gemacht wird, da bestätigt sie die Regel für die nicht ausgenommenen Fälle. Die biblische Schöpfungsgeschichte und die geologischen Erdbildungstheorien. Durch die große Anzahl eifriger und fähiger Beobachter der Natur, so⸗ wie durch die kunstreichen Werkzeuge, welche zu genauerer Erforschung der⸗ selben erfunden worden sind, ist der neueren Zeit gelungen eine überaus große Menge von Entdeckungen in allen Gebieten der sichtbaren Schöpfung zu machen. Dem menschlichen Geiste genügt jedoch eine bloße Sammlung einzelner Thatsachen nicht; er sucht die Thatsachen zu erklären, das Entstehen derselben gleichsam in sich zu wiederholen, zu den wirklich wahrgenommenen Thatsachen in Gedanken dasjenige hinzuzufügen, was dem, was geschieht und geschehen ist, zu Grunde liegt, d. i. er stellt eine Theorie darüber auf. Der tiefe Fall der menschlichen Natur wird nun auch bei der Erklärung der natürlichen Dinge oft in sehr demüthigender Weise offenbar. Denn Viele, indem sie die Liebe zur Wahrheit einer vorgefaßten Theorie nachsetzen, halten diese nicht nur im Gegensatze gegen ihr widersprechende Thatsachen fest, die dann mit einer gezwungenen Deutung abgefertigt werden, sondern auch im Gegensatze gegen die Offenbarung dessen, der Schöpfer und Erhalter aller Dinge ist. Dieser Widerspruch der Theorie mit der göttlichen Offenbarung, der sie von einem Irrthum zurückführen könnte und sollte, wird im Gegen⸗ theil von ihnen zur Rechtfertigung benützt, wenn sie das heilbringende Wort des in Gnaden zu dem in Irrthum und Sünde verlorenen Menschen sich herablassenden Schöpfers und Erlösers als Aussprüche unwissender Menschen ignoriren oder gar verspotten. Dem Christen hingegen ist alles ausdrücklich in der heiligen Schrift Geoffenbarte gewisse Wahrheit, die auch durch den scheinbarsten Widerstreit mit Thatsachen der Erfahrung — denn wirklicher Widerspruch ist an sich unmöglich — nicht in Zweifel gezogen werden darf. Daß die heiligen