# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1861_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Zur Union. erfahren mußten ꝛc. Beide ehrwürdige Greise sind nun schon in der Ruhe. Das Gnadenjahr eröffnete ich mit Gottesdienst und Abendmahl, wozu ich mir das Brod mitbrachte, und die Gemeinden wußten es auch schon vorher, wie es kommen würde. So ist in den 23 Kirchen hiesiger Synode der neue Ritus eingeführt worden, und es ist auch nie und nirgend ein ungünstiges Wort darüber gesprochen, auch nie und nirgend ein saures Gesicht dazu gemacht worden, weil die Prediger selbst keine Veranlassung dazu gegeben haben! Zu dem Ende aber haben wir Prediger jährlich ein, auch wohl zwei Mal uns versammelt und dazu beständig per Currende uns unter einander Mittheilungen gemacht, uns unter einander berathen, ermahnt, ermuntert zum guten Werke und erfreut über die glücklichen Erfolge unserer Unternehmungen. — Viel ist es werth, und alles ist daran gelegen, daß die Brüder einer Synode auch Eines Sinnes sind, sich recht brüderlich lieben und zu dem Primus inter pares das vollste Vertrauen haben! Dieses Vertrauen, dessen ich mich erfreue (da ich als Senior der Synode alle meine Synodalen bis auf Einen selbst introduzirt, zum Theil auch ordinirt habe), dieses Vertrauen macht es, daß meine Synodalen in allen Amtssachen nur so wollen wie ich will, und unbedingt meinen Rath annehmen und befolgen. Fern sei es doch von mir, mein theurer Herr Bruder! mich vor Ihnen zu brüsten. Nein, ich schreibe dieses mit wahrer Rührung, die ich allezeit empfinde, wenn ich denke an meine jüngeren Brüder in der Synode, die es alle erkennen, wie sehr ich sie liebe und achte, wie ich ganz für sie lebe, und die es mir so reichlich zu lohnen wissen. — Unserer Einigkeit im Geist haben wir es auch zu verdanken, daß wir die neue Agende wie mit Einem Schlage in allen Kirchen eingeführt haben; ebenfalls ohne Frage und ohne Geräusch, jedoch mit der nöthigen Vorsicht, daß wir ein Publicandum von allen Kanzeln ertönen ließen, welches ich Ihnen zu gütiger Beurtheilung beifüge. — Auch nicht Eine Stimme hat sich dagegen empört. Alles fügt sich mit weiser Umsicht in den Willen des Königs, alles fühlt in sich die heilige Verpflichtung, zum Beweise seiner Gottesfurcht das jus liturgicum dem Könige lieber einzuräumen, als ihm streitig zu machen! (durch welches letzte auf dieser Erde nie etwas gewonnen werden kann! —) Ich bekenne es selbst, daß die Einführung aller dieser Neuerungen von nun an und in Folge-immer schwieriger wird, da man von obenherab anfängt, den ganz unrichtigen Grundsatz einzuschärfen: die Gemeinden müssen befragt werden und ihren Willen darein geben! Nein, sage ich, und sagen meine Synodalen: es ist genug, wenn die Gemeinden stillschweigend es sich gefallen lassen, was ihre Seelsorger in ihren kirchlichen Angelegenheiten für sie wählen; und alle Gerechtigkeit ist erfüllt, wenn ein jedes Gemeindeglied freien Zutritt zu seinem Prediger hat, um sich privatim von ihm belehren zu lassen über das Warum? solcher Veränderungen! — Es würde aber auch wirklich den evangelischen Gemeinden gar nicht einfallen, ein Recht des Widerspruchs sich anzumaßen gegen die Anordnungen des