# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1861_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Die Erlanger Ausgabe der Werke Luthers. Luthers Werken findet, noch keinen Beweis des Gegentheils zu erblicken. Aber bedauerlich bleibt die Thatsache immerhin. Ihrer Ursache des Breiten nachzuspüren, liegt jedoch außer unserem Interesse. Es ist freilich wahr, daß die Ausgabe Anfangs, namentlich hinsichtlich ihrer äußeren Ausstattung, manches zu wünschen übrig ließ, was aber großentheils in der Absicht seinen Grund hatte, sie möglichst billig herzustellen und ihr eine weitere Verbreitung zu sichern. Allein eben so wahr ist, daß die Verleger kein Opfer gescheut und die Herausgeber nichts versäumt haben, um die Mängel in den späteren Abtheilungen zu beseitigen und der Ausgabe jene wesentlichen Vorzüge zu sichern, welche sie vor allen anderen voraus hat, und welche schon früher in unserer Zeitschrift (Bd. XIX. N. F.) ausführlich hervorgehoben worden sind. Die Erlanger Ausgabe ist ja ohne Frage die vollständigste, sie enthält manches, was in allen Gesammtausgaben fehlt, sie gibt jede Schrift Luthers in der Sprache, in der sie geschrieben worden, was bekanntlich in der Walchischen Ausgabe, die doch eigentlich noch allein mit der Erlanger concurrirt, nicht der Fall ist; die Herausgeber waren, was die Hauptsache ist, bemüht, „den ursprünglichen reinen Text nach den unter Luthers Augen zu Wittenberg selbst gedruckten Originalausgaben unter sorgfältiger Beibehaltung aller Spracheigenthümlichkeiten und alleiniger Anbequemung der Orthographie und Interpunktion an die jetzige wieder herzustellen;“ und die Erlanger Ausgabe ist die einzige, welche man eine kritische nennen kann. Ihr ist es auch sehr zu Statten gekommen, daß früh der gründliche und fleißige Dr. Irmischer die Herausgabe allein besorgt hat, aus dessen Händen sie in die gleich sehr geschickten und gewissenhaften Hände des Herrn Dr. Schmidt übergegangen ist. Es ist freilich noch keine kritische Ausgabe in dem Sinne, wie es die Lachmann'sche Ausgabe von Lessings Werken ist, aber wer die Arbeit, welche dazu erforderlich ist, zu würdigen weiß, der wird auch von einer Handausgabe, die wohlfeil ist und von dem Verleger ohne Subvention hergestellt wird, solche Erwartungen nicht hegen. Genug, daß sie dem theologischen Bedürfniß vollständig entspricht. Die Ausgabe enthält nun bereits sämmtliche deutsche Schriften Luthers in 65 Bänden mit einem sorgfältig gearbeiteten werthvollen alphabetischen Sachregister in 2 Bänden. Die Ausgabe der lateinischen Schriften, und eine solche ist bekanntlich zum ersten Mal wieder seit 236 Jahren unternommen worden, umfaßt bereits 25 Bände exegetischen Inhalts, und darunter sind solche, welche bisher noch in keiner Gesammtausgabe in der Originalsprache enthalten sind. (Die enarrationes in psalmos XXV priores). Noch aber fehlen von den exegetischen Werken die Scholia in Esaiam prophetam, cap. XLI—LXVI; die enarratio uberior cp. IX und cp. LIII Esaiae; die enarrationes in prophetas minores; die enarrationes epistolarum et evangeliorum, quas Postillas vocant und annotationes in aliquot capita Matthaei; und es fehlen alle reformationshistorischen Schriften Luthers, über deren Bedeutung wir nichts zu sagen brauchen. — Alle diese Schriften aber ließen sich in c. 14 Bände fassen.