# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1861_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. kanntlich, so viel er vermocht, dazu beigetragen, die Grundlagen des Christenthums durch seine Kritik für viele zu erschüttern (obwohl sie selbst unerschüttert geblieben sind und bleiben werden, trotz allen Höllenpforten), starb am 2. December v. J. Er war geboren den 21. Juni 1792. Freiherr Christian Carl Josias v. Bunsen, wirklicher Geheimer Rath, Ritter ꝛc., der bekannte Verfasser der „Zeichen der Zeit“ und Umschmelzer der s. g. semiti⸗ schen Bibel in die japhetidische, starb zu Bonn am 28. Nov. v. J., geboren 1791 zu Korbach im Fürstenthum Waldeck. Kirchentage. Der bekannte Wiedertäufer Rauschenbusch war vor kurzem in Deutschland und wartete bei dieser Gelegenheit den Barmer Kirchentag ab. Ueber das da Gehörte expectorirt sich nun Genannter in dem hiesigen Wiedertäufer⸗Blatt, dem Sendboten des Evangeliums, und macht dabei auf einige Uebelstände aufmerksam, an denen die Kirchen⸗ tage leiden, vielleicht nicht ganz mit Unrecht. Als zweiten Uebelstand führt er an: „Daß immer dieselben Leute das Wort führen“ (Generalsuperintendent Hoffmann, Dr. Krum⸗ macher, Dr. Wichern und noch Einige). Als vierten macht er geltend: „Daß immer zum Voraus auf ein bestimmtes Resultat der Verhandlungen losgesteuert wird. Geben zwei entgegenstehende Meinungen sich kund, so sucht man die Verschiedenheit zu verwischen, und verschmelzt beide so, daß bloß allbekannte Sätze ohne Kraft und Schärfe herauskommen, und man schließlich nicht weiß, ob es gehauen oder gestochen ist.“ Rauschenbusch hätte gern um das Wort gebeten, aber unter anderen befürchtete er, man werde ihm „als Baptisten⸗ prediger“ das Wort nicht gestatten. Doch spricht er die Hoffnung aus: „Nach etlichen Jahren werden vielleicht auch bei den Hauptsitzungen des Kirchentages Baptisten mitreden dürfen — wenn nehmlich alsdann der Kirchentag noch besteht.“ Nach der Reform. K.-Z. erklärte der Kirchentag in einer Discussion über die weltliche Literatur, namentlich die Werke Schiller's und Göthe's: „Kein Jota (?) soll um unserer Dichterheroen willen von der Strenge des christlichen Princips in Anschauung und Leben aufgegeben, aber das soll aner⸗ kannt werden, daß die ächten Dichter, wider Willen und trotz der verderblichen Einflüsse ihrer Zeit, in ihren reinsten Momenten und Erzeugnissen doch wie aus Gott zu Gott hin redend erscheinen. Es war, wenn ich nicht irre, schreibt ein Referent, Dr. Krummacher aus Pots⸗ dam, der ausrief: möchte ich doch unsere blasirten kartenspielenden Jünglinge wenigstens zu Schiller und Göthe bekehren können!“ Erklärung. Auf ausdrücklichen Wunsch mehrerer Glieder unserer Synode und Leser dieser Zeitschrift erklären wir, daß die in dem vorjährigen November-Heft mitgetheilten Thesen über den Wucher vor der allgemeinen Pastoralconferenz nur verlesen, jedoch noch nicht besprochen und lediglich zu dem Zwecke dem Drucke übergeben worden sind, zu einer Unterlage bei Besprechung des wichtigen Gegenstandes auf den Districtspastoral⸗ conferenzen zu dienen und überhaupt zum ernsten Forschen in Gottes Wort und zum prüfenden Vergleichen der auseinandergehenden Ueberzeugungen der Theologen der nachreformatorischen Zeit hierüber zu reizen. Die Redaction. Anzeige. So eben ist erschienen und durch den Generalagenten unserer Synode, Herrn M. Barthel, St. Louis, Mo., für 10 Cents zu beziehen: „Denkschrift zur Darlegung der Gründe für die Vereinigung der beiden theologischen Lehran⸗ stalten in St. Louis und für die Verpflanzung des Gymnasiums nach Fort Wayne, laut einmüthigen Beschlusses der vom 10. bis 20. October A. D. 1860 zu St. Louis abgehaltenen Versammlung der allgemeinen Synode. Im Auftrage der⸗ selben und zu Nutz und Dienst unserer lieben Gemeinden abgefaßt von Dr. W. Sih⸗ ler, Pastor.“ Zwar hat diese Schrift zunächst nur einen privaten Zweck für unsere Synode, wie derselbe auf dem Titel angegeben ist; allein dieselbe enthält, um diesem Zwecke zu ent⸗ sprechen, so viel Allgemeines über unsere gegenwärtigen kirchlichen Zustände und über wahre und falsche Theologie überhaupt, daß wir es für unsere Pflicht halten, diese Schrift auch in weiteren Kreisen bekannt zu machen und zu unbefangenem und auf⸗ merksamem Lesen zu empfehlen. Wir zweifeln nicht, daß dieselbe nicht nur uns, son⸗ dern auch vielen anderen zu reichem Unterricht dienen werde.